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Foto: Pixnio / puru (Bildmontage)
Wenn die Corona-Warn-App Alarm schlägt, gab es einen längeren Kontakt zu einem Corona-Infizierten.
NR-Land

Reportage: Wenn die Corona-Warnapp auf Rot springt

Samstag, 27. November 2021 von Franz Purucker

NR-Redakteur Franz Purucker beschreibt seine Erfahrungen mit einer Warnung auf der Corona-Warnapp auf seinem Smartphone.

„Begeben Sie sich nach Hause“ , „Halten Sie mindestens 1,5 Meter Abstand“ und „Achten Sie auf Covid19-typische Symptome“ sind die Hinweise meiner Corona-Warnapp bei alarmrot unterlegter Überschrift „erhöhtes Risiko“ auf meinem Smartphone.

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Ich rufe Kollegen und Interviewpartner an – einige reagieren panisch, andere winken nur ab: „Hatte ich auch schon.“
Was hat es nun damit auf sich? Die Corona-Warnapp, die das Robert-Koch-Institut entwickelt hat, soll Infektionsketten unterbrechen.

Sie schlägt immer dann an, wenn man länger als 15 Minuten engen Kontakt zu einer Person hatte, die sich später als Corona-Infizierter herausstellt – zumindest dann, wenn diese Person auch die Corona-Warnapp installiert hat. Technisch realisiert wird das ganze per Bluetooth. Ob Wände dazwischen sind, man sich drinnen oder draußen, mit oder ohne Maske begegnet, weiß die App nicht.

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Aus Datenschutzgründen wird auch nur ganz grob angegeben, wann der Kontakt zum Infizierten stattfand: In meinem Fall ist von „Begegnungen an 1 Tag“ und zwar konkret am 16. November die Rede.

Aber was nun? Die App verweist mich an die kassenärztliche Vereinigung unter der Telefonnummer 116 117. Ich tippe mich durchs Menü und erhalte dann eine Bandansage, dass dort keine Impftermine mehr vergeben werden, was aber gar nicht Grund meines Anrufes war.

Nächster Versuch: Auf ins Testzentrum. In den Weisungen des Gesundheitsministeriums heißt es, dass ich nun mit direkten Kontaktpersonen einer an Covid19-erkrankten Person gleichgestellt bin und einen kostenfreien PCR-Test erhalte. Die Buchung geht fix online.

Zielsicher im Testzentrum angekommen, verlangt man nun aber 60 Euro von mir. „Das mit der App kenne ich nicht“, sagt der Mann am Empfang: „Machen Sie einen Bürgertest. Wenn der positiv ist, bekommen Sie auch einen PCR-Test.“
15 Minuten später das Ergebnis da: negativ! Unterdessen finde ich selbst heraus, warum meine App rot leuchtet. Am besagten Tag besuchte ich das Laternenfest meiner Tochter in der Kita. Ein anderer Vater dort, wurde später positiv getestet. Das Ansteckungsrisiko im Außenbereich gilt allgemein als niedrig.

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Beunruhigend: Auch bei dem Familienvater waren trotz deutlicher Symptome und Impfung alle Schnelltests negativ, der von ihm selbst finanzierte PCR-Test aber positiv.

Gesundheitsamt ist überlastet

Ich mache weitere Tests – alle fallen negativ aus. Die Corona-Hotline meines Heimatortes Bielefeld sagt mir: „Wenn seine keine Symptome haben und geimpft sind, brauchen sie auch keinen Test machen“.

Auf meine Mail an das Gesundheitsamt in Bielefeld, wird mit geantwortet das die Behörde überlastet sei und deshalb keine Tests wegen roter Warnapps durchführt werden.

Die Neue Regionale fragt bei den Kreisen im NR-Land nach: „Wenn die Corona-Warn-App ein erhöhtes Risiko anzeigt, sollte man sich mit seinem Hausarzt telefonisch in Verbindung setzen, um einen Termin für einen PCR-Test zu vereinbaren. In diesem Fall ist der PCR-Test kostenlos“, heißt es von Pressesprecherin Michaela Pitz.

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Der Grund für die Ablehnung bei privaten Anbietern dürfte die Abrechnung sein. Nur wenn die Stelle einen Vertrag mit den Krankenkassen hat, bekommt sie den PCR-Test auch bezahlt.

In den Kreisen Paderborn und Soest ist ein PCR-Test nach NR-Recherchen wohl nur bei den niedergelassenen Ärzten möglich.

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