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Foto: Franz Purucker
Stephanie Lipsmeier sitzt an der Kasse des Carekauf-Supermarktes in Geseke-Störmede. Grundsätzlich unterscheidet sich dieser kaum von einem klassischen Rewe. Aber: Es handelt sich um einen Inklusionsbetrieb der fünf Menschen mit Behinderung eine Arbeit gibt.
Thema der Woche

Was verdienen Menschen mit Behinderung und warum gibt es dort so große Unterschiede?

Sonntag, 29. November 2020 von Franz Purucker

8 Uhr ist Dienstbeginn bei Dominik H. in Geseke, Medina Arnaut in Büren und Stephanie Lipsmeier in Störmede. Alle drei sind körperlich oder psychisch beeinträchtigt und gehen trotzdem arbeiten und verdienen ihr eigenes Geld. Anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember stellen wir drei Menschen aus der Region an ihrem Arbeitsplatz vor.

Bevor der Arbeitstag von Dominik H. beginnt, macht er zu Hause zunächst einige Klopfübungen und tastet verschiedene Stellen seines Körpers ab. Der 50-Jährige leidet unter einer Angst- und Zwangserkrankung, die auf eine Fehlfunktion im Gehirn zurückgeht. Seine Kollegen wissen dies. Aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung, die bei psychischen Krankheiten leider häufig vorkommt, hat er darum gebeten, ihn in diesem Artikel zu anonymisieren.

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Inklusion: Werkstatt als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

Seit drei Jahren arbeitet der ehemalige Maler- und Lackierermeister als Qualitätsprüfer bei der Geseker Firma Montagetechnik Friske, die Kleinteile für die Industrie herstellt. Mit seinem geschulten Auge sieht er sofort, wenn beispielsweise am Tankdeckel, der später in einem Truck eingebaut wird, die Farbe nicht stimmt oder ein Teil falsch ist. An dieser Stelle kommt ihm seine Krankheit sogar zugute, weil er genauer ist.

Zur gleichen Zeit im Geseker Ortsteil Störmede. Dienstbeginn für Stephanie Lipsmeier. Sie wohnt in Erwitte, fährt in einem speziell für sie umgebauten Fahrzeug zu ihrer Arbeitsstelle – dem Carekauf-Supermarkt. Bereits seit ihrer Geburt sitzt die 32-Jährige im Rollstuhl. Für ihre Arbeit kommt ein sogenannter Stehtrainer zum Einsatz, der ihr ermöglicht, sich soweit es geht aufzurichten, um damit zum Beispiel Regale einzuräumen.

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Die meiste Zeit sitzt sie jedoch an der Kasse. Die Besonderheit: Anders als bei Dominik H. ist ihr Arbeitgeber ein Inklusionsbetrieb, beschäftigt also besonders viele Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen.

Ein ganz anderes Konzept verfolgt die Werkstatt für behinderte Menschen in Büren. Medina Arnaut ist eine der insgesamt 234 Werkstattbeschäftigten dort. Sie saß viele Jahre im Rollstuhl, wollte eigentlich Bürokauffrau lernen, bis sie 2009 in einen Unfall verwickelt war.

Seit 2010 arbeitet sie in der Werkstatt, zunächst im Bereich der Elektrik, wo Bauteile für Auftraggeber der Industrie zusammengebaut werden, und inzwischen als Vorsitzende des Werkstattrates – eine Vertretung vergleichbar mit einem Betriebsrat, wo sich die 29-Jährige aus Salzkotten für die Belange von Werkstattbeschäftigten in Büren, Paderborn und Warburg sowie einigen Industriebetrieben stark macht.

Werkstattmitarbeiter zählen nicht zum ersten Arbeitsmarkt, sondern durchlaufen eine Reha-Maßnahme, was sich an dem Ziel der Maßnahmen aber auch am Lohn der Beschäftigten zeigt.

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Wie sich der Arbeitsmarkt für Behinderte von der regulären Berufswelt unterscheidet, wie der Verdienst sich zusammensetzt und warum auch Firmen davon profitieren, Menschen mit Behinderung einzustellen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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