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Ein Arzt nimmt einer Patientin mit einem Stäbchen eine Probe ab.
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Fünf bis zehn Abstriche täglich werden allein in der Praxis von Dr. Thomas Bandorski in Bad Wünnenberg-Haaren täglich genommen.
Thema der Woche

So sieht der Alltag in einer Corona-Testpraxis aus

Samstag, 10. Oktober 2020 von Franz Purucker

Wenn die reguläre Sprechstunde endet, zieht Dr. Thomas Bandorski, der eine Hausarztpraxis in Bad Wünnenberg-Haaren betreibt, seinen Vollschutzanzug und Maske an. Nun werden sogenannte symptomatische Patienten auf das Corona-Virus getestet – also alle diejenigen, die entsprechende Symptome wie Fieber, Geschmacksverlust sowie Kopf- und Gliederschmerzen zeigen.

Die Patienten haben zuvor telefonisch oder in der Videosprechstunde einen Termin erhalten und müssen vor dem Gebäude warten, bis sie an der Reihe sind. Wer ohne Termin kommt, wird wieder nach Hause geschickt.
In der aktuell beginnenden Erkältungszeit werden die sowieso schon vollen Arztpraxen noch voller.

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Getestet und untersucht wird in einem gesonderten Raum. Fünf bis zehn Abstriche werden hier täglich genommen – aber nicht alle unter Vollschutzmontur.

Es gibt auch die sogenannten asymptomatischen Patienten, so Bandorski. Dazu zählen unter anderem Lehrer und Kita-Erzieher, die sich bislang alle zwei Wochen auf das Virus testen lassen konnten. 500 solcher Abstriche wurden in der Haarener Praxis durchgeführt – ein positiver Fall war darunter. Eine Betroffene stand zum Glück noch am Anfang der Erkrankung und hat wohl niemanden weiter angesteckt.

Solche Reihenuntersuchungen sieht Bandorski trotzdem kritisch. Die Tests sind teuer und aufwendig. Nach dem Abstrich wird die Probe in das Paderborner Labor LADR geschickt und dort mit einem speziellen Testverfahren mit verschiedenen Flüssigkeiten gemischt, die dann das Ergebnis zeigen.

In der Regel warten die Patienten zwei Tage auf das Ergebnis, welches über die Corona-Warnapp oder per Telefon mitgeteilt wird. Viel Hoffnung setzt Bandorski in einen neuen Corona-Schnelltest, der ohne Labor auskommt. Das Gerät zeigt innerhalb von 30 Minuten das Ergebnis an, ist aber mit einer höheren Fehlerquote unzuverlässiger. „Wenn wir zehn Lehrer einer Schule damit testen und ein Lehrer wird trotz Corona-Erkrankung von dem Gerät als negativ ausgewiesen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass zumindest bei einem der Kollegen ebenfalls ein positives Testergebnis herauskommt.“

Dann werden, wie aktuell auch schon, alle Kontaktpersonen, also auch die Lehrerkollegen, in Quarantäne geschickt und getestet. Das Warten auf das Testergebnis kostet viel Geld: Aktuell müssen sich zum Beispiel alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten testen lassen und bis zum negativen Ergebnis in Quarantäne bleiben – können also oft nicht arbeiten. Den Test bezahlt die Krankenkasse. Aktuell besteht eine Testpflicht innerhalb von 72 Stunden nach Einreise, was Bandorski für wenig sinnvoll hält. „Bis die Krankheit ausbricht, dauert es fünf Tage – viele könnten also einen negativen Test erhalten, obwohl sie infiziert sind.“

Kosten für privaten Test sind dreistellig

Getestet werden auch Senioren, die ins Heim ziehen, Krankenhauspatienten vor der stationären Aufnahme und Personen, denen in der Corona-Warnapp ein Risikokontakt angezeigt wird. Letzteres gab es in der Haarener Praxis erst einmal – der Test war aber negativ.
Dass nicht alle Arztpraxen Corona-Tests durchführten liegt daran, dass Ärzte selbst fürchten, sich anzustecken, oder an der Ausstattung. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Preise für Schutzausrüstung stark gestiegen. Eine Packung Einweghandschuhe kostete sechs Euro – nun schwanken die Preise zwischen 12 und 15 Euro, nennt Bandorski ein Beispiel.

Wer den Test nur für sich – also ohne einen der genannten Hintergründe durchführen will, muss privat zahlen, und zwar 140 Euro für das Labor und rund 30 bis 40 Euro für den Arzt. Einige international agierende Firmen aus Bad Wünnenberg kommen trotz der Kosten regelmäßig zum Testen, da ihre Mitarbeiter sonst die Einreise, etwa in die USA, verweigert wird.

Drei große Feiern – und der Kreis ist Risikogebiet

Selber zahlen müssen auch Urlauber innerhalb Deutschlands, die in einem Risikogebiet wohnen. Die Kreise Paderborn und Soest sind aktuell weit vom Grenzwert entfernt (Erklärung dazu neben der Karte unten links) – doch das kann sich rasch ändern. „Wenn sich auf einer Hochzeit mit 120 Teilnehmern nur die Hälfte infiziert – sind das 60 Neuinfektionen“, so Bandorski. Drei solcher Hotspots im Kreis Paderborn oder Soest – und der Grenzwert ist erreicht. Wie viele Feiern für dieses Wochenende gemeldet sind, lesen Sie in unserem Beitrag dazu hier.

 Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe hat für den Fall, dass die Notfallpraxen wie in Büren zu voll werden, bestimmte Praxen genannt, die in diesem Fall eine Infektionssprechstunde am Samstag anbieten.

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