arrow_back
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Kein Platz am Tisch oder keinen Kleiderhaken für das Kind wegen Überbelegung der Einrichtung - in den Kitas der Region ist das eher die Regel als die Ausnahme. Eltern sind aber froh, wenn sie überhaupt einen Betreuungsplatz bekommen.
Thema der Woche

So viele Kitaplätze fehlen in der Region und das sind die Gründe dafür

Montag, 14. März 2022 von Franz Purucker

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Gleichstellung von Mann und Frau sind inzwischen fester Bestandteil fast aller Parteiprogramme. Wie weit Theorie und Praxis voneinander entfernt liegen, zeigen die nun vorgestellten Kita-Bedarfspläne – zumindest wenn man die Zahlen genau liest.

Am dramatischsten ist die Lage in Geseke. Hier fehlen im Kita-Jahr 2022/2023 insgesamt 225 Kitaplätze, darunter 127 für Kinder unter drei Jahren. Neue Wohngebiete, die in Geseke gerade entwickelt werden, sind in dieser Planung noch gar nicht berücksichtigt.

Anzeige

Der Mangel besteht, obwohl bereits fleißig gebaut wird. In der Mühlenstraße wurden Büroräume kurzfristig zu einer Kita umgebaut, bis die eigentliche Kita fertiggestellt wird. Bis Sommer 2023 gibt es zur Entlastung zudem die „Kita Strolchhausen“. Neue Gruppen gibt es bei der Kita „Landkinder Mönninghausen“ und im katholischen Kindergarten St. Barbara in Langeneicke. Vier Kitas werden neugebaut oder sollen erweitert werden.

Seit 2013 besteht ein Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Eltern können also theoretisch den Kreis als zuständige Behörde verklagen. Die Aussicht auf Erfolg ist groß, jedoch wird der Kreis in erster Konsequenz auf Plätze in Nachbarkommunen verweisen, sofern es dort Plätze gibt.

Anzeige

Im Kreis Paderborn scheint die Lage entspannter zu sein. In der Kitabedarfsplanung heißt es dort „Die Über-Dreijährigen Kinder können zu 99 Prozent betreut werden.“ Das heißt: „In Einzelfällen müssen Kinder abgewiesen werden oder andere Einrichtungen besuchen“, so der Kreis. Was dort „Einzelfall“ genannt wird, betrifft aber immerhin ein Prozent der Kinder oder in Zahlen 52 Mädchen und Jungen für die es keinen Platz gibt und das allein bei den Über-Dreijährigen.

Zur Wahrheit gehört außerdem, dass selbst die vorhandene Betreuung nur durch sogenannte Zusatzplätze und Provisorien sichergestellt werden kann: Genau genommen fehlen in Bad Wünnenberg 2,5 Gruppen, in Büren 3,5 Gruppen und in Salzkotten sogar 4,5 Gruppen.

„Zusatzplätze“ heißt nichts anderes als eine Überbelegung, die mit bis zu zwei Kindern pro Gruppe rechtlich erlaubt ist. Das heißt aber in der Praxis: Für diese Kinder gibt es unter Umständen keinen Kleiderhaken oder es fehlt ein Sitzplatz am Tisch.

Dass die Planung überhaupt funktioniert, liegt überwiegend an den Eltern selbst – das muss auch der Kreis Paderborn zugeben: „Viele warten auf die nächste Möglichkeit der Aufnahme durch einen frei werdenden Platz oder auch bis zum nächsten Kindergarten-Jahr“, heißt es in der Vorlage.

Anzeige

In der Praxis verzichten diese Eltern ein Jahr auf den Kitaplatz – was dazu führt, das ein Elternteil zu Hause bleibt – genau das Gegenteil der angestrebten Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Im Kreis Paderborn sind im Sommer des Vorjahres zwei neue Kitas an den Start gegangen, darunter eine im NR-Land – nämlich die Kita „Kleine Helden“ in Salzkotten. Vier Kitas befinden sich in der Bau- oder Planungsphase, davon eine im NR-Gebiet – nämlich vom Kreissportbund Paderborn für den Bereich Niedern- und Oberntudorf.

Wie sich die Kitabetreuung in Sachen Betreuungszeit verändert, warum Eltern immer mehr für ihren Kitaplatz zahlen und warum sowohl Kitas als auch Kindertagespflege zunehmend mit einem großen Problem zu kämpfen haben, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Nächste Seite
AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail