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Foto: Pixabay (Symbolfoto)
Viele Apotheken erstellen solche digitalen Zertifikate. Die vorgelegten Impfpässe werden dafür aber inzwischen genauer überprüft.
NR-Land

Wie leicht sich ein Impfpass bestellen lässt und wie viele Fälle in der Region auffliegen

Sonntag, 12. Dezember 2021 von Franz Purucker

Seitdem der Impfpass die einzige Eintrittskarte in große Teile des Einzelhandels geworden ist, haben auch Betrügereien mit den begehrten Dokumenten Hochkonjunktur. „Wir bekommen täglich Meldungen über Fälschungen“, berichtet Michael Biermann, Pressesprecher der Paderborner Polizei auf NR-Anfrage: „Vor zwei Wochen waren es 50 Strafanzeigen, die wir an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet haben.“

In der Regel fallen die Taten auf, wenn die Betrüger versuchen, mit ihren gefälschten Impfausweisen ein digitales Impfzertifikat fürs Smartphone zu erlangen.

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Jeder Geimpfte kann in einer Apotheke ein solches Zertifikat erstellen lassen, um dieses mit dem Handy vorzuzeigen. Auch die Sälzer Apotheke in Salzkotten bietet dies an: „Zwei Fälschungen konnten wir als solche überführen“, berichtet die Apothekerin Cruse-Campherm. In beiden Fällen handelte es sich um Salzkottener, die jedoch vorgaben, in Köln geimpft worden zu sein. Die Apothekerin schaute genau hin und ertappte die Fälscher. In solchen Fällen kommt in der Regel die Polizei vor Ort.

So einfach kommt man an Impfpässe

Die NR-Redaktion wollte wissen, wie schwer es ist, an einem gefälschten Impfpass zu kommen. Die Recherche führt zum Nachrichtendienst Telegram. In Gruppen, die sich über das Stichwort „Impf“ finden lassen, pushen sich die Mitglieder gegenseitig mit Grusel-Geschichten zum angeblichen Gift, das Ärzte verimpfen würden.
Dazwischen mehrere unbelegte „Beweise“ von angeblichen Todesfällen nach dem Impfen.

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Mittendrin: Unzählige Verkaufsangebote für Impfpässe ab etwa 100 Euro oder auch bereits fertige Impfzertifikate für 250 Euro. Wer mehrere Impfpässe bestellt, erhält Rabatt. Die Täter prahlen mit Fotos, die die Fälschungen zeigen.
Bezahlt werden soll mit der elektronischen Währung Bitcoin oder Guthabenkarten aus dem Supermarkt. Spätestens hier sollten die Alarmglocken klingeln: Ob der Händler nach Übermittlung des Geldes wirklich liefert, ist ein Spiel mit dem Feuer. Der Gutschein-Code kann sofort genutzt und zu Geld gemacht werden.

Wer etwas weitersucht, findet auch zahlreiche Berichte von verlorenem Geld und Warnungen vor Betrügern.
Die Täter haben es jedoch auch äußerst einfach: Leere Impfpässe lassen sich legal über das Internet bestellen, etwa beim Versandriesen Amazon für 2,50 Euro pro Stück inklusive Prime-Versand am nächsten Tag.

Was die Täter dann noch brauchen, sind Fotos echter Impfpässe, um an korrekte Chargennummern zu kommen und die Unterschriften zu fälschen. Dazu bedienen sich die Betrüger oft an Fotos aus sozialen Netzwerken. Das Landeskriminalamt warnt deshalb: „Veröffentlichen Sie keine Fotos ihres Impfpasses im Internet!“

Die Apothekerkammer und das Landeskriminalamt NRW haben inzwischen mehrere Leitfäden herausgegeben, woran gefälschte Impfausweise erkannt werden können.

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Die meisten Fälscher geben Biontech-Impfungen vor, da die Praxen die Etiketten mit Chargen-Nummern in der Anfangszeit selbst drucken mussten. Inzwischen tragen die Etiketten aber Wasserzeichen und im Fall von Moderna 2D-Codes. Manche Apotheken prüfen auch, ob die Chargen-Nummern zum genannten Zeitpunkt am angegebenen Ort überhaupt verimpft wurden. „Ein Indiz sind fabrikneue Impfpässe, die außer der Covid-Impfung komplett leer sind“, so Cruse-Campherme.

Ein neuerer Trick sind eingelegte Seiten aus fremden Impfpässen, etwa von Mitarbeitern oder Freunden, erkennbar an verbogenen Tackernadeln oder ausgefransten Löchern. Die meisten Fälscher nutzen zudem gestohlene Arztstempel, oft von Praxen, die es gar nicht mehr gibt.

Richtig ungemütlich wird es für denjenigen, der mit falschen Dokumenten erwischt wird: „Das Fälschen von medizinischen Dokumenten ist kein Spaß, sondern eine Straftat“, betont der Polizei-Sprecher Michael Biermann: „In den neuen Regelungen werden neben Impf- auch Test- und Genesenen-Dokumentationen unter strafrechtlichen Schutz gestellt.“

Nicht nur Fälschern werden bestraft: „Wer einen gefälschten Impfpass gebraucht, macht sich strafbar“, stellte LKA-Chef Ingo Wünsch klar. Das neue Infektionsschutzgesetz sieht bis zu fünf Jahre Gefängnis vor.

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