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Baustelle mit Glasfaserverlegung
Foto: In der Regel baut an jedem Ort nur ein Anbieter Glasfaser aus und vermarktet den Anschluss zumindest am Anfang auch exklusiv: Im NR-Land sind das vier Anbieter und zwar die Innogy Highspeed (ab Oktober i-Highspeed), die Deutsche Glasfaser, Vodafone und die Deutsche Telekom.Foto: Shutterstock
Shutterstock / puru
Thema der Woche

Welcher Anbieter verbaut nun eigentlich wo schnelles Internet per Glasfaser aus?

Montag, 21. September 2020 von Franz Purucker

Bis in die 2000er Jahre war eigentlich klar: Schnelles Internet kommt von der Telekom. Bis heute betreibt der überwiegend staatliche Konzern ein großen Teil der Internetinfrastruktur – auch in der Region. Die wirklich Highspeed-Netz bauen im NR-Land aber große private Mitbewerber des magentafarbenen Konzerns aus.

Wer aus dem NR-Land die Telekom anruft und nach einem Glasfaseranschluss fragt, dem wird fast immer nur sogenanntes Vectoring angeboten, bei dem das schnelle Internet zwar bis zum Verteiler in der Straße über Glasfaser kommt, von dort aus aber über störungsanfällig Kupferkabel ins Haus geführt wird. Möglich sind so bis zu 100 Mbit, stellenweise auch 250 Mbit.

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Der Grund: Glasfaser bis in Haus zu verlegen, ist richtig teuer. Das Unternehmen Deutsche Glasfaser (DG), eines der ersten Unternehmen im NR-Land das Glasfaser ausgebaut hat, kalkuliert mit 1.000 Euro je zehn Meter Tiefbauarbeiten.

Glasfaser kommt vor allem in die Ortsteile

Um kostendeckend zu planen, fragen DG und dessen Mitbewerber Innogy-Highspeed vor Baubeginn ab, wer bereit ist, sich mindestens zwei Jahre an das Unternehmen zu binden.

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Sagen mindestens 40 Prozent der Anlieger zu, wird gebaut – allerdings nur bei denjenigen, die zugesagt haben. Dabei bauen diese Firmen oft nur außerhalb des Stadtkerns in den etwas abgelegenen Ortsteilen aus. 

Dies hat zwei Gründe: Einerseits bietet die Telekom in den Kernstädten des NR-Landes über ihr Vectoring-Internet flächendeckend bis zu 100 Mbit an, was vielen Privatnutzern ausreicht.

In Geseke, Büren und Salzkotten besteht zudem ein weit verzweigtes Kabelfernsehnetz, über dass Vodafone (früher Unitymedia) ebenfalls so schnelles Internet anbieten kann, dass dieses in Sachen Geschwindigkeit mit den Glasfaserangeboten von DG und Innogy konkurrieren kann, allerdings zu günstigeren Preisen. 

Überall dort wo es weder ein TV-Kabel gibt, noch ein wirtschaftlicher Ausbau des Glasfasernetzes sinnvoll ist, wird der Staat aktiv. Bund und Land haben Fördermittel bereit gestellt, um Privatanschlüsse und Gewerbegebiete in sogenannten „weißen Flecken“ – also ohne schnelles Internet – zu versorgen. Dazu zählen Orte, die weniger als 30 Mbit Downloadgeschwindigkeit erreichen. Der Ausbau wurde öffentlich ausgeschrieben: Im Kreis Paderborn erhielt die Deutsche Glasfaser den Zuschlag, im Kreis Soest baut Innogy die Glasfaseranschlüsse zu Privatkunden und Vodafone bindet Gewerbegebiete an.

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Die Karte zeigt, welcher Anbieter, wo das Netz ausbaut. Karte: Franz Purucker

Deutsche Glasfaser

Die Deutsche Glasfaser war der erste Anbieter in der Region, der auf eigene Kosten Glasfaser bis ins Haus verlegte. Aktuell laufen die Bauarbeiten des Unternehmens in Bad Wünnenberg für 4.700 Glasfaseranschlüsse und 200 Anschlüsse mit Fördermitteln in den Ortsteilen Bleiwäsche, Fürstenberg, Haaren, Helmern, Leiberg und Leiberg Süd.

In Büren baut das Unternehmen  rund 6.000 Anschlüsse in Ahden, Barkhausen, Harth, Hegensdorf, Siddinghausen, Steinhausen und Weine. 300 weitere werden mit Fördermitteln gebaut. In der Kernstadt läuft aktuell noch die Planungsphase.

In Salzkotten baut DG 9.000 Glasfaseranschlüsse eigenwirtschaftlich aus und 300 mit Förderung. In der Kernstadt und im Bereich Breite Werl laufen die Leitungen bereits. In den Ortsteilen Scharmede, Thüle, Verne, Verne West, im Gewerbegebiet an der Burg sowie in Berglar und Berglar West laufen die Bauarbeiten aktuell. Oberntudorf und Niederntudorf Süd befinden sich in der Planungsphase. Zu Holsen, Mantinghausen und Verlar liegt kein Baustand vor. 

In zwei Gewerbegebieten in Büren und Bad Wünnenberg läuft aktuell die Nachfragebündelung für den Ausbau auf eigene Kosten. Tariflich werden 300 (45 Euro pro Monat), 400 (50 Euro), 600 (80 Euro) und 1.000 Mbit (90 Euro) angeboten. Ab 400 Mbit ist eine Festnetzflat enthalten, ab 600 Mbit auch ins Handynetz.

