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KInd hält einen Corona Antigen-Schnelltest in der Hand
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Stolz zeigt ein Mädchen ihren negativen Corona-Schnelltest (ein Strich) in die Kamera. Viele Eltern haben Sorge, dass ihr Kind bei einem positiven Befund (wären zwei Striche) ausgeschlossen wird. Doch das ist oft nicht der einzige Grund, der Eltern besorgt.
Thema der Woche

So läuft der Wechelunterricht an Schulen ab und darum lehnen Eltern die Testpflicht ab

Samstag, 24. April 2021 von Franz Purucker

(Fortsetzung von Seite 1)

Die erste Stunde ist quasi „Corona-Test“. Jeder Schüler packt das Teststäbchen aus, bohrt damit in beiden Nasenlöchern und packt das Stäbchen in eine vom Lehrer ausgegebene Flüssigkeit, um dann am Testapparat das Ergebnis ablesen zu können. „Wenn es gut und zügig geht, schaffen wir es in einer halben Stunde“, beschreibt Wolfgang Marienfeld das Testprozedere an der Salzkottener Gesamtschule.

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Aktuell kommen die Schüler in zwei Gruppen, einmal Montag bis Mittwoch und Donnerstag bis Freitag, in der Woche danach wird getauscht. In der Zeit zu Hause gibt es Aufgaben.

„In den Klassenzimmern halten wir Abstand ein und tragen Masken. Der Unterricht ist sicher“, ist Marienfeld überzeugt: Was nach der Schule ist, können die Lehrer nicht kontrollieren.

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iPads gehören wie früher die Federmappen dazu

Ipads gehören heute wie früher die Federmappen zur Grundausstattung. In der Oberstufe der Gesamtschule haben Eltern die Geräte gekauft oder gemietet. Die Stadt Salzkotten als Träger hat die Klassenzimmer mit smarten Tafeln und Bildschirmen ausgestattet. Selbst Prüfungen mit dem iPad sind möglich, indem der Zugriff vom Internet für die Zeit gesperrt wird, während das digitale Wörterbuch oder der Taschenrechner weiter benutzt werden können. „Wir haben einen engagierten Kollegen im Haus – ohne den wäre das nicht möglich.“

Besonders hart betrifft die Corona-Lage die Schüler der Klasse 9, die jetzt ihr Berufspraktikum absolvieren sollen. 40 Prozent haben pandemiebedingt keinen Platz gefunden.

Der 15-jährige Sohn von Mutter Katharina Stelbrink hatte Glück, schnuppert nun drei Wochen im Beruf des Dachdeckers. Die eintägigen Praktika sind jedoch ausgefallen. Die zweifache Mutter fürchtet, dass es die Schüler schwerer bei der Berufswahl haben werden, weil sie keine Möglichkeiten hatten, in Berufsfelder zu schnuppern.
Die Salzkottenerin arbeitet selbst als stellvertretende Leiterin in einer Kita und erlebt beide Seiten mit. Ihre zehn Jahre alte Tochter besuchte die Notbetreuung, weil die Mutter arbeiten muss. „Man will die Arbeitskollegen auch nicht im Stich lassen. An manchen Tagen ist die Organisation des Alltags trotz gutem Rückhalt des Arbeitgebers schwierig.“ Die Leidtragenden wären dann wohl die Eltern.

Der Testpflicht steht sie offen gegenüber: „Lieber Testen als geschlossene Schulen und Kitas.“
Vater Dominik Nolte hat seinem achtjährigen Sohn die Wahl gelassen. „Die Bevormundung durch den Staat“, der die Tests vorschreibt, sieht der 48-Jährige kritisch: „Der Staat traut mir nicht zu, dass ich den Test ordnungsgemäß bei meinem Sohn zu Hause durchführe.“

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Allerdings lobt der Salzkottener die Montessori-Schule, die extra Rollenspiele auf die Beine gestellt haben, um Schülern die Tests näher zu bringen und Stigmatisierung zu verhindern.
Sein Sohn hat in den Test eingewilligt, weil er die Vorteile des Präsenzunterrichts sieht.

Auch Ulrich Ledwinka, Schulleiter am Geseker Antonianum, gibt zu: „Wer nicht am Präsenzunterricht teilnimmt, ist benachteiligt.“ Es handelt sich um wenige Einzelfälle, die alle zu Hause vom Lehrer betreut werden und keine unentschuldigten Fehltage erhalten. Manche Erklärung oder ein Schülerexperiment gehen in Präsenz besser.
Wobei auch hier Videokonferenzen und Schule von zu Hause längst Alltag sind. Für die Lehrer ist das eine Umstellung:

„Wir sind ja für den Präsenzunterricht ausgebildet, haben uns aber an die Onlinearbeit gewöhnt“, so der Geseker. Inzwischen muss der ganze Unterricht auf Neue Medien geplant werden.

Auch in Geseke lernt die Hälfte der Schüler jeweils zu Hause, der andere Teil in der Schule. Nur die Abschlussklassen sind durchgängig vor Ort. Sie ziehen das Homeschooling dem Wechselunterricht sogar vor: „Wir haben das evaluieren lassen: Dann ist Distanzunterricht effektiver“, so Ledwinka. Beim Hybrid-Modell müssen die Lehrer zweigleisig fahren und auch die Schüler zuhause betreuen: „In der neunten Klasse muss ich jeden Schüler einzeln anrufen, während ich im Unterricht einfach von Tisch zu Tisch laufe.“

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Durch die kleineren Kurse sind in der Oberstufe manche Fächer sogar komplett wieder an der Schule, andere werden auf zwei Räume verteilt. Für Abschlussklassen ist diese Ausnahmeregelung erlaubt.
Während es für den Präsenzunterricht inzwischen eine bundesweite Testpflicht gibt, sind Prüfungen auch ohne möglich. Wer sich testen lässt, geht sogar ein Risiko ein: Positiv getestete Schüler müssen die Abiprüfung zum Nachschreibetermin ablegen. Ledwinka ist froh, dass alle 145 Geseker Abiturienten sich testen lassen wollen.

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