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Foto: Pixnio (Symbolfoto)
In den Laboren herrscht schon heute Hochbetrieb, um PCR-Corona-Tests durchzuführen. Mit der Änderungen der Quarantäne-Richtlinie wird der Auftragsstau dort noch größer
NR-Land

Warum müssen Corona-Verdachtsfälle so lange auf ihren PCR-Test warten?

Samstag, 15. Januar 2022 von NR Redaktion

Vollmundig erklärt der lokale CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Blöming in diesen Tagen, dass das Land bis zu drei PCR-Tests an Kitas komplett bezahlen will. Gemeint sind sogenannte Pool-Tests, wie es sie bereits an Schulen gibt. Dabei werden die Corona-Teststäbchen aller Schüler einer Klasse in einem Pool gebündelt. Ist der Pool positiv, werden Einzeltests durchgeführt, um herauszufinden, wer von den Schülern infiziert ist.

Das Land gibt sich gönnerhaft: „Wir verlieren auch die Kleinsten in den Kitas und der Kindertagespflege nicht aus dem Blick“, so Blöming in der Pressemitteilung.

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Die schwierigste Aufgabe der Kommunen dürfte es aber sein, überhaupt ein Labor zu finden, das diese Tests durchführt, „Wir sind komplett ausgelastet und priorisieren die Tests inzwischen“, sagt Dr. Armin Kuhlencord, Leiter des Paderborner Labors der Firma LADR. Bis zu 250 Tests sind hier pro Tag möglich.

Diese Kapazität wird aktuell ausschließlich für die Testung im Auftrag der Krankenhäuser und für die Proben des medizinischen Personals benötigt. „Wenn die Schwester am Empfang einer Arztpraxis einen positiven Schnelltest hat, braucht der Kollege schnellstmöglich Gewissheit, da seine Praxis sonst nicht arbeitsfähig ist“, erklärt Dr. Kuhlencord. Aber auch sein Team arbeitet am Limit: „Das geht nur, weil wir ein ganz tolles Team haben, das zusammensteht und einen umwerfenden Spirit hat“, lobt Kuhlencord.

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Der Leiter des Paderborner LADR-Testlabors Dr. Armin Kuhlencord. Foto: LADR

Alle anderen Tests gibt LADR aktuell an sein Hauptquartier in Geesthacht bei Hamburg ab. Darunter zählen alle durchgeführten PCR-Tests von niedergelassenen Ärzten, sofern es nicht um „priorisierte Personen“ geht.
Aber auch dort wird das Testaufkommen immer mehr. Nach den neuen Corona-Regeln kann die Quarantäne eines Infizierten bereits nach sieben Tagen mit einem negativen PCR-Test beendet werden, wenn der Getestete seit mindestens 48 Stunden symptomfrei ist. Für Kontaktpersonen eines Covid19-Erkrankten soll dies bereits nach fünf Tagen möglich sein. In NRW tritt dies wahrscheinlich ab nächste Woche in Kraft.

Für Kuhlencord ist das Politik: „Nach meiner Erfahrung sind weiterhin der größte Teil der Infizierten nach sieben Tagen weiter positiv“, so der Laborleiter.

Ein weiteres Problem ist die teilweise mangelhafte Qualität der Schnelltests. „Wir hatten eine Schwester, die in Schnelltests an drei Tagen hintereinander positiv war und das PCR-Testergebnis war immer negativ. Dann wurde der Testanbieter gewechselt“, so Kuhlencord.

Dass die PCR-Tests wesentlich zuverlässiger als die Schnelltests sind, liegt in erster Linie am Auswertungsverfahren. Im Labor wird die Erbinformation des Virus bis zu 40 Mal verdoppelt, was 3,5 bis vier Stunden dauert. Bei bis zu 40 Verdopplungsschritten in der PCR kommt es zu einer Vervielfältigung der RNA eines einzigen Corona-Virus auf weit mehr als 1 Milliarden Kopien, sodass sich selbst geringste Virusmengen nachweisen lassen. Die Schnelltests weisen lediglich bestimmte Proteine des Erregers im Probenmaterial nach.

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In den Laboren bilden sich unterdessen Staus „Aufgrund des hohen Aufkommens warten unsere Patienten zurzeit 48 bis 72 Stunden auf ihr Ergebnis“, sagt der niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Thomas Bandorski aus Bad Wünnenberg-Haaren.

Die Stadt Bielefeld hatte kürzlich Pool-Testungen für Kitas ausgeschrieben. LADR hat sich mangels Kapazitäten nicht daran beteiligt.

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