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Das Netz steht grundsätzlich anderen Anbietern offen. Mit Ausnahme von Büren, wo die Dienste von Innogy genutzt werden können, bietet aktuell kein anderer Anbeiter Leistungen an. Laut Pressesprecher Dennis Slobodian hat in diesen Ortschaften kein Anbieter Interesse angemeldet. In Delbrück hat die Stadtwerketochter Helinet Zugang zum DG-Netz.

Innogy-Highspeed

Größter Mitbewerber der DG ist Innogy-Highspeed, insbesondere in Büren. Zeitweise wollten dort beide Anbieter bauen, nun hat man sich Büren aufgeteilt. Innogy baut in vier Ortsteilen: In Brenken und Weiberg soll das Netz schon im November in Betrieb genommen werden, in Wewelsburg laufen aktuell in Tiefbaumaßnahmen, in Eickhoff sind diese ab November 2020 geplant. 

In Teilen von Geseke liegen zwar die Leitungen, online sind diese aber noch nicht. Foto: Shutterstock

Gebaut wird unter der Marke Innogy-Highspeed, die jedoch Ende dieses Monats verschwindet und dann wohl iHighspeed heißen wird. Hintergrund ist der Verkauf der Muttergesellschaft Westnetz an Eon. Konkrete Zahlen zum Ausbau will das Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Auf eigene Kosten baut Innogy aktuell in den Geseker Ortsteilen Langeneicke, Ehringhausen und Mönninghausen. Das Netz soll Ende dieses Jahres in Betrieb gehen. In Störmede müssen die Nutzer noch etwas länger warten: Hier beginnen in kommenden Jahr die Tiefbaumaßnahmen. 

Durch die Ausbauförderung von Bund und Land werden zusätzlich Gebiete im Süden der Kernstadt und ein Gewerbegebiet versorgt. Die Netze sollen eigentlich schon laufen, jedoch gibt es aktuell technische Problemen.

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Innogy bietet 250 (55 Euro), 500 (80 Euro) und 1.000 Mbit (120 Euro an. Strom oder Gas-Kunden von Innogy erhalten 3 Euro Rabatt pro Monat. Eine Festnetzflat ist jeweils inklusive.

Bundesweit kooperiert Innogy mit der Telekom, 1&1, Innofactory und mwerk. Im NR-Land gibt es aktuell keine Zusammenarbeit.

Telekom

Die Deutsche Telekom hat Gewerbegebiete in Salzkotten, Büren und Bad Wünnenberg mittels Förderung an das Glasfaser-Netz angeschlossen. Auch das Bad Wünnenberger Neubaugebiet „Auf der Iserkuhle“ wird durch die Telekom eigenwirtschaftlich mit Glasfaser versorgt.

Im Vergleich zu den Mitbewerbern sind die Angebote günstig: 500 Mbit kosten 60 Euro und 1.000 Mbit 80 Euro. Auch in diesem Netz sucht man Mitbewerber vergeblich, wobei auch die Telekom offiziell ihr Netz für alle Anbieter öffnet (siehe blaue Box). Langfristig denkbar ist die Versorgung von Breitbandanschlüssen via 5G-Netz.

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Vodafone

Der Mobilfunkkonzern baut mit Fördermitteln zwei Gewerbegebiete in Geseke aus. Das Unternehmen besitzt durch den Zukauf von Unitymedia ein weit verzweigtes Fernsehkabelnetz, dass sich technisch aufrüsten und für die Versorgung mit Internet nutzen lässt. In  Büren sind 50 Prozent der 4.900 Haushalte, in Salzkotten 55 Prozent der rund 6.400 Wohnungen und in Geseke 60 Prozent der etwa 4.800 Anschlüsse für Internetgeschwindigkeiten mit bis zu 1.000 Mbit ausgerüstet. Bis 2022 soll an allen Anschlüssen Breitbandinternet möglich sein. Durch weitere Verbesserungen werden dann bis zu 10.000 Mbit möglich sein.

Größter Unterschied: Zur Aufrüstung müssen keine neuen Kabel verlegt werden, teure Tiefbauarbeiten entfallen, was sich auch am Preis zeigt: 1.000 Mbit kosten nur 40 Euro pro Monat.

Noch immer gibt es kaum Wettbewerb für den Endkunden, da in den meisten Netzen nur Angebot von einem Anbieter verfügbar sind. Foto: Shutterstock / puru

Warum klappt der Wettbewerb nicht?

Bei sogenannten Vectoring-Anschlüssen, die größtenteils die Telekom ausgebaut hat, gibt es fast immer die Option auf günstigere Anbieter auszuweichen. Der Hintergrund: Der ehemalige Monopolist ist zur Öffnung seiner Netze verpflichtet. Rund 10 Euro monatlich darf die Telekom ihren Wettbewerbern berechnen. 

Bei den Glasfaseranschlüssen gibt es keine Regulierung. Zwar beteuern alle Anbieter, großes Interesse daran zu haben, dass Mitbewerber die Leitungen nutzen – verraten aber auch keine Durchleitungspreise, die sie frei bestimmen können.

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Gleichzeitig dürfte die Telekom wenig Interesse haben, die Kunden in fremde Glasfasernetze zu schicken, da die Gewinne im eigenen Vectoring-Netz deutlich höher sein dürften.

Aber es gibt Hoffnung: Als Versuchsballon nutzt die Telekom in Lüdinghausen (Kreis Coesfeld) Glasfaser im Netz der Deutschen Glasfaser. Gut möglich, dass der Wettbewerb irgendwann zunimmt, insbesondere wenn Kombi-Angebote von DSL und Handy wie Magenta Eins der Telekom und Vodafone-Vorteil zunehmen.

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