arrow_back
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Die Labore sind mit Corona-Tests gut ausgelastet.
Thema der Woche

So ist die Region auf Corona-Infektionen vorbereitet

Samstag, 7. März 2020 von Franz Purucker

Sieben Personen befinden sich seit vergangenem Wochenende im Kreis Paderborn wegen Corona-Verdacht in Quarantäne, darunter eine Familie aus Büren. Das Liebfrauengymnasium und die Grundschule Harth waren drei Tage lang geschlossen. Inzwischen liegen Testergebnisse vor – alle Betroffenen sind nicht infiziert. Trotzdem ist die Region in Alarmbereitschaft und bereitet sich auf neue Infektionen vor. Wir haben mit Gesundheitsamt, Krankenhäusern und Flughafen gesprochen.

Bereits Anfang Februar gab es im Lippstädter Dreifaltigkeitshospital einen Corona-Verdachtsfall, der sich nicht bestätigte. Das Geseker Krankenhaus ist ein Tochtergesellschaft des Lippstädter Krankenhauses und auf mögliche Infektionen vorbereitet: „Wir haben eine extra Kommission mit der Geschäftsführung, der ärztlichen Direktion, der Pflegedirektion und den Hygieneverantwortlichen eingerichtet“, so Krankenhaussprecher Matthias Gerlach.

Anzeige

„Ein Corona-Test soll grundsätzlich vom Hausarzt durchgeführt werden. In besonders schweren Fällen rückt der Rettungsdienst an, der über spezielle Schutzkleidung verfügt und die Person ins Krankenhaus bringt“, erklärt die Amtsärztin des Kreises Paderborn, Dr. Kirsten-Wiebke Jensen. Aber: „Menschen mit Schnupfen gehören nicht in eine Notaufnahme. Dort blockieren sie wertvolle Kapazitäten.“

Krankenhaus in Salzkotten kann Corona-Infizierte aufnehmen

Das Salzkottener Krankenhaus kann Corona-Infizierte aufnehmen. Dazu steht eine frisch renovierte Station für die Versorgung von potenziellen Patienten mit einer Corona-Infektion zur Verfügung. Zurzeit wird diese  noch nicht für andere Bereiche genutzt, sodass im Falle mehrere Corona-Erkrankte die Station kurzfristig als Isolierstation umfunktioniert werden kann.

Anzeige

Die komplette Station wird nun bis auf Weiteres für potenzielle Infizierte freigehalten. Das Fachpersonal wäre für diesen Fall kurzfristig einsetzbar.

Eine spezielle Isolierstation für Corona-Erkrankte gibt es im St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn. Diese sind noch weiter spezialisiert: „Jedes der Zimmer ist mit einer vorgelagerten Hygieneschleuse ausgestattet, in der sich die Mitarbeiter für die Versorgung infektiöser Patienten umziehen und desinfizieren können, bevor sie das Patientenzimmer betreten. Im Alltagsbetrieb ist die Isolierstation eine normale Station“, erklärt Dr. Martin Baur, stellv. Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Vincenz-Krankenhauses. Diese würde dann kurzfristig zur Isolierstation werden.

Corona-Infizierte werden isloiert behandelt – beispielsweise im Salzkottener Krankenhaus. Im Foto ist die Anmeldung in Bielefeld zu sehen. Foto: Purucker

Entsprechende Verdachtsfälle werden nach Einlieferung mit einem Mund-Nase-Schutz und Schutzkleidung ausgestattet und umgehend isoliert. Danach erfolgen der Abstrich und die Meldung des Verdachtsfalls an das Gesundheitsamt.

Die St. Vincenz Krankenhaus Gesellschaft, zu der auch das Salzkottener Krankenhaus gehört, hatte auf Lieferengpässe bei Mundschutz und Einmal-Schutzkleidung mit Besucherbeschränkungen reagiert. Da die notwendige Schutzkleidung gegen Grippe- und mögliche Corona-Fälle derzeit zwingend von den Ärzten und Pflegefachkräften benötigt werden, wurde die Besuchsmöglichkeit von Patienten auf Ausnahmen beschränkt, etwa für Eltern, die ihre Kinder besuchen wollen.

