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Malak (l.) und Ali Aljumaa,
Foto: Franz Purucker
Die Geschwister Malak (l.) und Ali Aljumaa, hier gemeinsam unterwegs in Büren, sind ihrem Flüchtlingshelfer, den sie liebevoll „Kalli“ nennen, sehr dankbar.
Büren

So geht Turbo-Integration Dank Ehrenamtlicher

Samstag, 26. Juni 2021 von Franz Purucker

Im Gespräch mit Ali und Malak Aljumaa ist von ihrer syrischen Herkunft kaum etwas zu hören – vor allem nicht, dass die beiden vor fünf Jahren noch im Bürgerkriegsland Syrien gelebt haben und kein Wort Deutsch sprachen.

Einen großen Anteil daran hat Karl-Heinz Befeld, der Mitte 2017 von der Caritas als Ehrenamtlicher der Familie Aljumaa zugeordnet wurde. Obwohl der Senior zehn Enkelkinder hat, ist die eigene Familie einverstanden gewesen, dass er sich für Flüchtlinge in Büren engagiert – eine Herzensangelegenheit von ihm.

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„Die Chemie stimmte“, fasst Befeld zusammen. Oft bis spät in die Nacht sitzt der heute 75-Jährige mit der Familie zusammen, sie trainieren deutsche Redewendungen und deutsche Gepflogenheiten, die die Familie aus Syrien so nicht kennt.

Karl-Heinz Befeld aus Büren
Half der Familien in Deutschland: Karl-Heinz Befeld. Foto: Franz Purucker

Einen Arzt beispielsweise besucht man in Syrien ganz ohne Termin, bezahlt wird vor Ort in bar. Medikamente sind in der Apotheke frei verkäuflich. Rezepte, wie sie in Deutschland nötig sind, kannte die Familie nicht.

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Befeld stößt im Gespräch mit der Familie auch auf Tabus, beispielsweise als er die inzwischen 20 Jahre alte Malak Aljuma fragt, ob sie schon einen Freund hat. „So was fragt man bei uns nicht“, schreitet ihr Bruder Ali Aljumaa ein.
Inzwischen hat Befeld die Betreuung der Familie wieder abgegeben, denn „99 Prozent aller Anliegen können sie ganz allein bewältigen“, ist er überzeugt. Die Freundschaft ist jedoch erhalten geblieben.

Der Kontakt zu „Kalli“, wie die syrische Familie den Senioren liebevoll nennt, ist weiterhin eng, regelmäßig gibt es Treffen.

Hinter der Familie liegen einige Anstrengungen und auch Tiefschläge: Zunächst war Ahmad Aljumaa im Zuge der großen Flüchtlingswelle allein nach Deutschland geflohen. Frau und Kinder konnten im Dezember 2016 nachgeholt werden, aber Ali Aljumaa blieb zunächst in Syrien zurück.

Mit zu diesem Zeitpunkt knapp über 18 Jahren fällt der junge Mann nicht unter die Familienzusammenführung. „Es war unangenehm, ohne die Familie zurückzubleiben und keine Sicherheit zu haben“, erinnert sich der heute 26-Jährige zurück.

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Doch zwei Monate später wendet sich das Blatt und Ali Aljumaa darf nachkommen – die Familie ist inzwischen in Büren wieder vereint.

Der nächste Tiefschlag ereignet sich 2018, als Vater Ahmad Aljumaa mit nur 52 Jahren an einem Herzinfarkt stirbt.
Die Mutter Rawaa Al Hussein absolviert aktuell einen Sprachkurs. Die Kinder fühlen sich in Deutschland wie zu Hause: Malak Aljumaa kam nach ihrer Ankunft in Deutschland zunächst für ein Jahr eine internationale Klasse am Ludwig-Ehrhard-Berufskolleg, wechselte dann bereits nach einem Jahr in eine „normale Klasse“ und absolvierte erfolgreich die 10. Klasse und steht nun vorm Fachabitur – perspektivisch kann sie sich auch die Hochschulreife und ein Studium vorstellen.

Ali Aljumaa hat nach einem Sprachkurs an einem Qualifizierungsprojekt der IHK teilgenommen und wurde nun erfolgreich in eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement übernommen.

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