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Foto: Jan.boedeker (CC BY 3.0) und Pixabay
Den Verbraucher kostet der Ausbau von Wind und Solarenergie einiges, was er auch direkt auf einer Stromrechnung ablesen kann. Aber: Die Folgekosten der fossilen und nuklearen Stromerzeugung sind noch höher.
Thema der Woche

Wie viel grüner Strom wird im NR-Land produziert und wie funktioniert die EEG-Umlage?

Samstag, 4. September 2021 von Franz Purucker

Im Jahr 2000 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz beschlossen, dass den Ausbau von Wind und Solarstrom fördern sollte. Hintergrund ist das Ziel, bis 2045 den Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu produzieren.

Von diesem Ziel ist Deutschland noch immer weit entfernt: Aktuell kommt mit 45,4 Prozent nicht einmal die Hälfte aus regenerativen Quellen, wobei Heizung und Verkehr gar nicht eingerechnet werden. Schon in neun Jahren soll zwei Drittel des Stromes aus den erneuerbaren Energien kommen.

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Den größten Stromertrag liefert aktuell die Windenergie und zwar sowohl deutschlandweit als auch in der Region . Potenzialanalysen gehen davon aus, dass Deutschland etwa drei Mal so viel Strom aus Windenergie produzieren könnte, wie es selbst insgesamt verbraucht.

Den Ausbau zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung mit. Im Kilowattstundenpreis, der je nach Anbieter zwischen 28 und 35 Cent liegt, sind jeweils 6,5 Cent EEG-Umlage enthalten, die auf der Stromrechnung auch gesondert ausgewiesen werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob man selbst Ökostrom bezieht oder dreckigen Kohlestrom bestellt hat.

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Große Industrieunternehmen mit hohem Verbrauch und bestimmte Branchen im internationalen Wettbewerb sind von der EEG-Umlage ausgenommen. Deren Anteil wird also faktisch von den Verbrauchern mitfinanziert.

Aus der EEG-Umlage werden die Betreiber von Windrädern, Solaranlagen und anderen regenerativen Quellen gestützt.
Der Gedanke dahinter: Um den Ausbau attraktiv zu machen, soll den Betreiber eine bestimmte Vergütung garantiert werden. Seit 2007 müssen sich die Betreiber in einem Gebotsverfahren bewerben. Dieser Wettbewerb soll den Zuschuss des Staates senken und das System marktwirtschaftlicher gestalten. Vorher wurde der Zuschuss pauschal angesetzt.

Das Problem: Der Handelspreis für grünen Strom an der Börse ist so gering, dass sich damit nicht auskömmlich Windräder oder Fotovoltaikanlagen betreiben lassen. Deshalb stockt der Staat die Vergütung auf.
Ein Beispiel: Ein Windradbetreiber kann seinen Strom an der Börse für vier Cent verkaufen.

Die aktuelle garantierte Vergütung für diesen Betreiber liegt aber bei 6 Cent. Also gleicht der Staat die Differenz von 2 Cent über die EEG-Umlage aus. Steigt der Börsenpreis wieder, sinkt der Anteil, den der Staat zuschießt, entsprechend wieder. Das Absurde daran: Von einem fallenden Strompreis an der Börse profitiert der Endkunde gar nicht.

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Niedriger Strompreis erhöht EEG-Umlage

Denn wenn der Börsenpreis für Strom niedrig ist, können die Stromanbieter diesen zwar günstig einkaufen und grundsätzlich die Preise senken, allerdings steigt die EEG-Umlage, weil ein höherer Ausgleich geleistet werden muss.
Bei hohen Preisen an der Börse ist zwar der Strom teuer, allerdings sinkt die EEG-Umlage.

Den Ausgleich erhalten die Betreiber maximal für 20 Jahre. Dann fallen die Anlagen „aus der Förderung“, wie es im Fachjargon heißt, und werden oftmals neu gebaut beziehungsweise bei Windrädern repowert – also vergrößert.

So hoch die EEG-Umlage für den Ausbau erneuerbarer Energien auch sein mag – eine Umlage auf fossilen Strom wäre noch teuer: Würde ein solcher Aufschlag für die Folgekosten von Kohle- und Atomstrom auf den Strompreis erhoben, wäre dieser laut Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft etwa anderthalb Mal so hoch wie die EEG-Umlage.

Diese Kosten werden jedoch aktuell aus Steuermitteln finanziert und tauchen anders als die EEG-Umlage aktuell nicht auf der Stromrechnung auf.

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Spannend bleibt, wie die neue Bundesregierung, die Ende September gewählt wird, mit dem Thema umgeht. Alle Parteien wollen das EEG-Gesetz reformieren (siehe Beitrag oben).

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