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Foto: Flickr/ Klaus Friese (Symbolfoto)
Eine Frau schubst einen Fahrgast zu Boden - hier dargestellt von der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück - die Schüler ermutigen will, zu handeln statt nur zuzuschauen.
Bad Wünnenberg

Zivilcourage: Wie reagieren Zeugen richtig, ohne sich in Gefahr zu bringen?

Mittwoch, 29. Januar 2020 von Franz Purucker / Polizei Paderborn

Eine junge Frau steigt in einen Bus und pöbelt einen Businsassen an. Ziemlich dreist, denn es scheint ihr egal zu sein, dass alle Buspassagiere zugucken. Die Situation eskaliert, als die Frau ihr Opfer zu Boden stößt und der Jugendliche verzweifelt schweigend nach Hilfe sucht. Was sollen Schüler in solchen Situationen tun?

Darum geht es beim Busprojekts „Dreist“ der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, bei dem Jugendliche mit solchen alltäglichen Gewaltszenen konfrontiert werden. 

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Das Projekt war nun zu Gast an der Profilschule Bad Wünnenberg-Fürstenberg und an der Gesamtschule in Paderborn-Elsen. In einer lebendigen Interaktion sollten die Schülern überlegen, was in der dargestellten Szene helfen kann.

Und das wird gleich ausprobiert: Die Schauspieler agieren exakt wie in der ersten Szene, nur diesmal bekommt das „Opfer“ deutlich früher Hilfe von den jugendlichen Fahrgästen. Einige Mädchen und Jungen greifen ein und versuchen die aggressive Frau von ihrem „Opfer“ zu trennen.

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Die ist aber dreist und lässt sich erst vom Busfahrer stoppen, der von einem Jungen auf die Situation aufmerksam gemacht und um Hilfe gebeten wurde. Padersprinter-Busfahrer Christian Hahn kennt solche Szenen und greift konsequent durch. Er ist wie viele seiner Kollegen für so etwas geschult und ermuntert seine „Projekt-Fahrgäste“, bei Problemen, Hilfe vom Busfahrer einzufordern.

Theaterpädagoge Markus Brockmeyer (links) erläutert Handlungsalternativen.
Foto: Polizei Paderborn

Falls die Interventionen erfolglos bleiben, haben die Padersprinter-Busfahrer einen direkten Draht zur Polizei. Die Akteure der theaterpädagogischen Werkstatt wiederholen die Situation abermals und führen ihr Publikum so an verschiedene Interventionsmöglichkeiten. Später wechselt die Szene und eine Ausländerin steht im Fokus eines betrunkenen Fahrgastes und seines Kumpels. Schon sehr früh stehen Schüler auf, um der Frau zu helfen.

„Es gibt keine goldene Regel, wie man bei solchen Konflikten in der Öffentlichkeit eingreifen kann – aber nichts zu tun wäre völlig falsch“, erklärt Theaterpädagoge Markus Brockmeyer.

Kriminalhauptkommissar Jürgen Neuhoff, der ebenfalls im Bus sitzt und die Szenerie verfolgt hat, macht aber auch klar, dass sich niemand selbst in Gefahr bringen soll. Neuhoff: „Betrunkene solltet ihr am besten gar nicht ansprechen – die Reaktionen sind unberechenbar. Rechtzeitig Hilfe holen – im Bus beim Fahrer oder einem anderem Erwachsenen – kann eigentlich jeder.“

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Organisatoren und „Dreist“-Akteure: v.l. Landrat Manfred Müller, Klassenlehrerin Ines Rjosk, Annkatrin Domann (Jugendamt Stadt Paderborn), die Schauspieler Johanna Bethge, Robert Lieli sowie Markus Brockmeyer, Stefanie Lang (Jugendamt Kreis Paderborn, Marina Seipel (Jugendamt Stadt Paderborn), Christian Hahn (Busfahrer Padersprinter) und Polizist Jürgen Neuhoff vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz. Foto: Polizei Paderborn

Nach 45 Minuten endet das Bus-Projekt-Stunde mit „Dreist“. Markus Brockmeyer: „Wir lassen die Jugendlichen spontan Handlungsalternativen ausprobieren. Sie sollen in unserem Projekt selbst erfahren, wie sie in bedrohlichen Situationen deeskalierend eingreifen können. Unser Ziel heißt ‚Hinsehen statt Wegschauen‘, da gibt es viele Möglichkeiten – und das soll bei allen sitzenbleiben.“

„Zeig Mut! Schau hin und tu was.“ heißt der Slogan des Präventionsrat gegen Gewalt im Kreis Paderborn. Das Projekt soll methodische Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich Menschen in Konfliktsituationen helfend verhalten können. Zum zweiten Mal engagierte der Paderborner Präventionsrat die Osnabrücker Schauspieler Markus Brockmeyer, Johanna Bethge und Robert Lieli, um Schülern im Kreis Paderborn die Teilnahme an dem Präventionsprojekt zu ermöglichen.

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