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Foto: Franz Purucker
Die Erzieherinnen Julia Roslan (l.) und Anika Reinhold probieren vor der Eröffnung der Geseker Kita Mühlenstraße ein Brettspiel aus. In der Kita gilt grundsätzlich eine Mundschutzpflicht. Wenn sie künftig mit Kindern spielen, dürfen sie die Masken aber absetzen.
Thema der Woche

Was passiert, wenn in Schule oder Kita Corona ausbricht?

Samstag, 15. August 2020 von Franz Purucker

Tritt in einer Schule oder Kita ein Coronafall auf, werden alle direkten Kontaktpersonen zunächst unter Quarantäne gestellt. Dazu zählen Erzieherinnen und Lehrer, aber auch andere Kita-Kinder beziehungsweise Mitschüler. Die Eltern dieser Kinder sind von der Quarantäne dabei zunächst ausgenommen, da sie keinen direkten Kontakt zu einem Infizierten hatten, sondern nur zu ihren Kinder.

Der Kreis Offenbach sorgte in einer solchen Konstellation in der vergangenen Woche für Aufsehen, weil dieser hohe Anforderungen an die Quarantäne eines kleinen Kindes stellte: „Ihr Kind sollte sich möglichst allein in einem Raum getrennt von den anderen Haushaltsmitgliedern aufhalten“, heißt es in einem Schreiben an die Familien. Auch Mahlzeiten sollen nicht gemeinsam eingenommen werden.

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Ähnliche Anforderungen stellt auch der Kreis Soest: „In häuslicher Umgebung sollte eine Trennung erfolgen, um eine Infizierung zu vermeiden. Das wird auch verschriftlicht“, heißt es auf Anfrage.
Der Kreis Offenbach wendet sich in dem Schreiben teilweise in der Du-Form direkt an das Kind und droht im gleichen Brief 4.000 Euro Strafe und die in Inobhutnahme des Kindes an, wenn die Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Zu deutsch: Das Kind wird in eine Pflegefamilie gegeben.

Soweit gehen weder der Kreis Soest noch der Kreis Paderborn. Trotzdem bleibt die Betreuungsfrage offen. Manuela Pitz, Pressesprecherin des Kreises Paderborn schreibt dazu: „Bei Kindern bis zu zwölf Jahren wird ein Elternteil mit unter Quarantäne gestellt, denn die Betreuung bzw. Versorgung des Kindes muss sichergestellt sein. Bei Kindern ab zwölf Jahren gehen wir davon aus, dass sie die Einsichtsfähigkeit besitzen. Gegebenenfalls kann auch bei älteren Kindern noch ein Elternteil mit unter Quarantäne gestellt werden“, so Pitz.

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Der Kreis Soest antwortet auf die Frage der NR nur ausweichend: „Wie die Betreuungsfrage in dem Zusammenhang geklärt wird, ist für das Gesundheitsamt unerheblich.“
Hinter der Konstellation steckt auch eine Kostenfrage: Arbeitnehmer unter Quarantäne erhalten wie im Krankheitsfall ihr Geld weiter. Arbeitgeber beziehungsweise Unternehmer erhalten dafür Entschädigungszahlungen nach dem Infektionsschutzgesetz.

Eine Schließung der gesamten Einrichtung bei Auftritt eines Corona-Falls sehen die Kreise nicht zwingend als notwendig an. Die Sprecherin des Kreises Paderborn dazu: „Bei einem Verdachtsfall zählt die Situation vor Ort. Würde dieser sich bestätigen, würden weitere Tests veranlasst, die Quarantäne gegebenenfalls sukzessive ausgeweitet.“ Der Kreis Soest schreibt dazu: „Die komplette Schließung von Einrichtungen kann, muss aber nicht erforderlich sein.“

Kitas öffnen mit speziellen Corona-Regeln und Einschränkungen

Ab Montag, 17. August, beginnt der Regelbetrieb in den Kitas wieder. Das heißt vor allem, dass die Kitas wieder regulär öffnen und den kompletten Betreuungsumfang anbieten.

Aber es bleibt bei einigen Corona-Einschränkungen: So müssen Eltern und Erzieher weiterhin Masken tragen, wenn sie sich begegnen. Wenn die Erzieher mit den Kindern allein sind, darf die Maske wieder abgenommen werden.

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Spielzeuge, die sich nicht reinigen oder desinfizieren lassen, dürfen ersteinmal nicht eingesetzt werden. Foto: Franz Purucker

Um jeden Preis soll verhindert werden, dass sich die Krankheit in der Kita ausbreitet. Deshalb hat das Land einen umfangreichen Reinigungs-und Desinfektionsplan für Kinder- und Jugendeinrichtungen vorgelegt: So müssen die Gruppenräume, Sanitäranlagen und Küche täglich gewischt werden. Säuglingsspielzeug muss täglich desinfizierend gereinigt werden. Dies ist nicht bei allen Spielsachen möglich, sodass einige Dinge vorerst verschlossen im Schrank bleiben müssen.

Das Personal soll nach diesem Plan unter anderem nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten, nach dem Wickeln, vor der Speisenzubereitung sowie bei Bedarf für 30 Sekunden die Hände desinfizieren.

Gerade Frühstücksangebote dürften von einigen Kitas in der ersten Zeit nicht angeboten werden, weil das Personal die Zeiten der Handdesinfektion kaum einhalten kann. Stattdessen müssten Eltern dann selbst Frühstück mitschicken.

Um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, müssen infektiöse Kinder nach Hause geschickt werden – was auch außerhalb der Corona-Pandemie schon so war. Dazu zählen insbesondere Symptomen wie Fieber, Husten oder Halsschmerzen. Vor allem bei Corona-typischen Symptomen wie trockenem Husten, Atemnot, Verlust des Geruchs-/Geschmackssinns oder Muskel- und Gliederschmerzen müssen Eltern handeln und einen Arzt aufsuchen.

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Da auch Schnupfen zu den Corona-Symptomen zählt, können Kitas auch dann verlangen, dass das Kind abgeholt wird. Laufende Nasen kommen gerade bei Kindern oft vor. Die Empfehlung des Ministeriums sieht vor, dass das Kinder mit Schnupfen 24 Stunden zu Hause beobachtet werden sollen, ob weitere Symptome hinzukommen. Ist dies nicht der Fall, darf das Kind wieder in die Betreuung. Ein ärztliches Attest ist jedoch explizit nicht nötig.

Nicht-infektiöse Krankheiten wie Asthma, Allergien, Heuschnupfen oder Neurodermitis sind unproblematisch.
Trotzdem: Aktuell können sich Eltern maximal zehn Tage pro Jahr freistellen lassen (Alleinerziehende 20 Tage), wenn das Kind wegen Krankheit zu Hause betreut werden muss. Diese Zahl ist rasch aufgebraucht. Hier können Eltern nur auf das Verständnis ihres Chefs hoffen.

Die freiwilligen, aber kostenfreien Corona-Tests für Kita-Mitarbeiter finden übrigens in der 32., 34., 36., 38. und 40. Kalenderwoche statt. Eine Testung von Kita-Kindern ist nicht vorgesehen.

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