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Foto: KISS/Bezim Mazhiqi
Katharina Gratz, Ute Mertens und Hanna Bielefeld von der Selbsthilfekontakt- und Beratungsstelle (KISS) Paderborn.
NR-Land

Wo man mit seinen Problemen verstanden wird

Samstag, 3. September 2022 von Marco Schreiber

Von A wie ADHS bis Z wie Zwangserkrankung – viele Betroffene fühlen sich mit ihrer Krankheit, ihren Nöten und Problemen allein, unwohl und hilflos. Ein Weg, damit umzugehen, ist der Anschluss an eine Selbsthilfegruppe. 

Die Selbsthilfe-Kontakt- und Informationsstelle des Kreises Paderborn kennt nahezu 100 verschiedene Gruppen, die sich mehr oder weniger regelmäßig treffen und sich zu ihren Themen austauschen. „Auch du kannst teilnehmen, wenn du das möchtest!“ Mit diesem Satz wirbt die  Kontaktstelle in ihrer zweiseitigen Übersicht für die Selbsthilfearbeit. 

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Ist das persönliche Thema nicht dabei, helfen die drei Beraterinnen der Kontaktstelle bei der Suche oder unterstützen eine Gruppengründung. „Unsere wichtigeste Aufgabe ist es, über die Gruppen zu informieren und in die Gruppen zu vermitteln“, sagt Beraterin Hanna Bielefeld.

Dazu beteiligt sich die Kontaktstelle mit acht Veranstaltungen an der bundesweiten Woche der Selbsthilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vom 3. bis 11. September. Am Dienstag, 6. September, wird im Kreishaus in der Aldegreverstraße eine Ausstellung eröffnet, die bereits vor zwei Jahren gezeigt werden sollte. „Wegen der Pandemie musste die Eröffnung immer wieder verschoben werden“, sagt Bielefeld. „Jetzt holen wir das nach.“

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Auf 16 auch als Roll-Ups bezeichneten Plakaten stellen sich verschiedene Selbsthilfegruppen vor und erzählen, was Selbsthilfe für sie bedeutet: „Selbsthilfe macht stark“.

Mit der Ausstellung zum Thema Selbsthilfe soll außerdem das vielleicht etwas angestaubte Bild solcher Gruppen aufgefrischt werden, sagt Beraterin Bielefeld. 

Die Roll-Ups werden bis Ende September im Kreishaus zu sehen sein. Danach sollen sie  in die Städte und Gemeinden geschickt werden – was wegen der vielerorts immer noch geltenden Zugangsbeschränkungen für öffentliche Gebäude  nicht ganz einfach sei. 

Diese Beschränkungen stellen viele Gruppen vor ein Problem. Bielefeld: „Oft treffen sich die Gruppen in Kliniken und Altenheimen.“ Auch dort gelten noch strenge Regeln, wer hinein darf und unter welchen Bedingungen. 

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Lockdowns, Kontaktverbote, die Gefahr einer Ansteckung – die Pandemie hat auch im Kreis Soest viele Gruppen belastet, berichtet Dana Stinson von der Selbsthilfekontaktstelle Soest. „Bei einigen Gruppen hat es sich verlaufen, als sie sich nicht treffen konnten“, sagt Stinson. Andere haben andere Formen gefunden, sich zu treffen, etwa als privater Freundeskreis. Dann gab es wiederum engagierte Gruppenleiter, die fast täglich mit den Mitgliedern telefoniert haben, so Stinson. „Sie haben sich darum gekümmert, dass es der Gruppe gut geht.“

Einer Gruppe, in der die Teilnehmer in vertrauter Runde über ihre persönlichen Themen sprechen, die ein gemeinsames Schicksal verbindet. Ob Krankheit, Sucht oder die Schwierigkeiten als Angehöriger von Betroffenen, jede Gruppe hat ihren eigenen Schwerpunkt. Wichtig ist das Gefühl, verstanden zu werden, sagt Stinson. „Menschen aus den verschiedensten Lebenswelten, die eine Sache verbindet, entwickeln in ein Wir-Gefühl.“ 

Das stärkt. Im Austausch über ihre Problematik werden sie zu Experten in eigener Sache, finden Halt und profitieren vom Wissen der anderen. 

Der erste Schritt in eine Gruppe, die Kontaktaufnahme, ist oft der schwerste. Stinson: „Zu sagen, ich brauche Hilfe, ist oft schambehaftet.“ Deshalb wenden sich manchmal auch die Angehörigen an die Kontaktstelle. 

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Dort werden sie nach eingehender Beratung in bestehende Gruppen vermittelt – oder bei der Gründung einer neuen unterstützt. Raumsuche, Öffentlichkeitsarbeit, Begleitung der ersten Treffen und Hilfe, wenn es hakt: Dieses Angebot machen sowohl die Beraterinnen in Soest als auch die in Paderborn. 

Mehr zur Woche der Selbsthilfe im Internet: www.der-paritaetische.de          

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