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Foto: Marion Heier
Kultur in Zeiten von Corona - wie hier bei einem Konzert in Geseke: Die Abstandsregeln führen dazu, dass weniger Publikum teilnehmen kann.
NR-Land

So hart trifft der Lockdown die Veranstaltungsbranche in der Region

Sonntag, 22. November 2020 von Marion Heier

Die Kulturbranche hat es mit Corona hart getroffen. Künstler, wie auch Veranstalter. Den zumeist freiberuflich tätigen Musikern, Schauspielern und Schriftstellern wurde die Bühne unter den Füßen weggezogen. Die stehen jetzt leer, doch in den Köpfen arbeitet es mächtig weiter, denn schließlich geht es nicht nur um das Überleben einer ganzen Branche, sondern auch um die – einer manchmal vielleicht auch unterschätzten – Kultur, die Nährboden ist für einen kreativen Geist, der über den Tellerrand hinausschaut. 

Wir haben nachgefragt bei den Kultur-Vereinen und Einrichtungen im NR-Land. Was sie alle umtreibt: die Planungsunsicherheit.

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„Es war noch nie so schwer zu planen“: Peter Plonka, Vorsitzender des Geseker Vereins Kultur & Kulinarisches (K&K), kann „Corona“ schon die eine oder andere Sorgenfalte ins Gesicht treiben. Noch zum Herbst hin fanden klassische Konzerte im Rittergut statt. Mit größter Sorgfalt wurde ein beispielhaftes Hygiene- und Veranstaltungskonzept erarbeitet. Mit dem Foyer wurde der Saal erweitert, auch wurden ein Ein- und ein Ausgang für ein um ein Drittel geschrumpftes Publikum geschaffen.  geschaffen. Das Außergewöhnliche jedoch ist, dass die Künstler Doppelkonzerte geben. In jeweils gekürzter Form von knapper eineinhalbstündiger Dauer und ohne Pause. 

„Verschieberitis“

Das Argument der Unwirtschaftlichkeit sollte nicht Oberhand über die Kultur gewinnen. „So haben die Künstler die Chance, etwas zu verdienen und außerdem eine Bühne“, so Plonka über die Musiker, für die die Doppelkonzerte ohne Zusatzgage einen Kraftakt bedeuten. Dennoch: Hochwertige Kultur in die Region zu bringen, das bleibe das Ziel. Das K&K-Programm für die Saison 2020/21 stehe, aktuell von Januar bis Mai. Man bemühe sich um Ersatzkonzerte für die im Herbst ausgefallene Veranstaltungen, aber Verschiebungen „sind nicht immer unproblematisch“. 

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Und auch wenn Corona Defizite in die Kasse spüle: Man wolle die Qualität nicht darunter leiden lassen. Noch könne sich der Verein vor allem auch dank großzügiger Sponsoren finanziell tragen und die Gagen wie gewohnt zahlen. „Wir machen weiter, auch ohne Planungssicherheit“, lässt sich der K&K mit seinen gut 330 Mitgliedern nicht unterkriegen.

Auch die regen Kulturschaffenden in Bad Wünnenberg setzen positive Signale. Und das gar nicht mal so wenig, obwohl auch hier die Verschieberitis ein Mehraufwand bedeutet.  Inga Rumpf ist im November gestrichen, sie ist jetzt auf den 21. April nächsten Jahres verschoben worden. Andere aber mussten komplett ausfallen. 

Veranstaltungs-Puzzle

Die ganze Verschieberei sei schon kompliziert, „die Planungen gleichen einem Veranstaltungs-Puzzle. Weil wir viele Gruppen aus dem Ausland haben, ist unser Kalender sogar für 2022 schon fast voll“, verdeutlicht Jürgen Franke vom Verein Kunst & Kultur. )

Ob sie stattfinden, steht und fällt damit, inwiefern und in welchem Rahmen Indoor-Veranstaltungen wieder stattfinden  dürfen. „Wir stehen in engem Kontakt zu den oft in ihrer Existenz bedrohten Künstlern und Agenturen und erfahren dabei eine sehr große Menschlichkeit“. Da ziehe sogar das Publikum mit, das auf die Erstattung bereits gekaufter Karten verzichtete. Geld, das vom Verein an die Künstler weitergeleitet wurde. 

