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Ein auf dem Boden angebrachter Pfeil zeigt den Weg zum Wahllokal einer Kommunalwahl
Foto: Pixabay (Symbolfoto)
NR-Land

Wahlprogramme im Blick: Von schmückenden Adjektiven bis zu ausschweifenden Darstellungen

Mittwoch, 9. September 2020 von Franz Purucker

NR-Redakteur Franz Purucker hat im Rahmen des NR-Kommunalwahl-Check (mehr dazu hier) die Programme aller Parteien und Wahlvereinigungen gelesen, die im NR-Land antreten und blickt nun mit einem satirischen Blick auf die Texte der Parteien zur Kommunalwahl.

Wer es kurz, knackig und kompakt mag, sollte zum Wahlprogramm der CDU greifen. Ob es den Namen „Programm“ verdient hat – schwer zu sagen. Es ist eher eine Aneinanderreihungen von Punkten. In der Kürze liegt die Würze – dafür fehlt es etwas an neuen Ideen und Impulsen.

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Ansonsten präsentiert sich die CDU als starke Wirtschaftsmacht, die die Region voranbringt und in die nächsten Jahre führt. Dazu viele schönklingende Adjektive mehrfach aneinandergereiht, um der Schönheit, Heimatverbundenheit und Zukunft Ausdruck zu verleihen.

Die SPD ist da schon konkreter – bringt es auf sechs Seiten im Kreiswahlprogramm mit dem Titel „Mehr WIR im Kreis Paderborn“ – zwischendurch bunte Bilder vom kostenfreien Bildportal Pixabay. Konkret sind es zwölf Punkte – in denen sich sehr oft „wir möchten“ wiederholt – insgesamt aber ein eher monotoner Sprachstil.

Das ganze Gegenteil dazu, das Werk von Die Linke – provokativ mit vielen Ausrufezeichen, fast anklagend. Der Titel: „sozial, ökologisch und sexismusfrei im Kreis Paderborn!“ Auf der Anklagebank, wohl die CDU-Bürgermeister und Landrat Manfred Müller.

Das Ganze wirkt wie ein Urwerk der SPD – im Fokus der Klassenkampf und die Forderung, besonders Frauen zu unterstützen, die unter der Kirche, den Männern und generell der Politik leiden. Hinter jedem dritten Satz findet sich – gefühlt – ein Ausrufezeichen. Sexismusfrei sei hier noch mal erwähnt und ja, sexismusfrei!

Einen regelrechten Thriller mit dem Titel „Provinz und Heimat“ schickt die AfD ins Rennen. Wie bei der Linken viele Klagen, düstere Szenarien wie das dramatische Dörfersterben, Wohnraumengpass und eine Wirtschaft, die gebeutelt am Boden liegt. Der Täter: der Flüchtling, der das Paderborner Land zerstört – und die bösen Altparteien und ihr Treiben im Hinterzimmer. Dagegen fährt die AfD Maximalforderungen auf – wie den Abriss der Windräder und den Erhalt des Autos – ohne Schnickschnack wie Elektromobilität.

Die Grünen stellen ein umfangreiches Werk auf – 37 Seiten – ein halber Wald quasi, mit 14 Kapiteln. Wer das alles lesen will, braucht wirklich viel Zeit und Geduld. Sogar die Grünen in Salzkotten haben ein eigenes Werk – auch hier 18 Seiten.

Einen ganz anderen Stil wählen die Bürger für Büren: Das Programm kommt im Tagebuchstil in 50 Punkten – beginnend am 25. Juli bis zum Wahltag am 13. September. Um alle Inhalte zu lesen, müssen die Wähler also bis zum Wahltag warten – nichts für die Briefwahl.

Auch hier viele romantische Elemente mit Adjektiven, gemischt mit dem Klagestil, aber einigen Ideen und Vorhaben – über deren Substanz sich streiten lässt.

Die FDP bringt es auf immerhin 25 Seiten, darunter viele Vorschläge und Ideen – durchsetzt mit Hervorhebungen und Zusammenfassungen – auch fürs schnelle Überfliegen gut geeignet. Aber auch hier einige Klagen – dieses Mal von dem Unternehmer, denen es so schlecht geht.

Ähnlich ausschweifend die Volt-Partei – die sich aber nicht die Mühe macht, zwischen Stadt und Kreis Paderborn zu unterscheiden. Vieles bezieht sich eben nur auf die Stadt – oder wollen die ernsthaft eine Stadtbahn durch den Kreis fahren lassen?

Bleibt noch die FBI – eine Wählergruppe im Kreis, die es in nur 1.148 Zeichen schaffen, ihre Inhalte zusammenzufassen. Knapp gesagt: Die FBI will mehr Bürgerbeteiligung. Da bringt es doch Mal einer auf den Punkt.

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