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Foto: Montecruz Foto (CC BY-SA 2.0)
Hunderte heißen die Flüchtlinge in Deutschland willkommen, die vor allem in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland kamen. Inzwischen sind die meisten Verfahren abgeschlossen und die Betroffenen stehen vor neuen Herausforderungen.
Thema der Woche

Sechs Jahre nach der Flüchtlingskrise: Wie ist die Lage heute?

Samstag, 26. Juni 2021 von Franz Purucker

Rund zwei Millionen Menschen machen sich wegen Kriegen in Syrien, Afghanistan, dem Irak, Jordanien, Libanon sowie aus weiten Teilen Afrikas in den Jahren 2015 und 2016 auf den Weg nach Deutschland. Das deutsche Asylsystem ist überfordert, kann so viele Menschen kaum aufnehmen. Doch Kanzlerin Angela Merkel macht Mut, erklärt „Wir schaffen das“. So erlebten Verwaltungen, die Flüchtlingsberater und die betroffenen Asyl-Suchenden diese Situation.

„Es war eine Katastrophe“, erinnert sich Hermann Mersch an den Sommer 2015 zurück. Täglich erhielt der Sozialamtsleiter die Meldung, wie viele Asylsuchende am nächsten Tag kommen. „Teilweise mussten wir von einen auf den anderen Tag 15 Personen unterbringen.“

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Eine inzwischen abgerissene Gaststätte in Helmern und mehrere leer stehende Wochenendhäuser wurden zu Flüchtlingsquartieren. In Leiberg kaufte die Stadt drei Häuser, die noch heute Flüchtlinge beherbergen.
In Geseke wurde zeitweise die Sporthalle Mitte für Flüchtlinge hergerichtet. Bürgermeister van der Velden sprach von einem Plan B, der zum Glück nie eintrat.

Erklärung, wie ein Asylverfahren in Deutschland abläuft
So läuft ein Asyl-Verfahren in Deutschland ab. Grafik: Franz Purucker

Auch Bürens Bürgermeister Burkhard Schwuchow erinnert sich, wie quasi über Nacht viele neue Mitbürger in die Stadt kamen: „Die größte Herausforderung war, angemessenen Wohnraum zu finden. Alle zwei bis drei Tage kamen neue, große Gruppen – oftmals mit Kindern“, so Schwuchow: „Zum Glück gab es viele ehrenamtliche Helfer, die ihre private Zeit und ihr Engagement dafür eingesetzt haben, um diese Situation gemeinsam mit der Stadt zu meistern.“ Büren hatte zeitweise mehr als 500 Flüchtlinge aufgenommen, weitere 500 waren in einer Zeltstadt in der Nähe des Abschiebegefängnisses Stöckerbusch untergebracht.

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Die Flüchtlinge warteten damals vor allem auf das Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, mit dem über den Asylantrag entschieden wird.

Der Anfangszeit war dies auch das beherrschende Thema in der Flüchtlingsberatung, erinnert sich Abel Akindejoye, seit 2015 Flüchtlingsberater der Caritas für den Altkreis Büren: „Viele warteten Jahre, bis sie zu ihren Asylgründen befragt wurden.“

Heute sind die meisten Asylverfahren abgeschlossen. Sie sind damit in vielen Dingen Deutschen gleichgestellt, erklärt Akindejoye: „Jetzt drehen sich viele Fragen um alltägliche Dinge wie Elterngeldantrag, Job- und Wohnungssuche.“
Mit der Anerkennung müssen die Flüchtlinge auch die städtischen Unterkünfte verlassen und sich eine Bleibe am freien Markt suchen. In Büren leben 220 anerkannte Flüchtlinge, in Geseke 310, in Salzkotten 371 und in Bad Wünnenberg 108, was in allen Städten die Mehrheit ausmacht.

Im laufenden Asylverfahren stecken in Büren 47, in Salzkotten 53, in Geseke 44 und in Bad Wünnenberg 18 Personen.
Viele Migranten haben es sprachlich schwer, was teilweise auch ausgenutzt wird, so Abel Akindejoye: „Einige verstehen das System nicht und unterschreiben vorschnell Raten-, Handy- oder Internetverträge. Wir bieten deshalb eine Schuldnerberatung an.“

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Viele Anfragen in der Flüchtlingsberatung drehen sich um den Familiennachzug, der bis 2018 vom Bund größtenteils ausgesetzt war. Nun gilt eine Obergrenze von 1.000 Familiennachzügen pro Monat für ganz Deutschland, wobei Warte- und Bearbeitungszeiten bei den Botschaften den Prozess verlangsamen. Einige Familien sind über Jahre getrennt.

Die Caritas bietet offene Sprechstunden in Büren, Salzkotten und Bad Wünnenberg an. In Geseke berät die Diakonie.

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