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Foto: Büttner
Im trockenen Flußbett bei Niederntudorf: Vertreter des Wasserverbandes und des Angelvereins.
NR-Land

Was ist los mit der Alme? Kontrollen sollen Klarheit bringen

Sonntag, 17. Januar 2021 von Johannes Büttner

Es ist fast schon zu einem gewohnten Bild geworden: Über Monate  hinweg  liegt das Flußbett der Alme in weiten  Teilen trocken. Mögen die Quellen bei Brilon auch noch so beständig sprudeln, ab Brenken wird es dünn mit dem Wasserlauf.  Zu beobachten ist dieses Phänomen regelmäßig, doch genau dokumentiert hat das Trockenfallen der Alme in den letzten Jahrzehnten wohl niemand. Das soll sich nun ändern.

Der Wasserverband Obere Lippe und die Mitglieder der Angelvereine aus Wewelsburg und Niederntudorf wollen herausfinden, wann die Alme  trocken fällt und ab wann und wie lange sie wieder fließt. Die Basis dazu liefern 23 zwischen Ahden und Niederntudorf eingerichtete Kontrollstellen. 

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Diese Kontrollstellen werden nun regelmäßig von den Angelfreunden besucht. Sie prüfen und dokumentieren den  Wasserstand und leiten die Ergebnisse dem Wasserverband Obere Lippe zu. Die Ergebnisse werden  dann mit den jeweils herrschenden klimatischen Verhältnissen und eventuellen  Niederschlagsmengen in Relation gesetzt. 

„Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren abnehmenden Regenmengen wollen wir Erfahrungswerte dazu sammeln, wieviel Regen in welcher Zeit nötig ist, damit die Alme zwischen Brenken und Niederntudorf fließt. Ohne die Mithilfe der Angelvereine könnten wir die Untersuchung nicht durchführen“, sagte Volker Karthaus, Geschäftsführer des WOL. 

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Begradigung und Eingrenzung zur Landgewinnung

Dass die Alme auf ihrem rund 60 Kilometer langen Lauf bis zur Einmündung in die Lippe bei Schloß  Neuhaus  immer wieder trocken fällt, ist keine neue Erkenntnis, denn ab Siddinghausen wird das Flussbett durch klüftiges Kalkgestein (Karst) durchlässiger. „Dieser Wasserverlust wurde aber über Jahrhunderte durch die natürliche kiesig-lehmige Gewässersohle einigermaßen abgefangen, so dass sich das Flussbett selber abgedichtet hat“, sagte Karthaus. 

Das änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der Mensch vermehrt in die Natur eingriff. Um Land zu gewinnen und auch aus wirtschaftlichen Gründen, wurde die Alme teilweise begradigt und ihr Flussbett durch Uferbefestigungen eingegrenzt. 

Bürener Mühlen mussten Betrieb einstellen

Zwar hatten die 52 Getreidemühlen, die es noch bis 1910 im Kreis Büren gab, zunächst ihre Freude an dem nun schnellen Wasserfluss, aber das änderte sich bald.  Die Alme rächte sich. Der abdichtende Grund wurde  abgeschwemmt und das Wasser verschwand zunehmend im offenen Karstgestein. Ans Tageslicht  kam es dann  wieder in Upsprunge und Geseke, was wiederum die dort ansässigen Mühlenbetreiber erfreute. 

Nach schriftlichen Aufzeichnungen der Bürener Mühlenbetreiber aus dem Jahr 1908 mussten sie ihren Mühlenbetrieb aufgrund von fehlendem Wasser immer wieder einstellen. 

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Ende des 19. Jahrhunderts versuchten die Mühlenbesitzer, im Bereich der Alme mit Abdichtungen eine regelmäßige Wasserführung zu erreichen. Aufgrund dessen kam es dann zu Rechtsstreitigkeiten mit den Mühlenbetreibern in Upsprunge und Geseke, die von dem versickerten Almewasser profitierten. 

Messungen aus der Zeit von 1968 bis 2014 haben gezeigt, dass die Alme im Schnitt an 60 bis 70 Tagen trocken fällt. „Das wurde sowohl auf die Versickerung, den abnehmenden Niederschlag und die trockenen Sommer zurückgeführt“, sagte Volker Karthaus. 

„Renaturierung dient nicht primär der Wasserführung“

Der Geschäftsführer des WOL machte in diesem Zusammenhang aber auch deutlich, dass die aktuell durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen der Alme nicht primär einer  durchgängigen Wasserführung gelten. „Bei der Renaturierung der Alme geht es um die Umsetzung eines ökologischen Konzeptes. Wenn dieses dazu führt, dass die Alme wieder durchfließt, ist das ein willkommener Nebeneffekt“, so Volker  Karthaus.


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