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Eine Frau sitzt verzweifelt in einem Frauenhaus
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Viele Frauen sind froh, wenn sie nach wochenlangen Leiden unter psychischer oder körperlicher Gewalt in einem Frauenhaus zur Ruhe kommen. Das Problem: Die meisten Plätze sind belegt und das obwohl dies laut einer Konvention aus dem Jahr 2017 anders sein sollte
Thema der Woche

Wenn der eigene Partner in der Pandemie zum Täter wird

Samstag, 8. Mai 2021 von Franz Purucker

Mira ist erst durch die Polizei ins Frauenhaus gekommen, wie es außerhalb der Pandemie bei einem Großteil der Frauen der Fall ist.

Durch den Lockdown entfällt ein Großteil der sozialen Kontrolle, viele Frauen sind in ihrer Situation allein, haben kaum Möglichkeiten, mit anderen über ihre Erlebnisse zu sprechen.

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Der Bedarf ist enorm: Zahlen des Recherchenetzwerkes Correctiv zeigen, dass die Frauenhäuser in Salzkotten und Paderborn in den letzten Monaten fast ununterbrochen belegt waren. „Wir mussten schon Frauen nach Aachen weitervermitteln“, berichtet Martina Schubert, im Frauenhaus Paderborn für die Verwaltung und Zahlen zuständig. Da die Frauen oft mittellos sind, ist der Transport dorthin oft eine Herausforderung. Umso wichtiger sind Plätze in der Region.

Im Kreis Paderborn fehlen mindestens sieben Plätze

Das Paderborner Frauenhaus ist wegen des steigenden Bedarfs erst vor wenigen Wochen nach Schloss Neuhaus umgezogen und hat die Platzkapazitäten auf 15 Frauen mit bis zu 26 Kindern aufgestockt. „Wir erfüllen damit die Istanbul-Kovention für die Stadt Paderborn“, so die Martina Schubert weiter.

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Hinter dem Haus steht ein Trägerverein, der mit seinen Spenden 10 bis 15 Prozent der Kosten trägt, den Rest teilen sich die Stadt und das Land zu etwa gleichen Teilen. Der städtische Anteil ist zuletzt aufgestockt wurden. Dabei bezuschusst das Land vier der insgesamt 6,3 Vollzeitstellen, die Stadt trägt einen Teil der laufenden Kosten.

Das Salzkottener Frauenhaus wird vom Sozialdienst katholischer Frauen (SfF) geführt und muss ohne Landesförderung auskommen. Zur Gründung der Frauenhäuser in den 70er Jahren bezuschusste das Land nur ein Frauenhaus pro Kommune. Der Kreis finanziert 53.300 Euro pro Jahr. Der Posten beinhaltet jedoch auch die Frauenberatungsstelle Belladonna (siehe auch Infokasten). Die Personalausstattung im Frauenhaus ist mit einer Sozialarbeiterstelle und einer 30-Stunden-Erzieherstelle deutlich kleiner als in der Stadt Paderborn. Insgesamt gibt es Platz für bis zu acht Frauen und ihre Kinder.

Laut der Empfehlung der Istanbul-Konvention wären im Kreisgebiet ohne die Stadt Paderborn 15 Plätze notwendig.
„Wir versuchen die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen, damit man weiß, es gibt diese Gewalt bei Familien“, so die Leiterin Cornelia Schmiegel: Ziel ist es zudem den Personalschlüssel zu erhöhen, um mehr Hilfe anbieten zu können.
Das einzige Frauenhaus im Kreis Soest – nämlich in der Stadt Soest – hält nur 20 Plätze (Empfehlung 31), im Hochsauerlandkreis stehen sogar nur acht Plätze zur Verfügung (Empfehlung: 26).

Frauenhaus ist eine „freiwillige Leistung“

Hoffnung setzt der Trägerverein des Salzkottener Frauenhauses auf ein neues Landesprogramm, das die Landesregierung im Herbst auf den Weg bringen will. Details daraus sind aber noch nicht bekannt.
Geplant ist auch eine Anlaufstelle für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt werden. Aktuell gibt es in der Region nur wenige Schutzwohnungen.

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Doch selbst wenn das Landesprogramm kommt, ist eine langfristige Finanzierung alles andere als sicher, wie Martina Schubert vom Paderborner Frauenhaus 2005 schmerzlich bemerken musste. Kurz vor Weihnachten strich das Land damals die Gelder zusammen. „Wir hätten noch vor Weihnachten einer Person kündigen müssen, und das, obwohl wir zuvor dafür einen Zuwendungsbescheid erhalten hatten“, so die 59-Jährige: Letztlich verzichteten alle Mitarbeiter auf Lohn, bis die spätere Landesregierung die Finanzierung wieder erhöhte. Auch die kommunale Finanzierung ist problematisch, da es sich um „freiwillige Leistungen“ handelt. Rutscht eine Kommune in die Haushaltssicherung, muss sie Posten wie das Frauenhaus streichen.

Mira ist nach einigen Wochen in eine eigene Wohnung gezogen, womit das Ziel der Einrichtung erreicht wurde.

Hilfe für Frauen und Männer in Not

Sind Sie selbst oder eine Ihnen vertraute Person von häuslicher Gewalt, egal ob psychisch oder körperlich, betroffen? Hier können Sie anonym Kontakt aufnehmen:

*Diese aufgeführten Telefonnummern sind kostenfrei und erscheinen nicht auf der Telefonrechnung und nicht dem Einzelverbindungsnachweis.

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