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Foto: Franz Purucker mit Bildern von Pixabay
Thema der Woche

Windkraft: So wirkt sich die 1.000-Meter-Abstandsregel auf die Region aus

Samstag, 4. September 2021 von Franz Purucker

Für bebaute Ortslagen gilt die 1.000 Meter-Regel immer dann, wenn Wohnhäuser nicht nur ausnahmsweise zulässig sein dürfen. Was das heißt, erklärt Andreas Lahme, Fachanwalt für Verwaltungsrecht in der Lippstädter Kanzlei Engemann und Partner und stellvertretender Vorsitzender im Landesverband für Erneuerbare Energien NRW: „Wenn in einem Industriegebiet eine Werkleiterwohnung liegt, darf dort trotzdem ein Windrad gebaut werden.“

Für die Betreiber von Windkraft wie die Westfalen Wind aus Lichtenau wird der Ausbau der Windkraft durch das neue Gesetz massiv gebremst: „Wir haben die Befürchtung, dass es windkritische Kommunen gibt, die über dieses Instrument versuchen, den Ausbau zu verhindern“, so Sonya Harrison, Sprecherin des Unternehmens.

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Genau das ist nun tatsächlich möglich: Die 1.000-Meter-Regel gilt nämlich auch in Gebieten mit sogenannten „Außenbereichssatzungen“, die in dünn besiedelten Gebieten geschaffen, werden um die weitere Entwicklung zu vereinfachen. Gebrauch machen davon unter anderem in Salzkotten und Büren.

Auch Repowering wird gebremst

Monika Agatz, Expertin für kommunale Energieplanung, sieht aber weiteres Problem: „Auf die Kommunen könnte eine große Klagewelle zurollen. Das Land schiebt den schwarzen Peter an die Kommunen weiter.“ Schon heute beschäftigen sich Gerichte vielfach mit Klagen von Windradbetreibern, wegen abgelehnter Baurechte.

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Sonya Harrison sieht vor allem beim Repowering eine massive Behinderung. Denn: Nach 20 Jahren fallen die Anlagen aus der EEG-Förderung (mehr dazu auf Seite 6, links von dieser Seite). Ein Weiterbetrieb ist nach Angaben der Betreiber dann nicht mehr rentabel. Also werden die Windräder durch neue, moderne und vor allem leistungsfähigere Anlagen ersetzt, die noch mehr Strom produzieren.

Genau dort liegt aber eine Fallstricke im neuen Gesetz. „Repowering wird wie ein Neubau gewertet, wenn die Anlage größer ist als die Alte“, erklärt Monika Agatz, weiter. Solche Vorhaben stehen unter bei Elisenhof aktuell an, wo zwei Neuanlagen neun ältere ersetzen. Die Stromproduktion steigt massiv an, was für die Bürgerinitiative Vernunftkraft NRW Fragen aufwirft: „Der Kreis Paderborn liegt bereits bei 120 Prozent Stromproduktion aus erneuerbarer Energie und wird auf 300 Prozent steigen“, so Hubertus Nolte: „Kann so viel Strom überhaupt durch die Netze transportiert werden?“

Fakt ist: Schon heute werden Windkraftanlagen abgeschaltet, wenn es im Netz zu einer Überproduktion kommt. Dies kommt zeitweise auch im Paderborner Raum vor, bestätigt Edgar Schroeren, Pressesprecher der Westfalen Weser Energie. Bei den 617 Windkraftanlagen im Netz der Westfalen-Weser-Energie, dass von Petershagen bis Marsberg reicht, kam es 2020 insgesamt 1.949 Mal zu Abschaltungen – meist in sehr kurzen Abschnitten. Für die Windradbetreiber entstehen dabei keine Nachteile, weil bei diesen sogenannten „entschädigungspflichtigen Schalthandlungen“ den Ausfall erstattet bekommen.

Die WWE prüft aber auch Alternativen zu solchen Abschaltungen – beispielsweise die Umwandlung von überschüssigen Strom in Wasserstoff, um diesen zu speichern.

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Außerdem stellt Andreas Lahme klar: „Wir werden in Zukunft viel mehr Strom benötigen – insbesondere durch die Elektrifizierung des Verkehrs.“

Die Bundesregierung rechnet bis 2030 mit etwa 15 Prozent höheren Stromverbrauch – wobei die Schätzung noch zu niedrig sein könnte, da allein die Chemieindustrie durch die Verstromung ihrer Produktionsprozesse etwa zehn Mal so viel Strom benötigt.

Wenn die letzten Atommeiler vom Netz gehen und die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, steigt der Strombedarf durch erneuerbare Energien noch stärker an.

Hubertus Nolte wiederum hilft das neue Landesgesetz nicht weiter. Sein Haus liegt weder innerhalb einer bebauten Siedlung noch in einem Bebauungsplan noch in einer Außenbereichssatzung.
Zudem besteht für alle Anlagen, die vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes genehmigt worden sind, die alte Regelung weiter.

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