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Person zählt Geld auf einem Tisch
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Entlassungen, Kurzarbeit und Verdienstausfall bei Selbstständigen verringern die Einkommen von vielen Familien.
Thema der Woche

Vielen Familien droht Corona-Armut: Diese Möglichkeiten gibt es jetzt

Sonntag, 3. Mai 2020 von Franz Purucker

Hartz IV, Wohngeld oder Kinderzuschlag? Für Erstantragssteller ist die Lage unübersichtlich. „Keine falsche Scheu“, so Sozialberater Paul Weitkamp: „Ihnen stehen diese Leistungen zu.“

Wichtig ist, die Antragsfristen zu wahren: Der Antrag muss bis zum Letzten des laufenden Monats gestellt werden – für Mai bis 31. Mai.

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Arbeitslosengeld II

Im Volksmund ist eher von Hartz IV die Rede. Alleinstehende erhalten 432 Euro pro Monat, zusammenlebende Personen 389 Euro. Dazu gibt es eine „angemessene Miete“.

Hier gibt es Corona-bedingt eine Ausnahme: „Bei Neuanträgen zwischen April und September wird die tatsächliche Miete übernommen, auch wenn diese über den Regelgrenzen liegt“, erklärt Vera Kuhlenkamp, Sprecherin des Jobcenters Paderborn.

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Auch eine Vermögensprüfung findet fürs erste nicht statt. „Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben“, warnt Paul Weitkamp. Trotzdem muss versichert werden, dass kein „erhebliches Vermögen“ vorhanden ist. Grundsätzlich wird dabei von mehr als 60.000 Euro bei Alleinstehenden und 30.000 Euro für jede weitere Person ausgegangen. Kuhlenkamp schränkt aber ein: „Es gibt Ausnahmen für Selbstständige, die ihre Rente selbst erwirtschaften.“ Der Antrag muss beim Jobcenter gestellt werden.

Wohngeld

Dahinter steckt ein Mietzuschuss, den aber auch Eigentümer erhalten können. Wegen der Corona-Krise müssen weniger Nachweise erbracht werden, um das Geld schnell auszuzahlen. Auch ein Vorschuss bis zur endgültigen Prüfung ist möglich.
Im Vergleich zu Hartz IV gelten höhere Einkommensfreigrenzen als bei Hartz IV, die jedoch vom Wohnsitz abhängig sind. Bad Wünnenberg, Büren und Salzkotten zählen zur Mietstufe I, Geseke zur Mietstufe II. In Mietstufe I sind bis zu 292 Euro (1 Person) und bei drei Personen monatlich 424 Euro möglich. Zuständig für den Wohngeldantrag ist die Wohngeldstelle der Kommune. Auch hier gilt: Auf die Vermögensprüfung wird verzichtet. Zur Vereinfachung wird das Einkommen des letzten Monats angenommen (üblich sind die letzten sechs Monate).

Notfall-Kibiz

Angesichts der Corona-Krise wurde der Kinderzuschlag zum Notfall-Kinderzuschlag (Notfall-Kibiz). Kinderzuschlag wird prinzipiell immer dann gewährt, wenn die Eltern zwar von ihrem Einkommen leben können, es aber nicht reicht, um die Kinder ebenfalls zu versorgen.

Um Anspruch auf Kinderzuschlag zu haben, muss das Einkommen einer Familie bei mindestens 900 Euro bzw. 600 Euro bei Alleinerziehenden liegen. Andernfalls fällt die Familie ins Arbeitslosengeld II (siehe erster Abschnitt). Für diese Einkommensgrenze werden alle Einnahmen außer Kindergeld und Wohngeld angenommen.

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Beispiel: Die Familie Mustermann – also Mutter und Vater mit zwei Kindern im Alter von zwei und vier Jahren – hat ein Bruttoeinkommen von monatlich 1.900 Euro und zahlt Miete in Höhe von 750 Euro. Nach allen Abzügen bleiben 1.200 Euro als zu berücksichtigendes (Netto-)Einkommen.
Die Familie erhält durch die Kinder 408 Euro Kindergeld (zwei Mal 204 Euro) und 249 Euro Wohngeld. Insgesamt haben die Mustermanns also 1.857 Euro zur Verfügung. Ihr Bedarf laut ALG II liegt aber bei 2.028 Euro.

Es hätten also Anspruch auf Hartz IV. Der Sinn des Gesetzes ist es, dass die Familie nicht ins Hartz IV fällt. Also wird berechnet, ob die Familie mit dem Kinderzuschlag kein Hartz IV mehr beantragen müsste.

Zu dem Einkommen wird also der mögliche Kinderzuschlag von 185 Euro pro Kind hinzugerechnet – im konkreten Beispiel zwei Mal 185 = 370 Euro. Die Rechnung: 1.857 Euro (berechnetes Einkommen) + 370 Euro (Kinderzuschlag) = 2.227 Euro. Der Bedarf ist erfüllt und der Kinderzuschlag wird gezahlt.

Auch beim Kinderzuschlag gilt: Die Vermögensprüfung wird ausgesetzt und das Einkommen – wie beim Wohngeld – vereinfacht berechnet. Der Antrag muss bei der Familienkasse – also der Agentur für Arbeit – eingereicht werden.

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Bildungspaket

Bezieher aller Sozialleistungen haben darüber hinaus Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Dazu zählen unter anderem Lernförderung, kostenfreies Mittagessen in Schule und Kita (wenn wieder vorhanden) und 150 Euro Zuschuss pro Jahr für Schulbedarf.

In allen Kommunen des NR-Landes gibt es zudem Familienpässe mit Eintrittsvergünstigungen für Freibäder und Museen (sobald wieder geöffnet), Zuschüsse für die Müllentsorgung oder Vergünstigungen bei Gebüren für den Passantrag.

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