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Foto: Franz Purucker
Hat einen Raum für sich alleine: Dieser Kater, gerade gegrault von Tierheimleiterin Karin Keuter, ist einer von wenigen, die das Paderborner Tierheim aktuell beherbergt. Die Boxen im Hintergrund sind aktuell alle leer.
Thema der Woche

Tierheime sind leer, aber die Sorgen groß

Samstag, 17. April 2021 von Franz Purucker

Insbesondere Büren war viele Jahre lang eine Katzenhochburg. „Als ich meinen Dienst vor neun Jahren begonnen habe, waren hier 200 Katzen“, sagt Sabine Mann, Leiterin des Lippstädter Tierheimes. Aktuell werden dort neun Katzen, sieben Hunde und zwölf Kaninchen beherbergt .

Im Paderborner Tierheim leben zurzeit 15 Hunde und 40 Katzen. In der Regel sind es mehr als doppelt so viele.
Die Tierschutzvereine haben mit Erfolg darauf gedrängt, eine Kastrationspflicht vorzuschreiben, die heute auch in Büren, Geseke, Salzkotten und auch Bad Wünnenberg gilt.

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Kommunen sind für Fundtiere zuständig

Auch die erhobene Hundesteuer hat den Tierbestand vernünftig reduziert, so Sabine Mann: „Insbesondere die Anlagehunde haben abgenommen.“

Heute wird für diese ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt. Das Lippstädter Tierheim ist damals mit 34 Hundezwingern gebaut worden, heute wird nur rund die Hälfte davon benötigt.

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Bei der Hundesteuer handelt es sich entgegen der landläufigen Meinung nicht um eine Gebühr, mit der die Kommunen Hundekotbeutel oder Auslaufwiesen finanziert, sondern um eine Lenkungsabgabe, um die Zahl der Hunde zu begrenzen.

Gleichzeitig hat die Gemeinde die Pflicht, Fundtiere aus ihrem Stadtgebiet aufzunehmen. Auch wenn das Veterinäramt oder andere Behörden Tiere beschlagnahmen, muss sich grundsätzlich die Kommune darum kümmern.
„Die Zahl beschlagnahmter Tiere ist den letzten Jahren sprunghaft angestiegen“, berichtet Karin Keuter. Darunter viele tragische Fälle wie ein Kaninchen, das im Kinderzimmer lebte und sich dort den Fuß gebrochen hatte, der inzwischen amputiert werden musste oder lange Zeit lang eingeschlossene Hunde – häufig ebenfalls Käufe aus dem Internet.

Daraus resultieren leider auch viele Hunde, die kaum erzogen wurden, schon gebissen haben und dadurch schwer vermittelbar sind. „Sonst hätten wir vielleicht aktuell keine Hunde mehr in der Vermittlung“, so Karin Keuter vom Paderborner Tierheim.

Wenn die Kommune kein eigenes Tierheim betreibt, schließen sie Verträge mit den Tierschutzvereinen, die gegen ein Entgelt diese Aufgabe übernehmen.

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Büren und Geseke zahlen an das Lippstädter Tierheim einen Euro pro Einwohner und Jahr. Salzkotten plant pro Jahr 20.000 Euro für das Paderborner Tierheim ein. Im Bad Wünnenberger Haushalt wird dies nicht explizit ausgewiesen.

Wichtige Einnahmen brechen weg

Viel wichtiger als die Gelder der Kommunen sind für die Vereine die Spenden und Veranstaltungseinnahmen. Beide Tierheime veranstalten regelmäßig kleine Feste, wo Waffeln und Getränke verkauft werden. „Wir haben das letzte Mal im März letztes Jahr gefeiert. Seitdem ist hier nichts mehr passiert“, berichtet Sabine Mann vom Lippstädter Tierheim. Auch die beliebten Feiern im Paderborner Tierheim fielen seitdem aus.

Hinzu kommt der aktuelle Corona-Effekt: Viele Mitglieder leiden in der Krise selbst unter finanziellen Einbußen und haben ihre Beiträge gekürzt.

Viel mehr als die finanzielle Komponente beschäftigt die Tierheime aber die Zeit nach der Pandemie. „Nach Corona wird es wieder voll“, so Keuter. Wenn die Leute wieder vom Home Office ins Büro müssen und die Kurzarbeit nachlässt, könnte so manches Tier zur Last werden, ergänzt Sabine Mann.

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Bei den eigenen Vermittlungen achten die Tierheime sehr genau darauf, dass sich die neuen Eigentümer langfristig Gedanken gemacht haben, wie sie das Tier versorgen wollen.

Die von den Tierheimen vermittelten Vierbeiner sind gechippt und registriert – ausgesetzte Fundtiere lassen sich also problemlos zuordnen.

Außerdem wird dabei auf eine nachhaltige Vermittlung geachtet, bei einigen Tieren vorher und zwischendurch das neue Zuhause angeschaut und genau darauf geachtet, ob das Tier zum neuen Besitzer passt.

Schutzgebühr bei Vermittlung

Viel mehr Sorgen machen die Internetverkäufe, wo die Nachverfolgung oft nicht gegeben ist und manchmal später auch die Kosten höher sind als vorher erwartet.

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Auch wer Tiere aus dem Tierheim aufnimmt, zahlt dafür einen kleinen Obolus – eine sogenannte Schutzgebühr: Im Paderborner Tierheim werden für Kleintiere 50 Euro fällig, Katzen kosten 100 Euro, Hunde 300 bis 350 Euro.
Reich wird das Tierheim dadurch aber nicht – ganz im Gegenteil. Eine gefundene Hündin, die nur 14 Tage im Tierheim untergebracht wird (meistens sind diese dort länger), kastriert, gechippt, entwurmt, zwei Mal geimpft und untersucht wird, verursacht damit Kosten von mehr als 700 Euro, rechnet das Paderborner Tierheim vor. Die Schutzgebühr ist deshalb eher als Kostenbeteiligung zu verstehen.

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