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Tierquälerei in Zuliefererbetrieben für Westfleisch - Tierrechtsverein veröffentlicht grausames Bildmaterial aus sechs Schweinemastbetrieben 
Foto: Tierretter e.V.
Thema der Woche

Tierschützer stellen Landwirte an den Pranger

Sonntag, 22. Oktober 2017 von Franz Purucker

Schweine mit angebissenen Ohren, blutigen Schwänzen und entzündeten Augen, dazwischen liegen tote Tiere. Die Bilder der Tierschutzorganisation Tierretter e.V. sind nichts für schwache Nerven.
Sie dokumentieren angeblich die Zustände in sechs Betrieben, die für Westfleisch Schweine liefern. Darunter sind zwei Höfe im NR-Land – einer aus Büren und einer aus Bad Wünnenberg.


Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL, ist schockiert über die Methoden: „Wir sind offen für Kritik. Wir haben nichts zu verstecken.“ Allerdings: „Bei uns nachts einzubrechen, ist eine Zumutung. Sie wollen auch nicht, dass ich nachts Ihre Wohnung durchwühle.“
Er habe vor allem Angst um seine Tiere. Die Tierschützer brechen in der Regel nachts in die Gehege ein und machen Film- und Fotoaufnahmen.
Beringmeier hat Sorge, dass die Tierschützer dabei Krankheiten in die Ställe einschleppen. Jeder Besucher muss sich gemäß den Auflagen des Veterinäramtes mit einem Ganzkörper-Overall bekleiden, wenn er die Ställe aufsucht. Wenn die Aktivisten aus dem Wald kämen, würden sie Keime – etwa von Wildschweinen – einschleppen.
Christian Adam von Tierretter e.V. weist diese Vorwürfe zurück: „Wir betreten die Ställe nur mit Hygienevollschutz.“ Dies sei auch auf den Videos zu sehen. Darüberhinaus weist Adam darauf hin, dass sein Verein auch die legalen Haltebedingungen kritisiert und sich für den völligen Verzicht auf Nutztierhaltung einsetze.

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„Etwa ein Prozent der Tiere stirbt im Stall“

„Die Tierretter nutzen das Leid der Tiere für die eigenen Ziele aus“, kritisiert Herbert Nagel, Fachtierarzt für Schweine in der Geseker Praxis Vivet Tiermediziner, die Aktionen.
„Würde es den Aktivisten wirklich um das Tierwohl gehen, hätten sie am nächsten Tag Anzeige bei den Behörden erstattet und nicht wochenlang damit gewartet“, so Nagel.
Nicht alle Krankheitsbilder auf den Fotos ließen sich auf eine schlechte Haltung zurückführen. Die Striemen auf den Tierkörpern sind Kampfspuren von Rangeleien, so der Tiermediziner. Die Bindehautschwellungen könnten auf volle Güllebehälter hindeuten, aber auch von Virusinfektionen stammen. Für die blutenden Ohren – sogenannte Ohrrandnekrosen – gibt es viele Ursache, aber kein Gegenmittel. Diese Tiere müssten jedoch separiert werden, was in einigen Fällen auf den Bildern nicht passierte, so Nagel.
Teilweise zweifelt Hubertus Beringmeier an der Echtheit der Beweise: Ein Landwirt, bei dem Tierretter e.V. ein totes Tier gefunden hatte, habe ihm berichtet, dass dieses nicht von seinem Hof stamme, sondern wahrscheinlich von den Tierschützern mitgebracht worden sei.

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Lesen Sie auf Seite 2, warum sich nun staatliche Stellen einschalten und wie die zuständige Aufsichtsbehörde dazu steht.

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