Anzeige
Gründliches Händewaschen hilft, die Verbreitung von Viren und Bakterien zu verlangsamen. Desinfektion ist eine gute Ergänzung. Foto: Pixabay

Auch der Flughafen in Büren-Ahden hat reagiert und informiert Reisende mit Palakten über das neue Virus. Ein Corona-Fall am Airport ist eher unwahrscheinlich: „Im Falle, dass ein in Richtung Paderborn-Lippstadt Airport fliegendes Passagierflugzeug einen Verdachtsfall an Bord hätte, würde die betreffende Maschine zu einem anderen Flughafen umgeleitet“, erklärt Stefan Hensel, Pressesprecher des Flughafens. In Deutschland sind die Flughäfen Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Berlin darauf speziell vorbereitet.

Sollte es am Airport dennoch zu einem Verdachtsfall kommen, würde die betroffene Person separiert. „Hierfür stehen Räume sowohl luft- als auch landseitig zur Verfügung. Zugleich würden dafür Atemschutzmasken, Einmalhandschuhe sowie eine Brille für die betreffende Person sowie mit ihr in Kontakt stehendem Flughafenpersonal zum Einsatz kommen“, so Hensel. Andere Fluggäste müssten Aussteigerkarten ausfüllen, um im Fall einer Infektion für Behörden erreichbar zu sein.

Das evangelische Krankenhaus Bethel in Bielefeld hat eine Zeltstadt errichtet, um mögliche Corona-Infizierte zu behandeln. Foto: Franz Purucker

Der Flughafen bekommt auch die wirtschaftlichen Folgen zu spüren: Die Lufthansa streicht wegen der Corona-Krise ihre Direktverbindung nach Frankfurt nicht wie erst geplant mit Beginn des Sommerflugplanes, sondern flog bereits am Donnerstag vergangener Woche das letzte Mal von Paderborn aus dorthin.

Veranstaltungsabsagen treffen die Wirtschaft

Auch andere Branchen sind betroffen: Nicole Zameit aus Büren, Inhaberin von Lycer´s Hüpfburg & Eventservice, leidet seit Tagen unter Veranstaltungsabsagen. In Bad Lippspringe stornierte eine Firma eine größere Feier, in Warstein wurde ein Feuerwehrfest abgesagt. Sogar Kindergeburtstage werden zum Teil storniert. „Wenn das so weitergeht, ist das existenzbedrohend.“ Noch ist für Eventagenturen Nebensaison, allerdings spricht Gesundheitsminister Jens Spahn davon, dass die Pandemie noch am Anfang stehe. 

Anzeige

Was tun im Verdachtsfall?

Wer begründeten Verdacht hat, sich mit dem Corona-Virus infiziert zu haben, sollte auf keinen Fall einfach in die Notaufnahme der nächsten Klinik gehen. „Rufen Sie unbedingt vorher an. Zuständig ist zunächst der Hausarzt“, so der Rat von Dr. Kirsten-Wiebke Jensen, Amtsärztin im Gesundheitsamt des Kreises Paderborn. Außerhalb der Sprechzeiten steht der Notdienst unter 116 117 zur Verfügung.
Auf keinen Fall sollten mögliche Infizierte die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufsuchen. „Diese sind für schwere Verlaufsfälle vorgesehen“, betont Jensen.
In den meisten Fällen verläuft die Krankheit harmlos – ähnlich wie eine Erkältung.

12. März: Wir haben den Artikel korrigiert. In der vorherigen Version hatten wir geschrieben, dass es in Salzkotten spezielle Hygieneschleusen gebe. Diese gibt es jedoch nur in Paderborn. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail