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Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Kein Platz am Tisch oder keinen Kleiderhaken für das Kind wegen Überbelegung der Einrichtung - in den Kitas der Region ist das eher die Regel als die Ausnahme. Eltern sind aber froh, wenn sie überhaupt einen Betreuungsplatz bekommen.
Thema der Woche

So viele Kitaplätze fehlen in der Region und das sind die Gründe dafür

Montag, 14. März 2022 von Franz Purucker


Nicht nur steigende Geburtenzahlen vergrößern jedes Jahr den Bedarf an Betreuungsplätzen, sondern zwei weitere Faktoren: Ersten gehen Kinder immer früher in die Kita, was insbesondere im Bereich der Unter-Dreijährigen zu einer massiven Steigerung führt. So gab es im Kita-Jahr 2008/2009 im Kreis Paderborn 464 Plätze für diese Kinder. Für das im Sommer beginnende Kita-Jahr stehen dafür 1.999 Plätze zur Verfügung. Weitere 346 Plätze bieten Tagesmütter an. Damit lassen sich aber lediglich 49 Prozent der Kinder betreuen.


In Bad Wünnenberg und Salzkotten ist der Betreuungsbedarf an Ein- und Zweijährigen kreisweit am größten und wird wohl weiter steigen. So heißt es in der Kita-Bedarfsplanung: „Auffällig ist, dass die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für unter Dreijährige weiterhin steigt.“
Etwa sieben Prozent der Kinder werden von Tagesmüttern betreut, was für alle Kinder unter drei Jahren möglich ist. Auch hier ist die Platzanzahl stark gestiegen 2008/2009 gab es kreisweit nur 23 Plätze, heute sind es 275.

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Der Kreis Paderborn stellt aber fest, dass es zunehmend schwieriger wird, Personal zu gewinnen, was unter anderen an der höheren Anforderung für die Qualifizierung liegt. Egal ob in Kitas oder in der Kindertagespflege – der Fachkräftemangel verschärft sich immer weiter.

Zweitens: Die Eltern buchen immer größere Stundenkontingente, was sich besonders im Kreis Paderborn zeigt. Im Kitajahr 2008/2009 entschieden sich dort mit 74 Prozent die meisten Eltern für einen 35-Stundenplatz. Eine Ganztagsbetreuung (45 Stunden) nutzte damals nur etwa jedes fünfte Kind.
Für das nun anstehende Kindergartenjahr ist es genau andersrum: 63 Prozent der Eltern nutzen die Ganztagsbetreuung, 27 Prozent einen 35-Stunden-Platz und 10 Prozent einen 25-Stundenplatz.

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Mögliche Kita-Alternative: Die Kindertagespflege der Tagesmütter Annette Hagel(links) und Elke Hammerschmidt in Büren-Brenken, mit den Kindern Mia (2), Anni (2), Matthis (2) und Leo (2).

In Geseke nutzen 44 Prozent der Eltern einen 45-Stunden-Platz, 41 Prozent lassen ihr Kind 35 Stunden betreuen und 16 Prozent nur 25 Stunden.

Das Land NRW hat im vergangenen Kita-Jahr zusätzlich ein Förderprogramm aufgelegt, um flexiblere Öffnungszeiten zu fördern, welches unter anderem der Kreis Paderborn in Anspruch genommen hat und auch im neuen Kita-Jahr nutzen wird.
Darunter zählt die flexible Öffnung über die reguläre Öffnungszeit hinaus. Wenn Eltern also an einem Tag pro Woche bis 18 Uhr arbeiten müssen, wird die Betreuung auch für ein einzelnes Kind bis dahin verlängert. Die maximale Betreuungszeit von 45 Wochenstunden und neun Stunden täglich darf dabei aber nicht überschritten werden.

Die Gelder werden auch ausgezahlt, wenn Kitas die Zahl der Schließtage auf 15 oder weniger reduzieren oder ihre Öffnungszeiten auf mehr als 47 Stunden ausdehnen.

Gerade an Letzterem gibt es laut einer Elternumfrage des Kreises Paderborn vom September des Vorjahres einen hohen Bedarf: So gaben 28 Prozent der Eltern an, dass die Kita-Öffnungszeit nicht ihrem Bedarf entspricht. Ein sehr großer Teil könnte abgedeckt werden, wenn die Kitas von 7 bis 17 Uhr öffnen würden. Die Standartöffnungszeit ist von 7.30 Uhr bis 16 Uhr. Nur 13 Prozent der Eltern gaben an, dass die gebuchte Betreuungszeit ausreicht. Auch interessant: 16 Prozent der Befragten würden bei längeren Öffnungszeiten mehr arbeiten.

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Nicht nur der Bedarf an Betreuungsplätzen steigt seit Jahren, sondern auch die Gebühr, die Eltern für die Betreuung zahlen müssen. Diese ist in den Kreisen Paderborn und Soest nach Einkommen gestaffelt. Der Kreis Paderborn hat diese zuletzt 2019 angehoben. Der Kreis Soest erhöht die Beiträge jedes Jahr automatisch und belastet Eltern damit gleich doppelt. Die Logik hinter der Anhebung ist die Annahme, dass die Einkommen jedes Jahr steigen.

Kitagebühren im Vergleich

Monatlicher Kita-Beitrag für ein Kind unter drei Jahren mit einer Betreuungszeit von 45 Stunden pro Woche.

Kita Gebühren im VergleichKreis PaderbornKreis Soest
bis 30.000 Eurokostenfrei137,98 Euro
bis 50.000 Euro243 Euro244,11 Euro
bis 75.000 Euro387 Euro392,70 Euro
bis 100.000 Euro503 Euro488,23 Euro

Wenn Eltern aber mehr verdienen, rutschen sie in eine höhere Einkommensgruppe und müssen trotzdem durch die automatisierte Gebührensteigerung mehr zahlen.

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