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Person zählt Geld auf einem Tisch
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Entlassungen, Kurzarbeit und Verdienstausfall bei Selbstständigen verringern die Einkommen von vielen Familien.
Thema der Woche

Vielen Familien droht Corona-Armut: Diese Möglichkeiten gibt es jetzt

Sonntag, 3. Mai 2020 von Franz Purucker

Die Familie Mustermann weiß aktuell nicht, wie es weitergehen soll. Vater Markus befindet sich in Kurzarbeit Null – ist also komplett zu Hause und erhält 67 Prozent seines Nettolohnes als Kurzarbeitergeld.

Seine Ehefrau ist selbstständige Dozentin an der Volkshochschule. Das letzte Einkommen auf ihrem Konto ist die Soforthilfe des Landes NRW in Höhe von 9.000 Euro. Dieses Geld hilft der Familie fürs erste, um über die Runden zu kommen.

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Welche Möglichkeiten haben Familien jetzt?

Doch dieses Geld für den privaten Lebensunterhalt zu nutzen – davor warnt Paul Weitkamp, Sozialberater der Paderborner Arbeitslosenhilfe in Salzkotten, ausdrücklich: „Die Soforthilfe ist dafür gedacht, um Betriebsausgaben zu bezahlen.“ Im schlimmsten Fall droht die Rückzahlung oder sogar eine Anzeige wegen Subventionsbetrug. Wird die Hilfe tatsächlich für Betriebsausgaben verwendet, darf diese nicht bei Sozialleistungen angerechnet werden.

Erste mögliche Geldquelle ist eine Nebenbeschäftigung für den Familienvater. Händeringend werden aktuell unter anderem in der Landwirtschaft beim Spargelstechen oder bei der Erdbeerernte, bei Paketzustellern und teilweise in Krankenhäusern und Apotheken Hilfskräfte gesucht.

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Paul Weitkamp vor der Pedaltz-Zweigstelle in Salzkotten
Sozialberater Paul Weitkamp ermutigt dazu, staatliche Hilfe anzunehmen. Foto: Franz Purucker

Aber: Wer nebenbei jobbt, bekommt dies grundsätzlich auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Beispiel: Der Familienvater verdient regulär 1.500 Euro netto. Ersetzt werden 60 Prozent (Kinderlose) beziehungsweise 67 Prozent (mit Kindern) des Lohnausfalls. Im konkreten Beispiel handelt es sich um die vollen 67 Prozent als Kurzarbeitergeld – also 1.005 Euro.

Im Falle eines Nebenjobs über 450 Euro wird das Kurzarbeitergeld gekürzt. Der Lohnausfall sind nun nicht mehr 1.500 Euro, sondern durch den Nebenjob 1.050 Euro. Konkret: 1.500 Euro (eigentlicher Lohn) minus 450 Euro (Nebenjob) = 1.050 Euro. Davon 67 Prozent ergibt 703 Euro – also rund 300 Euro weniger. Der Job bringt unterm Strich nur 150 Euro.

Doch es gibt Ausnahmen wegen der Corona-Krise: Wer einen Nebenjob in einem sogenannten „systemrelevanten Beruf“ ausübt – dazu zählen die medizinische Versorgung, Apotheken, Güterverkehr, Lebensmittelhandel und deren Herstellung sowie Lieferdienste von Lebensmitteln – erhält die Nebeneinkünfte bis zum vorherigen Einkommen nicht angerechnet.

Familie zählt ihr Geld
Vor allem Familien geraten in finanzielle Not. Foto: Shutterstock

Im konkreten Fall dürfte der Familienvater bis zu 450 Euro nebenbei verdienen, weil dieser dann sein ursprüngliches Einkommen von 1.500 Euro erreicht.

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Wer eine Nebentätigkeit aufnimmt, muss dies seinem Hauptarbeitgeber melden und ein Formular der Arbeitsagentur ausfüllen. Vorteil: Für den Nebenverdienst in „systemrelevanten Berufen“ fällt keine Arbeitslosenversicherung an.

In Zeiten fehlender Kinderbetreuung gibt es die Option des Nebenverdienstes für viele Menschen nicht. Die Alternative: Sozialleistungen beim Staat.

Was bei Wohngeld, Kinderzuschlag und ALG II zu beachten ist, welche Vereinfachungen es jetzt gibt und wie schwer die Corona-Krise die Region getroffen hat, lesen Sie auf der zweiten Seite.

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