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Foto: Franz Purucker
Hat einen Raum für sich alleine: Dieser Kater, gerade gegrault von Tierheimleiterin Karin Keuter, ist einer von wenigen, die das Paderborner Tierheim aktuell beherbergt. Die Boxen im Hintergrund sind aktuell alle leer.
Thema der Woche

Tierheime sind leer, aber die Sorgen groß

Samstag, 17. April 2021 von Franz Purucker

In Krisenzeiten wie jetzt sind Tiere oft emotionale Stützen. Viele träumen von einem vierbeinigen Begleiter. Davon profitieren einerseits die Tierheime, die so leer sind wie seit Jahren nicht mehr.
Anderseits nutzen dies auch skrupellose Geschäftemacher: Massenhaft werden Tiere über Internetplattformen gehandelt. Schnell endet der Tierkauf aber wieder beim Tierheim und im schlimmsten Fall sogar vor Gericht.

Für vierstellige Beträge werden Welpen und einige ausgewachsene Hunde bei Ebay-Kleinanzeigen gehandelt. In wenigen Fällen steht im Text dabei, dass die Tiere weder geimpft noch registriert sind. Ein Sachverhalt, der hohe Folgekosten und sogar Strafen nach sich ziehen kann.

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Allein die nötigen Impfungen kosten mehr als 120 Euro, hinzu kommt die Kastration, die zwischen 200 und 300 Euro kostet.

In vielen Fällen ist der Welpenhandel illegal. Wer gewerblich damit handelt, benötigt nämlich eine Erlaubnis des Veterinäramtes.

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„Der illegale Handel ist ein skrupelloses Millionengeschäft auf Kosten der Tiere: Die Welpen werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt und stundenlang eng zusammengepfercht und wild gemischt zu ihren europäischen Zielorten gekarrt“, erläutert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
NR-Recherchen zeigen, dass viele Hunde aus Osteuropa stammen, mit mitleiderregenden Bildern im Netz angeboten werden und an Autobahnraststätten oder Parkplätzen übergeben werden.

„Keiner kennt die Vorgeschichte des Tieres. Lebte das Tier lange in Angst, hat es gefährliche Erkrankungen oder schlechte Erfahrungen mit Kindern?“, fragt Karin Keuter, Leiterin des Paderborner Tierheims, zuständig für die Kommunen Salzkotten und Bad Wünnenberg.

Das Erwachen kommt dann häufig beim Tierarzt: Fehlen wichtige Impfungen und ist die Herkunft unklar, wird das Veterinäramt eingeschaltet.

„Bei uns kommen die Tiere dann zunächst in Quarantäne, werden geimpft, entfloht und untersucht!“, so Sabine Mann, Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Lippstadt, der das Lippstädter Tierheim betreibt, wohin gefundene oder auf Amtswegen beschlagnahmte Tiere aus Büren und Geseke kommen. Die Kosten – oft im hohen dreistelligen Bereich – werden dem Eigentümer auferlegt.

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Das Gesetz schreibt eine gültige Tollwut-Impfung, einen eingesetzten Mikrochip und einen EU-Heimtier­ausweis für importierte Tiere vor. Von den Wünschen nach tierischen Begleitern profitieren die Tierheime jedoch auch. „Wir hatten noch nie so wenige Tiere hier“, sagt Karin Keuter weiter. Viele Gehege und Boxen sind leer. In den Hundezwingern befinden sich nur noch schwer vermittelbare Vierbeiner.

Die Tierheime sind wegen der Corona-Pandemie für Besucher gesperrt. Die Vermittlung findet weitgehend über das Internet statt, wo alle Tiere detailliert aufgeführt sind, und per Telefon.

Viele Haushalte, die sich nach dem Sommerurlaub einen Hund zulegen wollten, haben dieses Vorhaben vorgezogen, berichtet Keuter weiter. Auch viele Katzen haben ein neues zu Hause gefunden, sodass auch hier der Bestand so niedrig ist wie nie zuvor.

Wobei die Ursache dafür nicht nur in der Corona-Pandemie zu suchen ist, wie das Lippstädter Tierheim berichtet.

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Warum die Katzenbestände sinken, weshalb den Tierheimen aktuell wichtige Einnahmequellen wegfallen, wie sie den Blick in die Zukunft bewerten und wer für Fundtiere zuständig ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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