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Foto: Tafel Deutschland/gettyimages
Ausgabe bei einer Tafel: Ehrenamtliche Helfer versorgen Bedürftige mit gespendeten Lebensmitteln.
NR-Land

Tafeln im NR-Land versorgen immer mehr Menschen

Samstag, 30. Juli 2022 von Marco Schreiber

Am Monatsende ist bei vielen Menschen das Geld knapp. Bei der Speisekammer Büren wird dann die Schlange an der Ausgabe immer länger. „Wir versorgen jede Woche etwa 180 bis 190 Menschen“, sagt Leiterin Ingrid Bischof. Damit hat sich die Zahl der Bedürftigen seit Beginn des Krieges in der Ukraine mehr als verdoppelt. 

Um den Andrang zu bewältigen, wird die Ausgabe am Dienstag zweigeteilt. „Morgens kommen unsere alten Kunden, danach die Ukrainer“, sagt Bischof. Dabei werden die Vorräte so verteilt, dass auch der Letzte noch etwas bekommt. Außerdem wird im Rollverfahren verteilt – „der Erste ist auch mal der Letzte, der bedient wird“.

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Jüngere Helfer werden gesucht

Die Menge der Spenden von Bäckern und Discountern sowie aus zugekauften Waren macht Bischof wenig Sorgen. Wobei sich unter dem noch frischen Obst und Gemüse oft verdorbene Ware befinde, die teuer entsorgt werden muss. Es ist das Alter der ehrenamtlichen Helfer und die fehlende Bereitschaft jüngerer Menschen, sich für eine gute Sache einzusetzen.  „Wir sind alle zwischen 70 und 80 Jahre alt“, sagt Bischof, die selbst bereits 83 ist. 

Alle sechs Wochen sind die circa 40 Helfer in Büren im Einsatz, aufgeteilt in sechs Vierergruppen. Montags wird die Ware von den Fahrern abgeholt und am Nachmittag sortiert. „Eine körperliche und auch schmutzige Arbeit, wenn wir die welken Salatköpfe und die verfaulten Kartoffeln aussortieren müssen“, erzählt Bischof. Auch vor der Ausgabe am Dienstag sei noch viel zu tun, so dass der Tag für die Helfer schon frühmorgens beginnt.

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In Salzkotten kommen die ersten Abholer am Donnerstagnachmittag zur Speisenkammer. Dort erwarten sie meist acht der 24 ehrenamtlichen Helfer und geben die Waren aus – Bäckerbrot, Aufbackbrötchen, Milch, Tiefkühlkost, was gerade da ist. Weil auch hier seit einem Vierteljahr mehr Menschen kommen als sonst, wird mehr zugekauft, berichtet Dietmar Schaudt. Der 79-Jährige ist seit der Gründung der Speisenkammer vor 14 Jahren mit dabei und kümmert sich jetzt meist um die Kasse. „Erwachsene zahlen zwei, Kinder einen Euro je Einkauf“, sagt Schaudt. 

Das Geld werde nicht nur für die Zukäufe benötigt. „Wir bezahlen alles selbst“, so Schaudt – die Miete samt aller laufenden Kosten, die Versicherung für den Kleintransporter, mit dem die Waren abgeholt werden, den Sprit. 

Tafel ist nicht gleich Speisekammer

Hinter der Speisenkammer Salzkotten und der Speisekammer Büren stehen als Träger die örtlichen Caritaskonferenzen. Ebenso wie bei der Speisekammer Bad Wünnenberg haben sich die Gründer bewusst gegen den Anschluss an die Tafel entschieden.   

„Bei den Tafeln darf nichts zugekauft werden, es werden nur gespendete Lebensmittel verteilt“, erklärt Claudia Kruse, die als Koordinatorin für Caritas beim Caritasverband Büren für ehrenamtliche Arbeit zuständig ist. „Bei uns stand der Bedarf der Menschen im Vordergrund, der nicht allein aus Lebensmittelspenden gedeckt werden kann“, ergänzt Schaudt.

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Deshalb ist man in Salzkotten wie auch in Büren und in Bad Wünnenberg auch auf Geldspenden angewiesen. 

Die Waren müssen auch in Bad Wünnenberg für immer mehr Menschen reichen. „Wir haben auch dort seit dem Ukrainekrieg ein wesentlich größeres Aufkommen“, sagt Koordinatorin Kruse. Dabei sagt die Zahl der Berechtigungsscheine, die von den Städten für die Bedürftigen ausgestellt werden, wenig über die Zahl der Menschen, die damit tatsächlich von der Speisenkammer versorgt werden.  „Es ist ein Vielfaches“, sagt Dietmar Schaudt. Der Inhaber des Ausweises kauft auch für Ehepartner und Kinder ein. „Wir versorgen also etwa 500 Kinder und Erwachsene.“ 

Helfer kämpfen mit verschiedenen Problemen

In Geseke werden an den beiden Einkaufstagen jeweils 40 bis 45 Familien versorgt, sagt Willi Pieper, der hauptamtlich für die Tafel Geseke arbeitet. „Das entspricht jeweils rund 150 Menschen, die auf Nahrungsmittel angewiesen sind.“ 

Auch hier sei die Zahl der Empfänger deutlich gestiegen. Um den dadurch ebenfalls gestiegenen Arbeitsaufwand bewältigen zu können, „könnten wir weitere Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer gerade jetzt echt gut gebrauchen“, sagt Pieper.

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In Salzkotten hingegen suchen die Ehrenamtlichen nach einer festen Bleibe für die Speisenkammer. Innerhalb von zwei Jahren ist die Einrichtung viermal umgezogen und jetzt auf dem Gelände der Franziskanerinnen gelandet. Doch auch das ist keine Dauerlösung. Schaudt. „Das ist auch nur für ein Jahr.“

Während die Tafeln und Speisekammern im NR-Land also noch ganz gut über die Runden kommen, stehen die Einrichtungen in anderen Landesteilen  vor größeren Problemen. Auf eine Kurzumfrage des Ministeriums für Verbraucherschutz und Soziales NRW haben nach Angaben der Landesregierung kürzlich von 174 Tafeln insgesamt 36 reagiert. 

Von diesen 36 Tafeln hätten 27 einen Aufnahmestopp gemeldet. Die anderen neun strecken demnach bei der Verteilung die Lebensmittel – die Bedürftigen werden entweder seltener versorgt oder insgesamt bekommen weniger.

     

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