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Zwei Männer auf einem Steuerbescheid und Euro-Münzen
Foto: Pixabay (Symbolfoto)
Während beim Einkaufen und Busfahren die Ersparnis bei einigen Euro, eventuell sogar nur Cent liegen wird, profitieren Käufer von Autos, Küchen oder Haushaltsgeräten umso mehr von der Mehrwertsteuersenkung.
Thema der Woche

Welche Händler die Mehrwertsteuersenkung weiterreichen und welche Branchen eher nicht

Sonntag, 28. Juni 2020 von Franz Purucker

„Mit Wumms aus der Krise“ – dieses Zitat von Finanzminister Olaf Scholz ging durch die Medien, wie auch die Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli um drei Prozent von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent.

Gerade bei großen Käufen lohnt sich die Steuersenkung: Wer beispielsweise ein Auto im Wert von 30.000 Euro kaufen möchte, zahlt ab 1. Juli nur noch 29.244 Euro – also gut 750 Euro weniger. Die meisten Hersteller haben bereits Aktionen angekündigt

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In vielen Fällen müssen die Kunden mit der Bestellung aber gar nicht bis zum Stichtag warten: Wer beispielsweise vor dem 1. Juli ein Auto bestellt, aber erst nach dem Stichtag die Ware erhält, profitiert bereits von der günstigeren Steuer.

Hintergrund: Die Steuer fällt immer zum Leistungszeitpunkt an, nicht zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung. Das heißt aber auch: Einfach die Rechnung auf den 1. Juli vorzudatieren, hilft nicht.

Auch die Supermärkte wollen die Mehrwertsteuersenkung für Aktionen nutzen. Lidl verspricht schon seit einer Woche günstigere Preise. Paul Penner von Edeka aus Geseke hat angekündigt, ab 27. Juni die Preise zu senken.

Mehrwertsteuer in der Gastro sinkt von 19 auf fünf Prozent

Auch bei Küchen und Elektrogeräten ist der Preisvorteil attraktiv: „Viele Kunden, die sich bei uns umschauen, warten mit dem Kauf bis 1. Juli“, berichtet Sabine Krix vom gleichnamigen Hausgerätehändler aus Salzkotten. Auch dort wird der Preisvorteil weitergeben.
Auch auf dem hart umkämpften Strommarkt zeigt sich, dass Kunden davon profitieren werden. Die Stadtwerke Geseke zum Beispiel haben angekündigt, den Preis entsprechend zu senken.

In einigen Branchen ist die Weitergabe der Mehrwertsteuer aber eher unwahrscheinlich: Im Nahverkehr zum Beispiel sinkt der Steuersatz von sieben auf fünf Prozent.

Die Umprogrammierung aller Fahrkartenautomaten und Infomedien dürfte teuer werden. Der Fahrpreis für ein Ticket von Salzkotten nach Geseke würde um lediglich 8 Cent auf 3,82 Euro sinken.

Wie genau die Nahverkehrsbetriebe in der Region damit verfahren, wollte eine Pressesprecherin auf NR-Anfrage noch nicht sagen: „Wir befinden uns noch in der finalen Abstimmung.“ Wahrscheinlich ist aber, dass zumindest Monats- und Jahreskarten im Preis sinken.
Für Züge des Fernverkehrs und außerhalb von Verbünden wird der Preisvorteil auf jeden Fall weitergegeben, hat die Deutsche Bahn bereits verlauten lassen.

Ähnlich aufwendig wird die Umstellung für die durch die Corona-Krise stark geschwächte Gastrobranche, die sämtliche Speisekarten neu drucken müsste. Aber: Restaurants profitieren besonders stark, weil dort ab 1. Juli der ermäßigte Mehrwertsteuersatz gilt. In der Branche sinkt die Mehrwertsteuer von regulär 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent und durch die Senkung der Steuer auf fünf Prozent. Zumindest bei größeren Feiern, könnte sich der Rabatt wohl aushandeln lassen.

Was die Kunden freut, wird für den Handel vor allem aufwendig. Etwa 20.000 Artikel müssen allein im Edeka bei Paul umetikettiert werden. „Wir bereiten uns eine ganze Woche darauf vor“, so der Edeka Kaufmann. Das gesamte Team ist in das Umetikettieren eingespannt.

Werbung an einem Friseur in Salzkotten
Ein Friseur-Salon in Salzkotten wirbt schon heute mit dem Mehrwertsteuerrabatt. Foto: Franz Purucker

Die neuen Preise stecken dann bereits ab Montag, 29. Juni, und gelten dann auch bereits. „Natürlich kann es sein, dass wir das ein oder andere Etikett noch nicht getauscht haben. Sprechen Sie uns gerne an. Trotzdem gilt an der Kasse immer der günstige Preis“, verspricht Paul Penner.

Einige Supermärkte haben den Vorteil auf elektronische Preisschilder zurückgreifen zu können. Dort geht die Preisumstellung entsprechend schneller.

Bei Krix Hausgeräten in Salzkotten müssen die Preisschilder bei 30 bis 40 Artikeln geändert werden, überwiegend geht es um Haushaltsgeräte. „Dazu kommt sicher ein halber Tag, um die Software umzustellen“, so die Geschäftsführerin Sabine Krix.

Einen etwas anderen Weg geht das Textil- und Schuhhaus Bernard aus Bad Wünnenberg. „Wir werden die Schilder wegen den sechs Monaten nicht ändern und ziehen den Preis direkt an der Kasse ab“, so Inhaber Harald Bernard. Das Kunden nun ihre Käufe in diese Zeit verschieben, glaubt Bernard nicht. „Durchschnittlich zahlen die Kunden 50 bis 70 Euro für ihre Ware bei uns. Die Ersparnis liegt also bei wenigen Euros.“

Das Prinzip des Bad Wünnenberger Händlers übernehmen auch einige große Ketten: So hat der Supermarktriese Globus, angekündigt, den Preis an der Kasse abzuziehen.

Auch die dm.Drogeriemärkte wollen, „dass die Preissenkung auf dem Kassenbon transparent wird“, heißt es in einer Pressemitteilung. Am Regal wird weiterhin der Preis mit voller Mehrwertsteuer stehen, den Rabatt gibt es an der Kasse.

Zwar wird von einer Mehrwertsteuersenkung von drei Prozent gesprochen, beim Kunden kommen genau genommen nur 2,5 Prozent an (siehe unten).
Beim Supermarkteinkauf macht das wenig Unterschied, bei einem neuen Auto können das jedoch einige Hundert Euro sein.

Den Rabatt korrekt berechnen

Zunächst muss vom Ausgangspreis der Mehrwertsteueranteil von 19 Prozent abgezogen werden:
Ausgangspreis X 100 ÷119 = Nettopreis ohne MwSt.

Ein 100 Euro Einkauf kostet heute ohne 19 Prozent MwSt 84,03 Euro.
Denn: 100 Euro X 100 = 10.000 ÷ 119 = 84,03 Euro
Nun wird der neue Preis bestimmt:
Nettopreis X 1,16 = neuer Preis

Dazu wird zum Nettopreis von 84,03 Euro die Mehrwertsteuer von 16 Prozent addiert beziehungsweise der Betrag mit 1,16 multipliziert. Dies ergibt: 97,47 Euro. Der Kunde spart 2,53 Euro oder 2,5 Prozent.


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