arrow_back
NR-Land

Wie berechnet sich das Kurzarbeitergeld bei Provisionszahlungen?

Sonntag, 3. Januar 2021 von Franz Purucker

Der Lockdown sorgt aktuell dafür, dass viele Arbeitnehmer nicht oder weniger arbeiten und stattdessen sogenanntes Kurzarbeitergeld bekommen. Bei vielen Arbeitnehmern ist klar, wie hoch der Auszahlungsbetrag ist. Aber was ist, wenn ein Teil des Arbeitslohnes aus Provisionen besteht?

Grundsätzlich beträgt das Kurzarbeitergeld – kurz KUG – 60 Prozent des vorherigen Nettobetrages (mit Kindern 67 Prozent) und wird vom Arbeitgeber ausgezahlt, der das Geld aber von der Agentur für Arbeit erstattet bekommt.

Anzeige

Arthur S. aus Salzkotten arbeitet als angestellter Automobilverkäufer und wunderte sich über die geringe Höhe seines Kurzarbeitergeldes. 

Die Besonderheit: Sein Arbeitseinkommen setzt sich aus einem Grundbetrag und einer verkaufsabhängigen Provision zusammen. Letztere macht über die Hälfte des Einkommens aus. 

Anzeige

Das an ihn ausgezahlte Kurzarbeitergeld wurde aber nur auf Grundlage des Grundgehaltes gebildet, sodass die Einkommenseinbußen immens sind. „Mir fehlt fast die Hälfte des Einkommens“, so der 56-Jährige.

Die Neue Regionale fragte bei der zuständigen Agentur für Arbeit OWL in Bielefeld nach, ob die Verkaufsprovisionen wirklich nicht aufs Kurzarbeitergeld angerechnet wird. 

Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Arbeitsagentur, hat gute Nachrichten für Arthur S.. Denn: Für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes wird ein Brutto-Sollentgelt gebildet, „aus dem alle sozialversicherungspflichtigen Entgeltbestandteile hervorgehen, die der Arbeitnehmer bekommen hätte, wenn er nicht in Kurzarbeit gewesen wäre.“

Ohne Kurzarbeit hätte auch Arthur S. die Provision erhalten. Für diesen Fall sieht das Gesetz vor, „dass man einen Referenzzeitraum der letzten drei Monate als Grundlage nimmt und den errechneten Monatsdurchschnitt im Sollentgelt – zusätzlich zum Grundgehalt – berücksichtigt.“

Anzeige

Das heißt: Aus der Provision der vergangenen drei Monate wird der Durchschnitt gebildet und dafür Kurzarbeitgeld gezahlt – zusätzlich zum anteiligen Grundgehalt. Die Pressesprecherin stellt klar: „Nur das Grundgehalt zu berücksichtigen wäre nicht richtig.“ Lediglich Jahresbonuszahlungen und Weihnachtsgeld werden nicht berücksichtigt.

Für die richtige Zahlung muss sich Arthus S. aber an seinen Chef werden, da die Agentur für Arbeit nur das auszahlt, was der Arbeitgeber beantragt hat – im konkreten Fall wäre das nur das Grundgehalt. „Es handelt sich um arbeitsrechtliche Ansprüche, die der Arbeitnehmer durchsetzen muss“, so Billerbeck.

AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail