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Foto: Marco Schreiber
Vor der Lagerhalle der Solidarischen Landwirtschaft Vauß Hof in Scharmede stapeln sich die Gemüsekisten.
NR-Land

Wo die Gemeinschaft das Risiko trägt

Montag, 27. Juni 2022 von Marco Schreiber

Das weiße Banner mit dem roten Rübenlogo ist schon von der Straße aus zu sehen. Solidarische Landwirtschaft Vauß Hof eG steht darauf. Hier, am Ortsausgang von Scharmede Richtung Bentfeld, betreibt eine Gemeinschaft von 250 Menschen eine genossenschaftlich organisierte Landwirtschaft nach dem Solidarprinzip (Solawi). 

Die wöchentliche Ernte wird in diesem Jahr zwischen 130 Mitgliedern aufgeteilt. Von Frühjahr bis Herbst kommt sie frisch vom Acker und aus dem Gewächshaus, im Winter aus der Kühlzelle.  „Wir bauen auf unseren Flächen saisonales Gemüse und Lagergemüse für die Ernteteilnehmer an“, sagt Gärtnerin Maike Westermann. „Was geerntet wird, das wird aufgeteilt, der Erfolg genauso wie der Misserfolg.“ 

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Damit bringt die Gärtnerin das Solidarprinzip auf den Punkt. „Der Landwirt ist durch die Ernteteilnehmer abgesichert und kann das Gemüse rentabel an den Mann bringen.“ Dazu müsse man wissen, dass viele Landwirte nicht gewinnbringend arbeiten und sich oft selbst ausbeuten, sagt Westermann. Geht eine Ernte oder auch nur ein Teil davon verloren, sei es durch Trockenheit, sei es durch eine Schädlingsplage, kommt ein Hof schnell in existenzielle Nöte. Eine Solidargemeinschaft kann das eher auffangen als ein unternehmerischer Einzelkämpfer.

Gegründet wurde die Solawi Vauß Hof im Januar 2016 als gemeinnützige Genossenschaft. Jedes Mitglied ist auch Miteigentümer und an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt.  Aktuell diskutieren die Genossenschaftsmitglieder darüber, ob es in Paderborn eine Abholstation geben oder sogar ein Lieferdienst eingerichtet werden soll, berichtet Alena Diedrich. Die Paderbornerin ist seit der Gründung dabei und vor kurzem in den Aufsichtsrat gewählt worden. 

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Das Solidarprinzip kannte Diedrich aus ihrer Heimat im Braunschweigischen. „Als wir nach Paderborn gezogen sind, haben wir etwas für die Kinder gesucht“, erzählt Diedrich. „Sie sollen erleben, was auf einem Bauernhof passiert.“ Die Solawi hat viele Familien angezogen. Wenn bei den Arbeitseinsätzen gemeinsam gepflanzt und gejätet wird, sind oft die Kinder mit dabei. Auch die Bildungsangebote ziehen Familien an.

Den 3,5 Hektar großen Acker und die Lagerhalle hat die Solawi vom namensgebenden Vauß Hof gepachtet, einem Biobetrieb in Scharmede. Von dort kam auch der Impuls zur Gründung, erzählt Diedrich. „Zu einer Info-Veranstaltung zur besten Tatort-Zeit am Sonntagabend hatten sich hundert Leute eingefunden.“

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Heute werden 60 verschiedene Kulturen im Freiland und in den vier Gewächshäusern angebaut. Außerdem gibt es Kräuter, Obstbäume und Beerensträucher. Seit 2019 werden auf Brachflächen Hühner gehalten.

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