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Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Am andere Ende melden sich Menschen wie Daniel, die anonym zuhören und helfen wollen.
Thema der Woche

Wer nimmt ab, wenn man die Telefonseelsorge anruft?

Samstag, 24. Juli 2021 von Franz Purucker

Wer in der Region die Rufnummer der Telefonseelsorge (siehe Bild oben) wählt, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Telefonseelsorge in Paderborn, unter Umständen bei Daniel, einer von insgesamt 75 Ehrenamtlichen, die dort rund um die Uhr im Schichtbetrieb Anrufe entgegennehmen.

Daniel ist nicht sein richtiger Name, sondern ein Pseudonym. Denn: Sowohl der Anrufer als auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter bleiben anonym, arbeiten, wenn es nötig ist, mit Decknamen. „Wer sich hier meldet und sein Herz ausschüttet, der muss die Gewissheit haben, dass es niemand erfährt“, so Daniel, der 66 Jahre als ist und sich seit inzwischen 15 Jahren ehrenamtlich beim Telefondienst engagiert. Die Rufnummer ist kostenlos und erscheint nicht im Einzelverbindungsnachweis des Telefonanbieters.

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Der Mann mit beruhigender Stimme meldet sich nur mit „Telefonseelsorge“ und macht in erster Linie eines – zuhören. „Viele Anrufer reden direkt drauf los, schütten hier Herz aus.“

Telefonseelsorge seit 35 Jahren in Paderborn beheimatet

In rund 60 Prozent der Fälle geht es um das seelische Befinden wie depressive Stimmung, Ängste und Aggressionen. Bei jedem zehnten Anruf spielen suizidale Absichten eine Rolle.

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Dieser Umstand war es, der den Londoner Pfarrer Chad Varah am 7. Dezember 1953 eine Zeitungsanzeige mit dem Text „Bevor Sie Suizid begehen, rufen Sie mich an“ aufgeben ließ und damit quasi der Erfinder der Telefonseelsorge ist.
Die Anzeige sicherte absolute Anonymität zu und die Rufnummer sei 24 Stunden erreichbar – also wie die Telefonseelsorge heute.

Die erste Telefonseelsorge in Deutschland entstand 1956 in Berlin. Vor etwas mehr als 35 Jahren, am 15. April 1986 nahm die Telefonseelsorge in Paderborn ihren Betrieb auf. Die ersten Verträge wurden schon zwei Jahre zuvor abgeschlossen.

Damals liefen noch Gespräche aus ganz Deutschland in Paderborn auf, was heute durch den technischen Fortschritt etwas anders läuft.

Allein im vergangenen Jahr nahm die Paderborner Telefonseelsorge 9.026 Gespräche entgegen. Besetzt ist das Sorgentelefon dort rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche – auch an Feiertagen.

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Wie sich die Themen, mit denen sich Anrufer an die Telefonseelsorge in Paderborn wenden, verändert haben, aus welchem Einzugsgebiet die Anrufe dort landen und wie Daniel als Ehrenamtlicher dorthin kam und welches Erlebnis ihn am stärksten mitgenommen hat, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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