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Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Die Koste steigen. Gerade für Haushalte mit weniger Einkommen wird dies zur Herausforderung.
Thema der Woche

Zwei große Gas- und Stromanbieter der Region stoppen Neuverträge

Samstag, 16. Oktober 2021 von Franz Purucker

Auf die Stadtwerke Geseke sind mehrere Strom- und Gasinteressenten zugekommen, denen die Verträge gekündigt wurden, berichtet Geschäftsführer Hans-Jürgen Kayser auf NR-Nachfrage. 

Die Stadtwerke nehmen aber aktuell gar keine Neukunden auf: „Wir wollen unsere Preise seriös kalkulieren. Das geht nicht, wenn sich der Preis an nur einem Tag um ein Drittel verändert.“ Das Geseker Unternehmen verkauft Strom der Vereinigte Gas- und Wasserversorgung mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück.

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Auch große Anbieter wie E.ON – die im NR-Land über die meisten Kunden verfügen, haben den Vertrieb komplett gestoppt und bieten keine neuen Verträge mehr an. Aus der Pressestelle heißt es: „Es werden neue Produkte konzipiert, die den Entwicklungen am Markt gerecht werden.“

In den Vergleichsportalen wie Verivox sind für die Region nur Angebote zu finden, die kaum Preiseinsparung gegenüber der Grundversorgung bringen. Das Problem: In der Corona-Krise war der Großhandelspreis auf fünf Euro je Megawattstunde gefallen – nun liegt dieser zeitweise bei über 70 Euro.

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Beim Kunden wirkt sich das nicht ganz so stark aus: Nur 40 Prozent des Endpreises entfällt wirklich auf die Gasbeschaffung. Der Staat kassiert etwa ein Drittel für Gas-, Umsatz- und CO2-Steuer, ein Viertel geht an den Netzbetreiben – im NR-Land die Westfalen-Weser-Netz. 

Gewinner sind Kunden mit langfristigen Verträgen: „Einige Kunden profitieren von der Preisgarantie bis 31. Dezember 2022“, so Kayser. Auch E.ON betont, keinem Kunden zu kündigen.

Warum steigen die Preise so extrem?

Grund für den Preisanstieg ist einerseits die Weltwirtschaft, die nach der Corona-Pandemie wieder Fahrt aufnimmt und einen hohen Gas- und Energiebedarf hat. Diese steigende Nachfrage wirkt sich auf den Preis aus und das bereits seit Monaten.

Vor allem Billig-Anbieter haben wohl gehofft, dass die Preise fallen. Sie versuchen am Spot-Markt sehr kurzfristig günstig einzukaufen. Dieses Kalkül ist nicht aufgegangen. Große Versorger decken sich in der Regel hingegen langfristig mit Gas ein.

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Das heißt aber auch: Die Preiswelle wird viele Verbraucher noch treffen. Höhere Preise haben bereits unter anderem die Stadtwerke Brilon (+15 Prozent) angekündigt. Innogy und E.ON haben den Preis bereits im vergangenen Jahr um 3,2 bis 5 Prozent angehoben.

Eine dritte Komponente, die den Preis in die Höhe treibt, sind die Steuern: Der Co2-Preis macht sich seit Jahresbeginn zum ersten Mal bemerkbar und beträgt 25 Euro pro Tonne CO2 und macht damit etwa ein Zehntel des Endpreises aus. Für ein Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das 90 Euro mehr.

Bis 2025 verdoppelt sich der Co2-Preis auf 55 Euro und verteuert das Gas um 0,45 bis 1,2 Cent je Kilowattstunde. Allein dies macht noch mal 110 Euro mehr pro Jahr.

Richtig wehtun wird der Co2-Preis an der Tankstelle, wo sich das Benzin zu den jetzt enthaltenen sechs Cent CO2-Steuer pro Liter bis 2025 um weitere sechs Cent verteuern wird. 

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Beim Strom macht sich der Co2-Preis nur bedingt bemerkbar, weil dieser hier nicht vom Endverbraucher bezahlt wird, sondern vom Kraftwerksbetreiber. In erster Linie trifft dies Stromproduzenten aus fossilen Energiequellen, die den Preis letztlich aber umlegen werden. 

Trotzdem wird auch Ökostrom teurer. Um Stromspitzen auszugleichen, wenn also nicht ausreichend Strom durch Windräder, Solaranlagen und Wasserkraft zur Verfügung steht, wird auf Gaskraftwerke gesetzt. Auch in diesem Bereich sind deshalb Preiserhöhungen wahrscheinlich. 

Beim Strom ist der Anteil an Steuern, Umlagen und Netzentgelten aber deutlich höher. Die Strombeschaffung macht nur ein Viertel des Preises aus. Rund die Hälfte sind Steuern, Abgaben und Umlagen. Ein Viertel sind Netzentgelte und Messgebühren.

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