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Foto: Franz Purucker
NR-Redakteur Franz Purucker wirft ein Marmeladenglas in einen Altglas-Container. Doch was passiert danach damit?
Thema der Woche

Was passiert eigentlich mit dem Container-Altglas?

Samstag, 4. Januar 2020 von Franz Purucker

Mit einem lauten Klirren knallen die Gläser in die Container. Gerade nach Neujahr landet immens viel Altglas in den Behältern, die in fast allen Kommunen in Laufnähe aufgestellt sind. Was aber passiert eigentlich mit dem Altglas?

Bei Pfandgläsern ist die Sache klar. Diese werden ausgespült und wiederverwendet. In Joghurtgläser wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Joghurt gefüllt. Auch das zersplitterte Altglas aus den Containern wird grundsätzlich wieder genutzt. „Etwa 98 Prozent werden wiederverwertet“, erklärt Bernd Hohage von der Firma Reiling Glas Recycling. Jedoch wird das Glas nicht immer für das verwendet, was es vorher war. „Wir verkaufen das Material an Glashütten“, erklärt Hohage weiter. Die Abnehmer kommen aus ganz Europa.

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Ein Großteil geht in die Produktion von Fenster- und Autoscheibenglas. Ein großer Abnehmer ist auch das Unternehmen Gerresheimer Glas, das darunter unter anderem Nutella-Gläser herstellt. 

Bezahlt wird die Entsorgung wie bei der Plastikverpackung auch von den dualen Systemen – das bekannteste ist der Grüne Punkt. Diese Unternehmen kassieren von Herstellern, die Produkte in Gläsern verkaufen – etwa Hersteller von Marmelade oder Joghurt – einen Geldbetrag, der anschließend für deren Entsorgung genutzt wird

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An diesen Standorten im NR-Land stehen Altglascontainer.

Sämtliches Glas aus den Containern im Kreis Paderborn wird vom Unternehmen Reiling in Marienfeld entsorgt. Auf deren Betriebshof landet das im Kreis Paderborn, aber auch aus anderen Regionen gesammelte Glas. Insgesamt werden hier 35.000-40.000 Tonnen pro Monat verarbeitet.

Im ersten Schritt ist Handarbeit gefragt: „Es werden Sachen rausgenommen, die nicht in die Container gehören“, so Bernd Hohage von Reiling Glas Recycling.. Dazu zählen unter anderem Kartons, Plastiktüten und Restmüll. „Wir hatten auch schon tote Haustiere im Container gefunden, so Hohage. Die Sortierung ist wichtig, da sonst die Qualität des Glases durch Fremdstoffe verunreinigt werden würde.

An manchen Altglascontainern steht geschrieben, was nicht hinein soll. Foto: Franz Purucker

Am aufwendigsten ist die Aussortierung von Glas, welches nicht in den Container gehört. „Bleiglas und Zierglas kann von den Glashütten nicht verarbeitet werden und gehört in den Restmüll“, erklärt Hohage. Glühbirnen und Leuchtstoffröhren enthalten Giftstoffe und gehören ebenfalls nicht ins Altglas.

Darf der Deckel mit in den Container?

Auch feuerfestes Glas lässt sich nicht einschmelzen und gehört nicht in den Container. Dazu zählen unter anderem Tee- und Kaffeekannen, Spiegel und Fensterglas, Weihnachtsbaumkugeln sowie Keramikteller und Tassen.  

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Im nächsten Schritten werden Metalle abgetrennt. Hierzu kommt ein Wirbelstromaggregat zum Einsatz.

Interessant: Während die Firma Reiling, zuständig für die Altglasentsorgung im Kreis Paderborn, kein Problem damit hat, die metallischen Deckel auf den Gläsern zu lassen, schreibt der Entsorger im Kreis Soest vor, die Deckel über den gelben Sack zu entsorgen und nicht mit in den Altglascontainer zu werfen.

Nicht heruntergekratzt werden müssen die Etiketten, auch wenn diese vor der Verarbeitung entfernt werden müssen. „Zum Teil lassen wir das Material ein Weilchen liegen, damit das Papier durch die Feuchtigkeit runtergeht“, so Bernd Hohage. In der Verarbeitung werden Etiketten abgesaugt. Ein gewisser Anteil an organischen Stoffen ist unproblematisch, da diese in der Schmelze verbrennen.

Bevor es aber soweit kommt, muss das Glas nach Farben sortiert werden, wenn dies nicht schon am Container passiert ist.

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Knapp zwei Drittel des verarbeiteten Altglas ist weiß. Foto: Franz Purucker

Besonders beliebt bei den Glashütten ist braunes Glas. Da die meisten Bierflaschen heute jedoch pfandpflichtig sind, landet immer weniger davon in den Containern. Insgesamt macht das Weißglas mit 63 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von Grünglas (25 Prozent) und Braunglas (12 Prozent).

Im letzten Schritt wird das Glas zerkleinert und nach feinen und groben Scherben sortiert bevor es an die Glashütten als Endverarbeiter geht.

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