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Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Szenen, die keiner erleben will. Eine junge Frau wird nach einem Badeunfall aus dem Wasser gerettet. Mehr Nichtschwimmer begünstigen besonders bei Kindern solche Szenen.
Thema der Woche

Zahl der Nichtschwimmer auf Rekord-Hoch: Rettungsschwimmer sind in Sorge

Samstag, 19. Juni 2021 von Franz Purucker

In den Städten gibt es inzwischen mehrere Initiativen, die Zahl der Schwimmkurse zu erhöhen.

Bad Wünnenberg

Einstimmig brachte der Familien-, Jugend-, Sport- und Kulturausschuss am Donnerstagabend die von Kevin Gniosdorz angeregte Schwimmlern-Offensive auf den Weg.

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Kevin Gniosdorz
Kevin Gniosdorz hatte die Idee zur Schwimmlern-Offensive. Foto: CDU Bad Wünnenberg

Die Kurse werden im Bad Wünnenberger Hallenbad stattfinden, das wegen Corona eigentlich geschlossen ist. Die Stadt nimmt dafür 30.000 Euro in die Hand, um den Badebetrieb dort wieder hochzufahren. Die Becken laufen bereits voll.
Ab Sommer stehen in der Kurstadt 144 Plätze zur Verfügung. In der Regel führen die hauptamtlichen Schwimmmeister die Kurse gemeinsam mit Ehrenamtlichen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) durch. „Das ist unsere zentrale Aufgabe“, so Frank Zeisberg, Vorsitzender der DLRG-Bad Wünnenberg.

Beginnen werden die Kurse jeweils montags am 5. Juli, 19. Juli und 2. August um 9 Uhr, 09.45 Uhr, 13.30 Uhr und 14.15 Uhr. Nach der aktuellen Verordnung wird ein negativer Corona-Schnelltest benötigt. Die Anmeldung zu den Kursen erfolgt ab Montag, 21. Juni, um 9 Uhr unter 02953-340.

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Die Kurse richten sich zunächst an Grundschüler und Schulanfänger, die dieses Jahr die Kita verlassen. Die Schwimmkurse kosten 50 Euro, wobei Vertreter der offenen Jugendarbeit Familien bei Anträgen auf Bildungs- und Teilhabeleistungen unterstützen sollen.

„Es ist nun an der Zeit, dass wir der nachfolgenden Generation etwas zurückgeben, die in der Pandemie auf so viel verzichtet hat“, sagt Sabine Willeke, die den zuständigen Ausschuss in Bad Wünnenberg leitet.

Der Kurs richtet sich grundsätzlich an Nicht-Schwimmer, aber auch an unsichere Schwimmer, die das Seepferdchen bereits erreicht haben. Die Zuordnung der Gruppen übernimmt Schwimmmeister Klaus Kramps, der unterstreicht: „Es ist wichtiger denn je, dass wir den Kindern wieder das Schwimmen beibringen.“

Die Wettkampf- und Rettungsschwimmerabteilung der DLRG hat sich in der Pandemie-Zeit mit Online-Apps, Radfahren und Laufen fit gehalten. Der richtige Trainingsbetrieb soll dort nach den Sommerferien wieder starten.

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Büren

Die SPD Steinhausen regte bereits am 27. Mai an, dass die Verwaltung ein Konzept ausarbeiten soll, um die während der Pandemie entstandenen Lücken beim Schwimmlernbedarf zu schießen.

Die CDU stellte drei Tage später einen entsprechenden Ratsantrag mit dem Auftrag, die Rahmenbedingungen für eine Schwimmlern-Offensive zu schaffen. Bürgermeister Burkhard Schwuchow erkannte offenbar, dass Eile geboten ist. Die Thematik wurde nicht in einen Fachausschuss verwiesen, sondern direkt auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung am 24. Juni gesetzt.

Konkret sollen Gespräche mit der Verwaltung und der örtlichen DLRG geführt werden. Die CDU schlägt zusätzlich vor, qualifizierte Kursleiter anzusprechen.

Die DLRG in Büren bietet aktuell Kurse im Hallenbad und steht zusätzlichen Schwimmstunden grundsätzlich offen gegenüber: „Wir haben aktuell zehn bis 15 Trainer, die quasi quer bei Fuß stehen und kurzfristig zusätzliche Kurse auf die Beine stellen könnten“, so Jannik Lüke, Trainerchef der DLRG-Büren: „Dazu brauchen wir aber zusätzliche Kapazitäten im Freibad.“ Außerdem ist Eile geboten, um den Kurs noch bis zum Sommer auf die Beine zu stellen.

