arrow_back
Eine Frau sitzt verzweifelt in einem Frauenhaus
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Viele Frauen sind froh, wenn sie nach wochenlangen Leiden unter psychischer oder körperlicher Gewalt in einem Frauenhaus zur Ruhe kommen. Das Problem: Die meisten Plätze sind belegt und das obwohl dies laut einer Konvention aus dem Jahr 2017 anders sein sollte
Thema der Woche

Wenn der eigene Partner in der Pandemie zum Täter wird

Samstag, 8. Mai 2021 von Franz Purucker

Monatelang auf engstem Raum zusammen und zusätzlicher Stress durch mehr Home-Office. Geschlossene Kitas und Schulen erschweren die Kinderbetreuung und die Kurzarbeit sorgt für empfindliche Lohneinbußen. Doch das schlimmste für die junge Mutter Mira: Ihr Partner wurde zum Tyrann. Immer wieder gibt es Streit, sie wird psychisch unter Druck gesetzt, irgendwann schlägt das ganze in körperliche Gewalt um. Lange hielt Mira stand, bis sie die Flucht in ein Frauenhaus wagt.

Geschichten die Cornelia Schmiegel viele erzählten könnte. Sie ist Leiterin des Salzkottener Frauenhauses, dass aktuell fast durchweg belegt ist. In der ersten Phase der Pandemie haben sich viele Frauen nicht getraut, aus ihrem vertrauen Umfeld auszubrechen, versucht es irgendwie auszuhalten. Nun ist das anders, berichtet Schmiegel: „Wir haben etwa 20 bis 30 Prozent mehr Anfragen.“

Kein Einzelfall: Seit Beginn des Lockdowns vor einem Jahr hat häusliche Gewalt stark zugenommen. Studien zeigen, dass in 6,5 Prozent aller Haushalte auch Kinder gewalttätig bestraft wurden. Besonders betroffen sind Familien, die unter finanziellen Einbußen leiden.

Anzeige

Mira hatte lange Zeit die Gewalt über sich ergehen lassen. Auch das ist typisch: „Schulen und Kitas waren oder sind bereits geschlossen. Die haben häufig mitbekommen, wenn etwas nicht stimmt“, berichtet Schmiegel
Die Folge: Die Frauenhäuser sind seit Herbst besonders voll. Die Einrichtungen versuchen in umliegende Frauenhäuser zu vermitteln, doch auch das ist schwierig. Auch die Einrichtungen in Paderborn, Soest, Gütersloh, Hamm und Arnsberg – das sind die nächstgelegenen – sind bis auf den letzten Platz belegt und können weder Frauen allein noch Mütter und ihre Kinder aufnehmen.

Nächster freier Platz in Warendorf, Bielefeld oder Warburg

Den nächsten freien Platz gibt es aktuell in Warburg (Kreis Höxter), Warendorf oder in Bielefeld.
Das sollte eigentlich hängst anders sein: Deutschland hat 2017 die Istanbul-Konvention unterzeichnet, die die Unterzeichnerstaaten verpflichtet, Frauen gegen jede Form von Gewalt zu schützen. Empfohlen wir darin die Möglichkeit, eine Familie je 10.000 Einwohner aufzunehmen. Für den Kreis Paderborn wären das 31 Plätze, für den Kreis Soest 30.(puru)

Anzeige

Von diesen Zahlen ist die Region weit entfernt: Wie viele Plätze in den Kreisen der Region zur Verfügung stehen, wie sich die häusliche Gewalt entwickelt hat und wie sich das Frauenhaus in Salzkotten finanziert, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Hinweis in eigener Sache: Gemeinsame Recherche mit Correctiv

Diese Recherche ist Teil einer Kooperation der Neuen Regionalen mit Correctiv.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalredaktionen umsetzt. Correctiv.Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Mehr Infos unter:www.correctiv.org/haeusliche-gewalt

Nächste Seite
AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail