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Vater am Laptop mit dem Kindern im Home Office
Foto: privat
Der tägliche Spagat zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung bringt viele Familien an ihre Grenzen, wie hier Gerrit Petermeier aus Geseke mit seinen Kindern Oskar und Emma.
Thema der Woche

Schrittweise Kita-Öffnung geht Eltern nicht weit genug: Elternbeirat in Wut

Samstag, 16. Mai 2020 von Franz Purucker

Seit acht Wochen sind die Kinder von Anja Petermeier aus Geseke nun zu Hause. Sie arbeitet 40 Stunden pro Woche, ihr Mann ist Dachdecker und studiert nebenher. Die zehn Tage „Kindkrank und ein Großteil des Urlaubs sind aufgebraucht. Die Familie ist sie an ihrer Leistungsgrenze.

Entsprechend groß waren die Hoffnungen auf eine baldige Kita-Öffnung. NRW-Familienminister Joachim Stamp hat nun zwar eine Teilöffnung verkündet, doch von der profitiert nur ein kleiner Bruchteil aller Eltern.
Seit vergangenen Donnerstag dürfen Vorschulkinder wieder in die Kitas, die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhalten – darunter zählen unter anderem Hartz IV, Wohngeld und Kinderzuschlag.

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Eingeschränkter Regelbetrieb erst im September

Ab Donnerstag, 28. Mai, werden dann alle Vorschulkinder wieder in der Kita betreut. Die Kinder von Anja Petermeier sind ein und vier Jahre alt, fallen also nicht unter diesen Kreis. Die Aussichten für ihre Betreuungssituation sind schlecht: Zwar dürfen alle Kinder in NRW vor der Sommerpause zwei Tage in die Kita, doch das hilft der jungen Mutter kaum.
Einen „eingeschränkten Regelbetrieb“ will der Minister erst im September wieder anlaufen lassen – also in vier Monaten.

Andere Länder sind da schneller: In Hamburg öffnen die Kitas für alle Altersgruppen ab Juli wieder, in Thüringen geht es bereits im Juni wieder los.

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Auch Tina McCreight aus Delbrück bringt die aktuelle Situation in Not. Die Alleinerziehende arbeitet sogar in einer „systemrelevanten Branche“. Eine Notbetreuung hat ihr die Stadt zunächst mit Verweis aufs Home Office verweigert. „Die Betreuung meines Vierjährigen plus die Arbeit kann aber so nicht gewährleistet werden“, so die Frau.

Aussagen, die Stefanie Schreiber-Weber von der Kita-Elternvertretung im Kreis Paderborn kennt und sauer machen: „Wer meint, dass Kinderziehung und Homeoffice zusammen funktionieren, der hat entweder das Wort Kindererziehung nicht verstanden oder den Begriff Homeoffice.“

Die Lichtenauerin ist auch im Landeselternbeirat NRW aktiv, der mit einem Video gerade seinen Unmut über die weitgehende Schließung der Einrichtungen kundtut.

"Nun mehr 8 Wochen ohne geregelte Betreuungsmöglichkeit oder Perspektive. Worauf wartet die Landesregierung noch?"#kitakindernrw#kitaelternnrw#esreicht#lebnrw

Gepostet von Landeselternbeirat NRW am Montag, 11. Mai 2020

Tina McCreight hat inzwischen einen Platz in der Notbetreuung bekommen und findet das System trotzdem unfair: „Viele Kinder sehen, dass ihre Freunde in die Kita dürfen und fragen berechtigterweise, warum sie nicht gehen dürfen.“ Ihr Verständnis für die Einschränkungen in der Kinderbetreuung sinkt: „Es ist fragwürdig, warum das gesamte Leben scheinbar nach und nach weitergehen kann, aber die Kinder in dieser Krise an vielen Stellen die Leidtragenden sind.“

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Welche Kriterien für die Öffnung der Kita gelten und was die Elternschaft im Kreis Paderborn kritisiert, lesen Sie auf der nächste Woche.

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