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Foto: Heike Tebbe
Carolin Menke und Carsten Krolpfeifer: Wirte und Gäste wollen gemeinsam den Gastro-Lockdown durchstehen und kämpfen für den Erhalt einer bunten Gastronomie-Szene in Büren.
Büren

„Wir brauchen gerade jetzt ganz viel Solidarität!“

Samstag, 14. November 2020 von Heike Tebbe

Was wäre eine Stadt ohne Kneipen, Restaurants, Hotels? Was würde aus den vielen Kegelclubs, Stammtischen und Skatclubs, die sich dort treffen? Wohin würde man abends ausgehen, wo würden Firmen ihre Kunden und Geschäftspartner beköstigen und unterbringen? Wo würden Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen stattfinden?

Für die Antwort auf diese Fragen braucht man keine Glaskugel: Wenn die Gastronomie wegbricht, liegt das soziale und gesellschaftliche Leben einer Stadt weitgehend brach. Oder, wie es Carsten Krolpfeifer ausdrückt, „Kneipen und Restaurants zählen zum Kulturgut. Hier trifft man sich, hier kann man essen und trinken – manchmal vielleicht auch zu viel. Wenn es keine Lokale mehr gibt, liegt eine Stadt im Koma.“

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Carsten Krolpfeifer ist Mitglied des Bürener Kegelclubs fullhouse. Alle vier Wochen treffen sich die jungen Leute zum Kegeln und Klönen; einige von ihnen leben nicht mehr in ihrer Heimatstadt und kommen eigens zu den Kegelabenden zurück. Für Krolpfeifer und viele andere ist klar: Der derzeitige „Lockdown light“ trifft besonders die Gastronomie bis ins Mark. Viele Lokale, so befürchtet er, werden die erneute Zwangsschließung ihrer Betriebe nicht überleben. „Und von dieser akuten Krise sind nicht nur die Gastronomen betroffen, sondern auch Getränkehändler und andere Zulieferer – und natürlich auch wir Gäste“, so Krolpfeifer.

Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr ist der KC fullhouse aktiv geworden und hat einen Aufruf in den sozialen Medien und der Presse gestartet, Tenor: „Unterstützt euren Wirt! Kauft Gutscheine für den nächsten Stammtisch, zahlt die Bahnmiete im Voraus, nutzt die Lieferangebote der Gastronomie!“ Die gleichen Appelle richten die Kegelfreunde auch diesmal an alle, denen die Vision einer Stadt ohne Gastronomie Sorge bereitet.

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» Ich bin diesmal etwas entspannter als beim letzten Lockdown, denn wir konnten uns besser vorbereiten. Momentan leben wir vor allem von Bestellungen außer Haus und von unseren beruflichen Hotelgästen.Auch die in Aussicht gestellten finanziellen Hilfen würden der Gastronomie helfen, aber da sind noch keine Details bekannt. Wir hoffen einfach, dass es im Dezember weitergeht und blicken erst einmal optimistisch nach vorn. «

Berthold Ackfeld, Hotel Ackfeld

Die Wirte freuen sich über soviel Engagement, so wie Carolin Menke, Juniorchefin im Hotel-Restaurant Kretzer. „Wir erleben wirklich viel Unterstützung vonseiten unserer Gäste, die unseren Mittagstisch und den Lieferdienst nutzen“, sagt sie. Wie viele andere Gastronomen in Büren und den Ortschaften, hat auch das Hotel Kretzer zahlreiche Ideen entwickelt, um im Lockdown weiter arbeiten zu können. Dazu gehören Lieferdienste bis an die Tür, aber auch kreative Angebote wie die so genannten Sofamenüs am Wochenende oder schön eingepackte Gutscheine für die „Zeit danach“ und viele andere Ideen.

Auch mit Blick auf die Weihnachtszeit wird den Gastronomen viel Einfallsreichtum, aber auch größtmögliche Flexibiliät abverlangt: Weihnachtsevents von Firmen und Familienfeiern an den Festtagen können nur unter bestimmten Bedingungen stattfinden – wenn überhaupt, denn noch kann keiner sagen, ob am 1. Dezember die Türen der Lokale überhaupt wieder geöffnet werden dürfen.

» Zuhause sitzen bringt uns ja auch nicht weiter. Und unsere Gäste freuen sich, wenn sie sonntags bei uns hausgemachte Kuchen und Torte kaufen können. Wochentags haben wir belegte Brötchen, Fladenbrot, Kaffee und so weiter, das wissen vor allem die vielen Schüler zu schätzen. «

Safar Danho, Café Stilbruch

Unsichere Zeiten also für die Gastronomie. Umso wichtiger ist für Carolin Menke und ihre Berufskollegen die Solidarität untereinander: „Mit Konkurrenzdenken kommt man schon in normalen Zeiten nicht weit in so kleinen Strukturen wie in Büren“, sagt sie. Erst recht aber nicht in Corona-Zeiten: „Wir setzen auf kollegiales Miteinander. Gemeinsamkeit macht stärker, wir brauchen gerade jetzt ganz viel Zusammenhalt und Solidarität.“

» Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Zum Glück haben wir neben der Gaststätte auch noch einen Getränkemarkt und eine Pension, in der Monteure übernachten. Die reine Gastronomie ist schwierig, wenn keine Stammtische, Vereine und Kegelclubs sich treffen dürfen. «

Jürgen Petrik, Zum Tannenhof (Brenken)

Und vor allem: die Unterstützung der Gäste, auch wenn die Zapfhähne hochgestellt sind. Carsten Krolpfeifers Appell: „Wir sind tausende von Gastronomie-Besuchern. Lasst uns gemeinsam unsere Wirte unterstützen und die Angebote nutzen, die sie uns machen.“ 

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