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Foto: Franz Purucker
Die Direktverbindung der Linie Bür5 von „Büren, Alte Post“ nach Bad Wünnenberg gibt es nicht mehr, wird aber an der Haltestelle mit etwas verdrecktem Schild weiter beworben (rote Markierung von der Redaktion eingefügt).Fotos: Purucker
Büren/Bad Wünnenberg

Senioren sauer: Direkt-Bus nach Wünnenberg gestrichen

Sonntag, 7. November 2021 von Franz Purucker

Eigentlich fuhr Bärbel Amanda regelmäßig mit der Bürener Stadtbuslinie Bür5 von Büren nach Bad Wünnenberg, um den dortigen Friedhof zu besuchen. An der Haltestelle „Alte Post“ in Büren wird sogar noch immer für diese Verbindung geworben, die über Hegensdorf und Leiberg führte.

Seit dem Fahrplanwechsel im August gibt es diese Verbindung aber nicht mehr. Lediglich im Schulverkehr wird diese Linienführung um 7.30 Uhr noch bedient, aber nur bis zur Profilschule Bad Wünnenberg.
Fahrzeit verfünffacht, Ticketpreis verdoppelt

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Die Alternative führt mit Linie S60 über Paderborn, wo ein Umstieg in die Linie R10 nötig ist. Die Fahrzeit verlängert sich von 22 Minuten auf knapp zwei Stunden. Den Umweg zahlen die Fahrgäste mit: Statt 5,50 Euro kostet die Einzelfahrt hier 12,30 Euro.

Eine Direktverbindung ohne Umstieg gibt es nur noch am Nachmittag (siehe Infokasten). Gefahren werden die Linien von der Busverkehr Ostwestfalen GmbH – einer Tochter der Deutschen Bahn. Die meldet in einer Pressemitteilung im Sommer zum Fahrplanwechsel: „Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Überarbeitung der Schulverkehre gelegt, die neu geordnet und neu nummeriert worden sind.“

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Die Liniennetzplanung wirbt weiterhin für eine Verbindung, die es gar nicht mehr gibt. Laut dieser Übersicht fährt die Linie Bür5 weiterhin bis nach Bad Wünnenberg, was nicht stimmt. Dieses Foto entstand an der Haltestelle „Büren, Alte Post“. Foto: Franz Purucker

Für die Schüler gibt es tatsächlich Verbesserungen: So gibt es zum Gymnasium und der Gesamtschule Büren zusätzliche Fahrten aus den Ortsteilen Wewelsburg, Ahden, Brenken, Harth, Weiberg, Barkhausen und Steinhausen. Auch zur Grundschule Harth wurden zusätzliche Busangebote geschaffen.

Möglich ist dies durch eine Umstellung in der Finanzierung: Bis zum Fahrplanwechsel fand der Verkehr eigenwirtschaftlich statt. Die Fahrgeldeinnahmen, die sich überwiegend aus dem Schülerverkehr zusammensetzen, mussten die Kosten des Busunternehmens decken.

Die Bushaltestelle Büren, Alte Post: Hier beginnt die Linie Bür5, die bis zum Sommer nach Bad Wünnenberg fuhr.

Dieses hat die Fahrten entsprechend kostendeckend und effizient geplant. Seit dem Fahrplanwechsel werden diese Verkehre jedoch gemeinwirtschaftlich durchgeführt. Nun legt der Nahverkehr Paderborn-Höxter den Fahrplan fest und finanziert die Busse auch. Dadurch sind mehr Busangebote möglich.

Das Geld davon kommt aus den Haushalten der Kommunen – also von den Steuern der Bürger.
Grundsätzlich ist damit auch eine Verbesserung eingetreten. Bei der Busverbindung Büren-Bad Wünnenberg ist aber das Gegenteil passiert: „Es handelt sich bei diesem Bruch im Angebot um absolute Einzelfälle“, betont der NPH-Geschäftsführer Marcus Klugmann auf NR-Anfrage und verweist auf geringe Fahrgastzahlen.

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Dem widerspricht die 72-jährige Bürenerin entschieden: „Viele Senioren fahren dorthin zum Urologen oder Internisten.“ Besonders ärgert sie sich über die fehlende Kommunikation: Viele Senioren standen an den ersten Tagen völlig ratlos an der Haltestelle – ohne Informationen und Hinweise, berichtet die stark mobilitätseingeschränkte Seniorin, die einen Schwerbehindertenausweis hat.

NPH betont: Lösung ist in Arbeit

Bärbel Amanda hat zuletzt das Taxi genommen: Die Kosten dafür betragen 25 Euro pro Fahrt. Mit einer schmalen Rente ist das kaum bezahlbar. Gemeinsam mit den Kommunen werde nun eine angemessene Lösung gesucht, so der NPH. Konkret laufen nun Gespräche mit den Bürgermeistern. In zwei Wochen wurde der NR-Redaktion eine Antwort zugesichert.

Das Problem: Nur wenn diese Gelder für den Busverkehr freistellen, kann auf dieser Relation wieder ein Busverkehr angeboten werden – der jedoch vorher eigenwirtschaftlich auch ohne Zuschüsse stattfand.

Bärbel Amanda hat sich schriftlich an die Stadt Büren gewendet, aber keine Antwort erhalten. „Gezielte Beschwerden gibt es nicht, allerdings gibt es Äußerungen der Unzufriedenheit“, heißt es von der Bürener Pressesprecherin Kerstin Salerno, die gleichzeitig betont: „Die Stadtverwaltung ist für die Organisation des Busverkehrs nicht zuständig.“

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Die Neue Regionale bleibt an dem Thema dran. Betroffene können sich an die NR-Redaktion wenden: hier klicken, um eine Mail an die NR-Redaktion zu senden.

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