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Foto: Collage Franz Purucker
Die Kandidaten als Spielfiguren: Nadine Dubberke (v.l.) will Bürgermeisterin von Bad Wünnenberg werden, Alina Wolf und Dr. Monika Walter bewerben sich als Landrätinnen im Kreis Paderborn. Eva Irrgang ist amtierende Landrätin im Kreis Soest und bewirbt sich erneut um das Amt.
NR-Land

Warum gibt es so wenige Damen im Politik-Poker?

Samstag, 5. September 2020 von Franz Purucker

Es ist wie beim Poker-Spiel – Frauen sind selten in der Politik. Der WDR geht davon aus, dass aktuell nur 24 Prozent der Kommunalpolitiker weiblich sind. Vier Frauen aus der Region berichten über ihre Kandidaturen zur  Kommunalwahl

Für Eva Irrgang ist dies ein Alleinstellungsmerkmal: Sie ist die einzige Landrätin in ganz NRW. „Ich hoffe, dass sich das ändert“, sagt die 63-jährige CDU-Politikerin. 

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Trotzdem ist sie entschieden gegen eine Frauen-Quote: „Ich möchte keine Quotenfrau sein, sondern überzeugen.“ Das hat sie zur Kommunalwahl 2004 bereits die CDU-Parteikollegen und auch die Wähler.

Im Kreis Paderborn kandidieren zwei Frauen für dieses Amt: Norika Creuzmann für die Grünen und Alina Wolf für die Linken, die schon zur Landtagswahl 2017 für den Paderborner Wahlkreis kandidierte. Schon kurz nach ihrem Parteieintritt vor drei Jahren musste sie sich an

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Ist die jüngste Bewerberin auf den Post als Landrätin im Kreis Paderborn: Alina Wolf kandidiert für die Linke.

Wahlkampfständen einiges anhören: „Du bist noch jung und naiv“. Dabei lehnten sich viele Männer über sie, kamen der heute 26-Jährigen bedrohlich nahe, berichtet Wolf. 

Auch bei Podiumsdiskussion zur aktuellen Kommunalwahl macht sie die Erfahrung, dass Frauen öfter ins Wort gefallen wird als männlichen Gegenkandidaten. 

Gibt sich selbstbewusst: Nadine Dubberke will Bürgermeisterin von Bad Wünnenberg werden.

Nadine Dubberke kandidiert als Bürgermeisterkandidatin für die Grünen in der CDU-Hochburg Bad Wünnenberg. Viele nehmen sie dort nicht ernst, versuchen sie sogar einzuschüchtern: „Da wird behauptet, die Briefwahlen wären schon ausgezählt und ich hätte verloren“, so Dubberke, die sich kämpferisch gibt: „Ich will die erste Bürgermeisterin in Bad Wünnenberg werden.“ Sie will vor allem junge Frauen motivieren, wählen zu gehen. 

Die Grünen und die Linke haben sich landesseitig den Anspruch verordnet, ihre Listen, wo möglich, quotiert aufzustellen. Jeder zweite Platz soll mit einer Frau besetzt werden. 

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Gelungen ist das unterschiedlich gut: Während bei den Bad Wünnenberger Grünen sogar acht der zwölf Plätze auf der Reserveliste mit Frauen besetzt sind, stehen bei den Bürener Grünen nur auf zwei der acht Listenplätze weibliche Namen. Linke und Grüne haben aber zumindest für die Kreistage in Paderborn und Soest die Hälfte aller Listenplätze mit Frauen besetzt.

Die amtierende Landrätin im Kreis Soest: Eva Irrgang (CDU)

Eva Irrgang hat die Erfahrung gemacht, dass es oft schwierig ist, überhaupt Frauen für die Plätze zu finden. „Frauen haben öfter das Gefühl Verantwortung in der Familie zu übernehmen und stecken dann zurück.“ Kommunalpolitik spiele sich aber oft am Abend ab – also dann, wenn die Kinder ins Bett gebracht werden müssen und fordere viel Zeit ein.

Auch sie wurde vor 13 Jahren abwertend gefragt „Kann die das denn?“. „Einen männlichen Bewerber hätten sie diese Frage wohl nicht gestellt“, ist Irrgang überzeugt. Bereits seit 2004 ist sie Mitglied im Kreistag.

Die Landrätin glaubt aber auch, dass die Gesellschaft auf einem guten Weg ist, Politik weiblicher zu machen. Auch in der CDU gilt die Richtschnur, bei der Vergabe von Listenplätzen mehr Frauen zu berücksichtigen – im Bund ist auch eine Frauenquote im Gespräch. 

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Den höchsten Frauenanteil auf einer CDU-Reserveliste im NR-Land gibt es in Geseke mit 13 von 50 Plätzen.

Monika Walter kandidiert für die FDP und möchte Landrätin des Kreises Paderborn werden.

Dr. Monika Walter, die für die FDP als Landrätin im Kreis Paderborn antritt, sagt: „Frauen können in den Parteien schnell aufsteigen.“ Sie selbst trat 2001 bei den Liberalen ein, wurde recht schnell in den Vorstand gewählt und saß ab 2004 im Paderborner Stadtrat. „Politiker müssen vorne stehen und auch mal gegensätzliche Meinungen vertreten. Das machen Frauen nicht so gerne“, vermutet Walter.

Im Bürener Wahlkreis Weiberg ist der Frauenanteil im NR-Land am höchsten: Hier schicken vier Parteien Frauen ins Rennen – nur die CDU hat einen Mann aufgestellt.

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