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Foto: Franz Purucker mit Bildern von Pixabay
Thema der Woche

Windkraft: So wirkt sich die 1.000-Meter-Abstandsregel auf die Region aus

Samstag, 4. September 2021 von Franz Purucker

Die schwarz-gelbe Landesregierung hat sich in NRW den Unmut von Windradbetreibern, Naturschutzverbänden und der Opposition eingebrockt. Es geht um den Ausbau von Windrändern, für die nun eine neue Abstandsregel gilt, die über die Restriktionen anderer Bundesländer zum Teil weit hinaus geht.

Welche Regeln gelten eigentlich für Windräder, warum werden einige Anwohner weiterhin mit Anlagen unter 1.000 Metern leben müssen und wie stehen die Parteien in der nun anstehenden Bundestagswahl zum Ausbau von Wind- und Solarenergie?

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Hubertus Nolte aus Bad Wünnenberg wohnt im Außenbereich des Ortsteils Fürstenberg, das nächste Windrad wird aktuell nur 650 Meter hinter seinem Haus gebaut.

Ähnlich geht es den Menschen im Nachbarort Helmern, die seit 20 Jahren nur 800 Meter von Windrädern entfernt leben. Hier sollen die bestehenden Anlagen erneuert und vergrößert werden – im Fachjargon ist von „Repowering“ die Rede.

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Die neuen Anlagen sind 250 Metern hoch und noch lauter.

Schon heute sind die Anwohner von dem monotonen, zischenden Geräusch der Windräder genervt, einige berichten von Tinnitus und Bluthochdruck.

Die Betroffenen haben sich zur Bürgerinitiative „Vernunftkraft NRW“ zusammengeschlossen. Dabei bezeichnen sie sich selbst nicht als Windkraft-Gegner: „Wir sind für eine vernünftige Energiepolitik im Einklang mit Mensch und Natur“, so Hubertus Nolte, der aber kritisiert, dass immer mehr Windräder gebaut werden und „die Landschaft überprägen“, obwohl wenige neue Anlage mehr Strom produzieren als mehrere ältere.

Für viele Höfe und Siedlungen gilt keine Abstandsregel

Hoffnung macht den Betroffenen ein Gesetz, das die CDU- und FDP-geführte Landesregierung in NRW nun auf den Weg gebracht hat, dass den Abstand zwischen Windrädern und Wohnbebauung auf 1.000 Meter festsetzt.
Die Opposition im Landtag ist empört. Windradbetreiber und die Grünen laufen Sturm gegen die neue Regelung, sprechen selbst von einem „Windradbehinderung-Gesetz“ und ziehen Vergleiche zu Steinbrüchen, Mülldeponien oder Kohlekraftwerke (siehe Grafik), für die heute wesentlich laschere Regeln gelten.

In Lichtenau tanken Elektrofahrzeuge wie hier am Bürgerwindpark zwischen Ebbinghausen, Grundsteinheim und Lichtenau bereits direkt am Windrad – aktuell sogar kostenlos. Stürmische Zeiten stehen einerseits wegen schwierigerer Standortsuchen an. Andererseits heißt Sturm auch viel grüner Strom und genau der wird in Zukunft gebraucht. Gerade der Verkehrssektor könnte in Zukunft für einen rasanten Anstieg des Strombedarfs sorgen. Foto: Franz Purucker

Gemessen werden die 1.000 Meter von der Mitte des Mastfußes des Windrades bis zum ersten Wohnhaus.
Grundsätzlich gilt schon heute eine sogenannte 3H-Regel. Das heißt: Ein Windrad muss mindestens dreimal so weit vom nächsten Wohnhaus entfernt stehen, wie es hoch ist. Die in Helmern aktuell im Bau befindliche 250 Meter hohen Windräder muss also mindestens 750 Meter von Wohnbebauung entfernt stehen.

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Anders ist die Lage bei der 1.000 Meter-Regel. Grundsätzlich regelt der Bund die Abstände zwischen Windrädern und Wohnhäusern im Baugesetzbuch. Durch eine neu geschaffene Ermächtigungsklausel dürfen nun die Länder dazu selbst Regelungen treffen. Bayern machte als eines der ersten Länder davon Gebrauch und schreibt eine 10H-Regel vor, was dazu führt, dass dort so gut wie keine neuen Windräder gebaut werden.

Die Regel in NRW ist komplizierter: Grundsätzlich können hier nun die Kommunen in ihren Bebauungsplänen festsetzen, wie weit in Windrad von Wohnhäusern entfernt stehen muss.

Eine Kommune, die an Windrädern interessiert ist, kann also durchaus die Abstände verringern, was bei der Anhörung im Landtag zum Beispiel die Stadt Ense angekündigt hat.

Abstände im Vergleich WIndräder

Letztlich profitiert eine Kommune auch von der Windenergie. 70 Prozent der Gewerbesteuern aus Windrädern kommen der Kommune zu Gute, wo das Windrad steht, der Rest fließt der Kommune zu, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. In Lichtenau tragen die Windräder etwa zur hälfe der Gewerbesteuereinnahmen bei.

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Außerdem profitieren Landwirte, die ihren Grund und Boden verpachten. Um die Akzeptanz von Windkraft zu erhöhen, werden über Fonds Spenden an soziale Projekte ausgeschüttet.

Die direkt betroffenen Anwohner wird das aber nicht überzeugen und die hoffen nun auf die Landesregelung.
Denn: Treffen die Kommunen in ihren Bebauungsplänen keine Regelung zu Windradabständen – was aktuell in meisten Fällen der Fall sein dürfte – gilt die 1.000 Meter-Regel zu allen Wohngebieten und geschlossenen Siedlungen.
Gerade im Bad Wünnenberger und Bürener Raum dominieren aber zersplitterte Siedlungen, kleine Höfe und freistehende Häuser – also genau diese Flächen, die häufig günstig sind für Windräder.

Auch für diesen sogenannten Außenbereich hat der Gesetzgeber eine Regelung gefunden.

Wie diese Möglichkeit konkret aussieht, wo nach der neuen Regelung keine Windräder mehr zulässig sind und wo aktuell Windräder stehen, wo neue geplant sind und wo sogenanntes Repowering stattfindet, lesen Sie im Thema der Woche auf der nächsten Seite.

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