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Foto: Bundesministerium der Gesundheit
2019 lässt sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Kenia zeigen, wie die Software Sormas zur Eindämmung von Seuchen funktioniert. In Deutschland soll diese im Kampf gegen Corona genutzt werden, aber nur 111 der 375 Gesundheitsämter verwenden diese - die Kreise Paderborn und Soest sind nicht darunter.
Thema der Woche

Wie digital arbeiten unsere Gesundheitsämter?

Sonntag, 21. Februar 2021 von Franz Purucker

Wird in der Region eine Person positiv auf das Corona-Virus getestet, geht diese Meldung inzwischen digital beim zuständigen Gesundheitsamt ein.
Im Kreis Paderborn kommt seit Dezember ein vom Robert-Koch-Institut entwickeltes elektronisches Melde- und Informationssystem, welches mit Demis abgekürzt wird, zum Einsatz. „Wir arbeiten hier also nicht mit Schiefertafeln oder gar Fax“, betont die Leiterin des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, Dr. Constanze Kuhnert.

Digital waren die Paderborner wohl ein Vorreiter. „Wir können seit Mai Falldaten und Kontaktnachverfolgung digital und medienbruchfrei erfassen und an die Landesbehörden weiterleiten“, so Pressesprecherin Michaela Pitz auf NR-Anfrage.

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Das Amt legt dabei elektronische Patientenakten mit der Dokumentationssoftware Äskulab21 an. Das Programm wurde bereits vor der Pandemie im sozialpsychiatrischen Dienst eingesetzt.
Warum wird Somas nicht längst genutzt?

Der Berliner Amtsarzt Lukas Murajda erklärt in Berlin-Mitte, wie die Software Somar genutzt werden soll. Foto: Netzpolitik.org / OWIEOLE / Chris Köver <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de“>(CC-BY 4.0)</a>

Aber: Die vom Bund gewünschte Software Somar, mit der alle Gesundheitsämter in Deutschland arbeiten sollen, wird im Kreis Paderborn nicht eingesetzt.

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Der Grund: Das Amt will lieber bei den bewährten Programmen bleiben und arbeitet stattdessen an einer Schnittstelle. „Dazu befindet sich der Hersteller bereits im intensiven Austausch mit den Entwicklern von Sormas“, so Pitz weiter.

Ähnlich ist auch die Lage im Kreis Soest: „Für die Kontaktpersonen-Nachverfolgung nutzen wir kein marktübliches Produkt. Mehr eine Sammlung vorhandener Tools, mit denen wir mehrere automatisierte Prozesse erstellt haben“, so Pressesprecher Wilhelm Müschenborn. Auch im Kreis Soest kommt Demis zum Einsatz, aber erst seit 1. Januar.

Die Nutzung von Sormas soll zunächst von einer Projektgruppe geprüft werden. Beide Kreise betonen aber, sich ein einheitliches System für ganz Deutschland zu wünschen.

Doch warum haben die Gesundheitsämter nicht längst eine einheitliche Software? Bereits im Mai hatten Experten des Helmholtz-Institutes Somas auf die Corona-Bekämpfung ausgerichtet und spezialisiert. Wie die Gesundheitsämter in den Kommunen arbeiten, obliegt aber in erster Linie den Bundesländern und den Kreisbehörden.

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Allerdings kann auch diesen kein Vorwurf gemacht werden. Erst im November haben sich Bund und Länder dazu durchgerungen, mit Sormas eine Software zu empfehlen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten nicht nur die Behörden in Paderborn und Soest bereits sehr gut funktionierende eigene Lösungen. Viele Softwareprogramme, die nun bereits in den Kommunen laufen, bieten mehr Funktionen und sind einfacher zu bedienen als Sormas. Das neue Ziel, bis Ende Februar alle Gesundheitsämter an Sormas anzuschließen, wird wohl wieder verfehlt.

Auch die Kreise Paderborn und Soest wollen kein Datum nennen, ab wann sie mit dem neuen System arbeiten. „Wir stehen in engem Austausch mit den Ministerien, um eine Schnittstelle zwischen den Programmen hinzubekommen. Idealerweise könnten wir dann die Vorteile beider Systeme nutzen“, so der Paderborner Landrat Christoph Rüther. Ziel sei es, die Schnittstelle in „wenigen Wochen“ zu realisieren.

Auch bei der Kontaktverfolgung läuft es in den Kommunen aktuell gut: Beide Behörden berichten auf NR-Anfrage, dass alle Kontaktpersonen in der Regel innerhalb von 24 Stunden erreicht werden.

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Die Leiterin des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, Dr. Constanze Kuhnert, appelliert an die Menschen im Kreisgebiet, die Corona-Regeln wie Abstande, Hygiene und Alltagsmaske zu beachten. Foto: Kreis Paderborn

Verzögerungen gäbe es, wenn die Meldungen aus Kreisen kommen, die die Betroffenen nicht mehr zeitnah ermitteln können, so Wilhelm Müschenborn vom Kreis Soest: „Pro Kontaktperson-Ermittlung rechnen wir 30 bis 45 Minuten.“ Dabei hat auch der Lockdown positive Auswirkungen gehabt: „Es müssen maximal 200 Personen pro Tag ermittelt werden. Im Herbst waren es bis zu 450 Kontaktpersonen“, so der Sprecher.

Im Paderborner Gesundheitsamt sind im Schnitt 70 bis 100 Mitarbeiter mit der Nachverfolgung und Meldung beschäftigt, unterstützt durch zehn Bundeswehrsoldaten. Im Soester Gesundheitsamt waren vor der Pandemie 90 Mitarbeiter beschäftigt, aktuell sind es 264. Hier unterstützten 30 Bundeswehrsoldaten im Zwei-Schicht System mit jeweils 15 Personen die Behörde.

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