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Hofkultur auf dem Spanckenhof

In der Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Kultur zum Frühjahr 2021 hat sich Kunst & Kultur für Ende April ein neues Veranstaltungskonzept überlegt. Es nennt sich „Hofkultur“ und ist an den Bad Wünnenberger Spanckenhof und seinen Vorhof angelehnt. Dort ist eine Kleinkunstbühne geplant, auf der am 23. April jiddische Geschichten und Lieder den Auftakt machen sollen. „Wenn die Auflagen so wie im Sommer sind, trauen wir uns solche Open Air-Veranstaltungen zu“, sagt Jürgen Franke.

Ohne Partner und Förderer jedoch sei das alles so nicht durchführbar, weiß er das Engagement Vieler zu schätzen. „Wir machen weiter“, lautet sein Credo.  

„Veranstaltungen müssen sich tragen“

„Die Veranstaltungen wurden verschoben, die Gagen stehen fest“, erklärt Pascal Rückert vom städtischen Kulturverein Geseke. Für ihn steht fest: 100 Leute in einem Saal, der sonst 500 trägt, rechnen sich nicht. Angesichts der Planungsunsicherheit fährt der Kulturverein, der sich aus eigener Kasse tragen muss, einen klaren Kurs. „Wir bekommen keinen Bonus. Die Veranstaltungen müssen sich wie bei anderen Vereinen auch über die Eintrittsgelder und Mitgliederbeiträge tragen“, verdeutlicht er. 

Ein echter Leuchtturm sei die in diesem Sommer gestartete Open Air-Reihe am Haus Thoholte „KulturGeBeat“. Die plant der Verein auch fürs nächste Jahr am letzten August-Wochenende mit Top-Acts, die man gerade versuche unter Vertrag zu nehmen. Bis zu 200 Besucher könnten unter Corona-Auflagen mit dabei sei.  „Davon haben Künstler und Publikum etwas“, so Rückert über eine realisierbare Kultur und ein generell neues Konzept des Kulturvereins, das sich weg von großen Kabarettveranstaltungen hin zu kleineren Konzerten bewegt.     

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Großes Engagement

Ja, klar: „Alles verschoben“, sagt auch Birgit Lurse vom Kulturgut Winkhausen in Salzkotten. Das allerdings befindet sich in einer komfortablen Ausnahmesituation, denn das Kulturgut ist an keinerlei Verantwortung gegenüber Vereinsmitgliedern oder öffentlichen Einrichtungen gebunden. Die Initiative ist rein privat, die auf das Engagement von Birgit Lurse und ihrem Team zurückgeht und das finanziell unabhängig ist. 

Die letzten drei Veranstaltungen unter sommerlichen Corona-Bedingungen sind hervorragend gelaufen, schließlich bietet sich die ausgebaute Scheune mit ihren hohen Decken und den Möglichkeiten des Lüftens beste Voraussetzungen. Doch immer wieder bekam sie zu hören, wie die Menschen um ihre Kultur trauern. 

Für Birgit Lurse heißt das: Weitermachen. Mit viel Spaß und Herzblut bleibt sie am Ball und wartet auf Lockerungen, die die Kultur wieder annähernd ermöglichen. So hofft sie darauf, dass – so es eventuelle Lockerungen es zulassen – am 19. Dezember das Konzert mit der Harfenistin Nadia Birkenstock stattfinden kann. (Reservierungen und Registrierung unter Tel.: 0 52 50-73 67). 

Nur Wind & Wasser

Bärbel Olfermann von der Kulturinitiative Niedermühle in Büren gibt sich ebenso zuversichtlich, aber etwas bedeckt: „Wir stehen in Kontakt mit den Künstlerinnen und Künstlern der Region, um so bald als möglich im coronatechnisch tadellosen Rahmen etwas anbieten zu können.“ Statt 100 wären dann nur 30 Plätze möglich und auf das Catering müsste verzichtet werden. 

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Weil die Räume der Niedermühle nicht vermietet werden dürfen, fehle dem Verein eine weitere wichtige Einnahmequelle. „Das tut weh. Da hoffen wir ganz stark auf eine Normalisierung“, sagt sie „Es ist schade, dass an der Niedermühle nur Wind und Wasser rauschen. Applaus und gute Gespräche wären uns lieber,“ blickt sie Richtung 2021. Im Mai ist das Duo Appassionata angedacht und im Juni die Band Anderersaits. Gleichzeitig freue sich der Verein über jede erdenkliche, auch finanzielle Unterstützung.


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