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Salzkotten

Als Peter Dyga von der DLRG-Salzkotten um 0.14 Uhr die E-Mail erhielt, dass die seit 16 Minuten online gestellten Schwimmkurse restlos ausgebucht sind, dachte der 45-Jährige zunächst an einen technischen Fehler, doch die Kurse waren wirklich voll.

Die DLRG in Salzkotten versucht aktuell alles, um so viel Kurse wie möglich anzubieten. „Die Stadt hat uns kurzfristig mehr Wasserfläche – nämlich zwei statt einer Bahn im Freibad zur Verfügung gestellt – und einen Raum gegeben“, so der DLRG-Vorsitzende.

Statt der sonst acht bis neun Kinder können an jedem Kurs aber nur fünf teilnehmen.
Aktuell finden zwei Seepferdchen-Kurse pro Woche statt. Nachteil der Sälzer-Stadt: Seit vielen Jahren gibt es dort kein Hallenbad mehr. Als Ausgleich hat die Stadt schon vor einigen Jahren ein Förderprogramm auf den Weg gebracht. Wird das Seepferdchen bis zum Ende der 2. Klasse absolviert, zahlt die Stadt 90 Euro und bis zum Ende der 4. Klasse 75 Euro.

Die SPD in Salzkotten hat zunächst eine Anfrage an die Verwaltung gereichtet, ob die Verwaltung die Möglichkeit sieht, das Angebot an Schwimmkursen auszuweiten. Die Stadt soll zudem prüfen, eigene Übungsleiter für Schwimmkurse einzustellen.

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Geseke

In der Hellweg-Stadt hat die Schwimmabteilung im Turnverein Geseke (TV) die Sache in die Hand genommen. „Wir bieten bis zum Ende der Sommerferien 120 Kursplätze an“, erklärt Kirsten Sonntag, die die Schwimmabteilung des Vereins leitet.

Rasch begannen im Lehrschwimmbecken Störmede wieder Schwimmkurse für Kinder. Foto: TV Geseke

Die vier Schwimmtrainer des Vereins werden von zwei externen Kräften unterstützt. Der große Vorteil: Die eigentlich im Sommer stattfindende Wartung im Lehrschwimmbecken Störmede wurde bereits im Corona-Lockdown im Frühjahr durchgeführt, sodass das Bad nun für Schwimmkurse in den Sommerferien zur Verfügung steht.
Sechs Kurse für jeweils acht Kinder werden über das Landesprogramm „NRW kann schwimmen“ gefördert, sodass der Eigenanteil für Teilnehmer bei nur zehn Euro liegt.

Für jede Geseker Schule steht ein Kurs mit acht Plätzen zur Verfügung. „In der jeder Grundschule haben wir vier bis fünf Mal so viele Anmeldungen“, berichtet Sonntag.

Auch für die Rettungsschwimmer fiel das Training aus: Hendrik Dicke von der DLRG Geseke wich auf den Albertsee bei Lippstadt aus, um fit zu bleiben. Aktuell übernimmt der Geseker Wachdienste an der Deutschen Ostsee. Foto: DLRG Geseke

Das Problem: „Wir haben Kinder dabei, die seit 1,5 Jahren nicht im Wasser waren. Da fehlt die Wassergewöhnung. Diese in zehn Terminen zum Seepferdchen zu bringen, ist eine Herausforderung.“
Ein Kurs steht den weiterführenden Schulen in den Klassen fünf und sechs zur Verfügung. Auch dieser Kurs ist komplett voll.

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Einer Schwimmlernoffensive der Kommune steht Sonntag offen gegenüber: „Dann müssten aber alle Geseker Vereine an einem Strang ziehen.“ Auch für die DLRG ist das vorstellbar: „Wenn wir entsprechende Wasserzeiten bekommen, würden wir Schwimmkurse anbieten“, so Roland Dicke.

Die Sportschwimmer vom TV Geseke und die DLRG nutzen aktuell den Samstag für ihr Training, wo das Freibad für den öffentlichen Betrieb geschlossen ist. Hendrik Dicke, Vize-NRW Landesmeister im Freigewässer-Rettungssport, trainiert bereits seit dem Frühjahr im Albertsee bei Lippstadt und übernimmt nun Wachdienste an der Nordseeküste.

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