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Eine Verkäuferin holt eine Packung Kaffee aus dem Regal
Foto: Franz Purucker
Evelin Arens-Kleimann holt im Geseker Eine-Welt-Laden für eine Kundin (im Hintergrund) den fairen Geseker Kaffee aus dem Regal.
Thema der Woche

Wie es zwei Städte in der Region zur FairTrade-Town gebracht haben

Sonntag, 18. Oktober 2020 von Franz Purucker

Großplantagen mit Billiglöhnern und Kinderarbeit – genau das wollen die FairTrade-Läden in der Region verhindern, in dem sie sich auf den Verkauf von Produkten konzentrieren, die fair gehandelt werden. Drei Eine-Welt-Läden gibt es in der Region.

Das Prinzip: Während der Marktpreis grundsätzlich Schwankungen ausgesetzt ist, wird bei fair gehandelten Produkten ein Mindestpreis festgesetzt, der nicht unterschritten werden darf. Gleichzeitig geht ein Teil der Mehreinnahmen in sozialen Projekte vor Ort.

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Vorreiter in Sachen Fairtrade ist die Stadt Geseke, wo es bereits seit 1986 einen Eine-Welt-Kreis mit Laden in Störmede gibt – initiiert von der Kirchengemeinde. 1992 zog der Laden in die Innenstadt und 2005 an seinen heutigen Standort in die Fußgängerzone in die Bachstraße 7.

Vor 17 Jahren: Geseker Kaffee kommt auf den Markt

Vor 17 Jahren wurde der Geseker Kaffee, der neben FairTrade auch Bio-zertifiziert ist – auf den Markt gebracht. Ausgeschenkt wird dieser unter anderem im Geseker Gymnasium, in der Sparkasse und im Rathaus.

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Als FairTradeTown wurde die Hellweg-Stadt zum ersten Mal 2014 zertifiziert und in diesem Jahr zum zweiten Mal verlängert. Der damalige Bürgermeister Franz Holtgrewe war schnell zu überzeugen, erinnert sich Katja Greuel, die Mitglied der FairTown-Steuerungsgruppe ist. Wohl auch weil seine Ehefrau selbst im eine Eine-Welt-Kreis aktiv war. Fair gehandelte Produkte gibt es unter anderem in den beiden Edeka-Märkten und bei Lidl. Am Gymnasium wurden zeitweise durch die Schüler in den Pausen fair gehandelte Produkte verkauft.

Auch die Vereine ziehen mit. „Beim letzten Nachtschwimmen der DLRG gab es FairTrade-Bananen“, berichtet Evelin Arens-Kleimann, die sich seit fünf Jahren im Eine-Welt-Kreis engagiert und unter anderem ehrenamtlich hinterm Ladentisch steht. Das Bündnis ist auch regelmäßig auf Stadtfesten mit Waffel- und Kaffeeständen vertreten.

Schwierigkeit: Gastronomen von FairTrade überzeugen

Problematisch ist weiterhin der Punkt Gastronomie, wo es an Partnern mangelt. Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich der Eine-Welt-Kreis in diesem Jahr aber noch nicht getraut, Gastronomen und Hoteliers auf das Thema anzusprechen, so Greuel weiter. 

Der Eine-Welt-Kreis in Salzkotten stieß bei seinem Vorhaben, FairTradeTown zu werden, da auf offenere Ohren. „Wir waren in Gastro, Einzelhandel und Politik Klinken putzen“, erinnert sich Dr. Waltraud Teigeler zurück, die sich seit den Anfängen beim  Salzkottener Eine-Welt-Kreis engagiert.

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Das Hotel Walz nahm fair gehandelten Tee ins Sortiment, das Hotel Westfälischer Hof setzte fair gehandelte Vanillestangen in der Küche ein. Blumenläden wie der von Mechthild Wippermann bieten bis heute fair gehandelte Blumen an.

Der eine Eine-Welt-Kreis betreibt einen Laden in der Lange Straße 38 in Salzkotten, der wie in Geseke komplett ehrenamtlich bewirtschaftet wird. 

„Fair Trade hatte ein wenig das Klischee als Duftkerzen-Laden“

Ab 2010 versuchen die Organisatoren, Rat und Verwaltung von einer Bewerbung zur FairTradeTown zu bewegen und stießen beim damaligen Bürgermeister zunächst auf Granit. „FairTrade hatte damals auch ein wenig das Klischee der Duftkerzen- und Räucherstäbchen-Läden“, sagt Gisela Simon, noch immer FairTrade-Aktivtistin, mit einem Lächeln im Gesicht. Sie ist heute Mitglied der Steuerungsgruppe.

Unter dem neuen Bürgermeister Ulrich Berger gelingt es 2015 doch noch, dass die Stadt sich bewirbt und ab 2016 die Zertifizierung erhält, welche kürzlich verlängert wurde.

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Voraussetzung ist, dass möglichst viele Unternehmen auch FairTrade umsetzen: Der Kaffee im Rathaus kommt schon damals von der Firma Benslips aus Delbrück und war nicht zertifiziert. „Wir haben immer wieder gestichelt“, sagt Simon. Mit Erfolg: Inzwischen trägt auch der Benslips-Kaffee das Fairtrade-Logo.

2018 erscheint die Salzkotten-Schokolade, deren Inhalt vom FairTrade-Anbieter Gepa stammt und von vielen Einzelhändlern sowie der Stadt verkauft wird. Außerdem hat der Rat ein Budget von 1.000 Euro pro Jahr für FairTrade-Projekte bereitgestellt.

Während es in Büren keinen Eine-Welt-Laden gibt, betreibt ein Bad Wünnenberger Verein ein solches Geschäft  in der Mittelstraße 33 der Kernstadt. Initiativen, sich als Stadt um das Siegel zu bewerben, gibt es aber bislang nicht.

Klassisches FairTrade-Logo ist im Eine-Welt-Laden selten zu finden

Das klassische Fairtrade-Siegel ist in den Eine-Welt-Läden sowieso selten zu finden. Der Hintergrund: Erst seit 1992 zertifiziert Transfair für die internationale Fairtrade Labelling Organizations Produkte in Deutschland, während Organisationen wie Gepa längst mit fair gehandelten Produkten am Markt waren. Heute stellt das bekannte FairTrade-Siegel einen Mindeststandard dar und prangt auch auf Produkten einiger Discounter. Während die klassischen Händler sich auf Kaffee, Schokolade, Kekse und Orangensaft konzentrieren, führen die Eine-Welt-Läden auch eine große Auswahl an Kunsthandwerk, Taschen und Kleidung sowie besonderen Spezialitäten. 

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FairTrade bezieht sich ausschließlich auf Produkte aus Entwicklungsländern. Die Eine-Welt-Initiative in Salzkotten macht sich aber aktuell dafür stark, dass die Stadt bei Ausschreibungen und Vergaben mehr Wert auf Fairness legt und bekommt dabei Rückdeckung von der Salzkottener Linke, die Tarifverträge und faire Bezahlung zu Vergabekriterien machen will.

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