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Foto: Michael Kramer (CC BY-SA 3.0)
Zwar nicht Buckingham Palace, aber ebenfalls ein repräsentativer Adelssitz: Das Schloss Fürstenberg in Bad Wünnenberg, eingebettet in eine Parkanlage, gehört heute der Familie von Westphalen.
NR-Land

Was Prinz William vom Adel der Region unterscheidet

Samstag, 9. Januar 2021 von Franz Purucker

Prinz William Herzog von Cambridge trägt, ebenso wie der Freiherr von und zu Brenken, der in Bad Wünnenberg lebt, einen Adelstitel. Doch was unterscheidet die beiden Persönlichkeiten?

Wichtigster Unterschied: Prinz William ist Thronfolger von Queen Elisabeth. Die Königin ist dabei etwa vergleichbar mit dem Bundespräsidenten. Die Funktion beschränkt sich also auf repräsentative Aufgaben und auf ihre Unterschrift unter Gesetze.

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Zurück zum Freiherrn von und zu Brenken: Faktisch wurden mit  Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung am 14. August 1919 die Vorrechte und Titel des Adels abgeschafft.

Streng juristisch gesehen gibt es also keinen Adel mehr, sondern es handelt sich um bürgerliche Menschen, die jedoch – und dieses Privileg bleibt erhalten – das „von“ als Bestandteil ihres Namens tragen.

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Wichtiger Unterschied: Die Adelsbezeichnung wird immer im Nachnamen genannt. So heißt es zwar „Prinz William“, aber zum Beispiel „Ernst August“ als Vorname und „Prinz von Hannover“ als Nachname.

Trotzdem sind die Namen immer wieder Anstoß der Kritik. Zuletzt hatte die Jugendorganisation der SPD, die Jusos, eine Streichung der Adelstitel gefordert und auf Ungleichbehandlungen bei Bewerbungen und der Besetzung von Posten hingewiesen. 

Früher konnten nur Männer Adelstitel übertragen. Da das deutsche Recht jedoch als Familiennamen sowohl den Namen der Frau als auch den des Mannes zulässt, können auch Männer sich den Adelsnamen quasi „anheiraten“. Dies sehen Adelskreise sehr kritisch, da nach deren historischer Vorstellung der Ehepartner nicht zum „geborenen“ Adel gehört.

In Deutschland gibt es zudem den Titel „Freiherr“. Dies geht auf den spätmittelhochdeutschen Ausdruck vrīherre zurück und bedeutet „freier Edelmann“, was identisch mit der Bezeichnung „Baron“ ist.

Viele Namen gehen auf Orte oder Besitztümer in der Region zurück. 

Von Brenken

Der bekannteste Vertreter dürfte der Forst- und Landwirt Georg Ferdinand Freiherr von und zu Brenken sein, der gleichzeitig Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse für sein kommunalpolitisches Engagement ist. 

Der inzwischen 79-Jährige ist der fünfte Sohn von insgesamt acht Kindern, die aus der Ehe von Georg Graf Droste zu Vischering, Erbdroste, und Clarissa geb. Freiin von und zu Brenken hervorging. Er wurde 1946 von seinem Onkel, Franz Josef Freiherr von und zu Brenken, adoptiert.

Der Name des Adelsgeschlechts  geht auf das gleichnamige Dorf bei Büren zurück. Stammhaus der Familie war das Steinhaus am Kirchtum in Brenken, die Familie lebte aber lange Zeit auf der Wewelsburg. 

Das Anwesen der Familie wird heute vom ältesten Sohn der Familie, Franz Josef Freiherr von und zu Brenken, geführt, der 2011 Schlagzeilen machte, als er die damals 29-Jährige Julia-Theresia Ilona Gräfin von Ingelheim, genannt Echterin von und zu Mespelbrunn, heiratete.

Von Büren

Bekanntester und auch gleichzeitig letzter Vertreter des Adelsgeschlechts Von Büren war Moritz von Büren, der am 7. November 1661 in Oelde verstarb und sein Eigentum dem Jesuitenordnen vermachte, dem er 1644 beigetreten war.

Die Von Büren gründeten die Stadt Wünnenberg und waren zeitweise Besitzer der Wewelsburg, die sie jedoch an den Bischof von Paderborn verpfänden und später verkaufen mussten.

Von Bönninghausen

Die einzige Verbindung in die Region ist der Name – der geht auf das gleichnamige Dorf, welches Teil der Stadt Geseke ist, zurück. Gewirkt haben die Adligen aber vor allem im Raum Hamm und in den Niederlanden. 

Von Hoerde

Dem Adelsgeschlecht Von Hoerde ist zu verdanken, dass das Schloss Eringerfeld nach dem Brand 1660 zu einem Barockschloss umgebaut wurde. Nach dem Tod von Engelbert Matthias von Hoerde im Jahr 1848 ging der Besitz zunächst an dessen Witwe und dann an die Familie Decken und letztlich die Familie Kettler über. Heute gehört das Haus einer chinesischen Investorin und stand zuletzt zum Verkauf.

Zu den Besitztümern der Von Hoerde zählte bis ins 19. Jahrhundert auch das Schloss Störmede im gleichnamigen Geseker Ortsteil, dass 1970 von der Stadt Geseke gekauft wurde. Im Jahre 2010 wurde die Ruine an die Familie Bröggelwith verkauft, die das Haus komplett sanierte und zum Rittergut Störmede, einem Hotel- und Restaurantbetrieb, ausbaute.

Von Mallinckrodt

Detmar Mallinckrodt war ein Gutsherr auf dem Gut Böddecken (heute im Ortsteil Wewelsburg) und wurde 1834 in den Adelsstand erhoben. Damit begründete er das Geschlecht derer von Mallinckrodt. 1903 wurde der Adelsstand jedoch aberkannt. Die heute in Brandenburg lebende Familie von Mallinckrodt hat mit dem Bürener Adelsgeschlecht nichts zu tun.

Von Thüle

Das Adelsgeschlecht derer Von Thüle hatte ihren Sitz in der gleichnamigen Salzkottener Ortschaft im Haus Thüle, welches heute Georg Freiherr von und zu Brenken gehört. Die Familie bestand wohl bis ins 15. Jahrhundert. 

Von Westphalen

Die Grafen von Westphalen sind die größten privaten Waldbesitzer im Paderborner Land und bis heute im Besitz von Schloss Fürstenberg in Bad Wünnenberg und von Schloss Laer bei Meschede, welche beide nicht öffentlich zugänglich sind. Die Herren von Westphalen gehen wohl auf das 13. Jahrhundert zurück.

Droste zu Vischering

Schloss Erpernburg im Bürener Ortsteil Brenken gehörte bis zur Vererbung an die Familie von und zu Brenken der Familie Droste zu Vischering, einer Adelsfamilie aus dem Münsterland. Einige Zweige der Familie bestehen bis heute.


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