arrow_back
Foto: privat
Nicole Zameit (2. v. l.) betreibt mit ihrem Sohn Florian (v. l.) einen Hüpfburgenverleih. Betroffen sind auch die Kinder Milian (14) und Meira (9) sowie Ehemann Werner Zameit, der einen Hausmeisterservice betreibt. Sohn Julian Zameit ist Azubi bei einer Firma am Flughafen.
NR-Land

Selbstständige kurz vor dem Bankrott: Diese Hilfsprogramme gibt es

Sonntag, 22. März 2020 von Franz Purucker

Nicole Zameit aus Büren ist eine von zahlreichen Selbstständigen in der Region, die um ihre Existenz fürchten. Ihr Hüpfburgenverleih und Eventservice ist seit der Erlasse des Landes quasi ohne Aufträge. Das raten Wirtschaftsförderung und Arbeitsagentur.

„Ich stehe kurz vor dem Bankrott“, sagt die 46-Jährige, in deren kleinen Familienbetrieb auch ihr Sohn und ein Auszubildender mitarbeiten. Sie macht sich Sorgen, wie sie Kredite, Mieten und den laufenden Lebensunterhalt bezahlen soll.

Anzeige

Bei der Paderborner Wirtschaftsförderung klingelt seit Tagen fast ständig das Telefon. 75 bis 80 Anfragen erreichen Geschäftsführer Frank Wolters und seine Kollegen aktuell täglich.

„Viele haben quasi 100 Prozent Umsatzausfall und trotzdem laufende Kosten zu tragen.“ Als ersten Schritt können die Kredite der KfW- und NRW-Bank helfen. Dies hilft aber nur Firmen, die gegenüber der Bank finanzielle Sicherheiten anbieten können.

Anzeige

„Das hilft vielen nicht, weil nicht absehbar ist, wie lange die Krise anhält“, so Wolters: „Die Zinsen liegen wegen des hohen Risikos für die Banken oft bei sieben oder acht Prozent“.

Erhält aktuell zahlreiche Anfragen: Frank Wolters von der Paderborner Wirtschaftsförderung.

Ein großer Teil der Hilferufe kommt von so genannten Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen, zu denen auch Nicole Zameit zählt. Ihnen brechen neben der Geschäftsgrundlage auch die Einnahmen zum Leben weg. Betroffene könnten bei den Jobcentern einen Antrag auf ALG II – also Hartz IV stellen. „Das ist die unangenehmste aller Möglichkeiten, sorgt aber für kurzfristige Liquidität“, so Frank Wolters.

Wichtig: Unbedingt mit Gläubigern sprechen, wenn der Ausfall von Zahlungen droht – also beispielsweise dem Vermieter und Banken. Nicole Zameit konnte zumindest mit der Sparkasse Paderborn erreichen, dass die Tilgung der Kredite ausgesetzt wird.

Fakt ist aber: „Nur Kredite werden nicht reichen“, so der Wirtschaftsförderer. Gerade Soloselbstständige müssten diese über Jahrzehnte zurückzahlen und würden wohl eher ihre Selbstständigkeit aufgeben. „Es muss Zuschüsse für Unternehmer geben und zwar kurzfristig, so Wolters. Die Länder Berlin und Bayern haben bereits Soforthilfen beschlossen, die zwischen 5.000 und 30.000 Euro als Zuschuss vorsehen. Das Land NRW will übereinen Nachtragshaushalt bis zu 25 Milliarden Euro für Bürgschaften, Steuerstundungen und Soforthilfen einbringen.

Anzeige

Nicole Zameit hat unterdessen für ihren Sohn Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit beantragt. „Die Kriterien für Kurzarbeit wurden rückwirkend zum 1. März geändert: So reicht es, wenn zehn Prozent der Mitarbeiter betroffen sind“, erklärt Janine Billerbeck von der Agentur für Arbeit OWL. Wichtig: Unternehmer sollten sich frühzeitig kümmern. Aktuell gibt es viele Anfragen dazu.

Die Agentur für Arbeit zahlt dann 60 Prozent des Netto-Lohnes, bei Arbeitnehmern mit Kindern 67 Prozent. Bislang musste der Arbeitgeber die Sozialabgaben tragen – das wurde nun geändert, sodass keine Personalkosten mehr anfallen. Kurzarbeit ist für zehn bis 100 Prozent der Arbeitszeit möglich.

Nicole Zameit hat unterdessen begonnen, ihre Hüpfburgen zu Spottpreisen für Familien privat anzubieten – quasi für die Zeit der Corona-Krise in privaten Gärten aufzustellen. Sie betont aber: „Wir liefern keine Hüpfburgen an Kindergeburtstage. Die Leute sollen zu Hause bleiben“, so Zameit. Ob sie das retten wird, bleibt offen.

AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail