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Foto: Müschenborn/Kreis Soest
Fabian Schröer (links) und Peter Sukkau präsentieren die interaktive Übersichtskarte für historische Grenz- und Schnadsteine, die im Geoportal des Kreises Soest zu finden ist.
NR-Land

Schnadsteine jetzt im Internet finden

Samstag, 17. September 2022 von NR Redaktion

Schnadgänge sind im Kreis Soest jetzt auch online möglich. Der pensionierte Vermessungsingenieur und frühere Kreisheimatpfleger Peter Sukkau hat in Zusammenarbeit mit den Experten für Geoinformation des Kreises Soest eine interaktive Schnadsteinkarte entwickelt, die im Internet abrufbar ist. 

Bisher stehen etwa 250 dieser historischen Grenzmarkierungen und rund 400 Bilder zum Anklicken bereit. Um das Archiv zu erweitern, zählt Peter Sukkau auf Mitwirkung in den Orten des Kreises.

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Ursprünglich markierten die Schnadsteine Gemeindegrenzen. Beim Schnadegang wurde die Platzierung kontrolliert. Bei einem solchen Grenzgang wurden die Markierungen freigeschnitten und neuen Bürgern der Grenzverlauf vermittelt. 

Dieser Brauch wird heutzutage noch vielerorts gepflegt. Dabei steht die Geselligkeit im Vordergrund. Hin und wieder wird aber auch heute noch ein neuer Schnadstein gesetzt.

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Um die Schnadsteine als Zeitzeugen der Heimatgeschichte allen Bürgern sichtbar zu machen, hatte Sukkau die Idee, diese Grenzmarkierungen mit Hinweisen zur Geschichte auf einer interaktiven Landkarte sichtbar zu machen. 

In Zusammenarbeit mit dem Geoinformations-Sachgebiet des Kreises Soest wurden die von ihm zusammengestellten Daten auf das Geoportal des Kreises hochgeladen und können dort in einer interaktiven Karte aufgerufen werden.

Jagdfieber geweckt

Hier stand einst ein Schlagbaum: Im Verner Holz an der Stadtgrenze zwischen Geseke und Salzkotten befindet sich ein Schnadstein aus dem Jahr 1669. Foto: Schreiber

Die Recherche der Schnadsteine und deren fotografische Dokumentation ist eine umfangreiche Angelegenheit. Nicht zu allen Steinen hat Sukkau die notwendigen Ortskenntnisse. Darum ist es ihm wichtig, vor Ort kompetente Ansprechpersonen zu finden. 

Bei einigen Helfern konnte er schon ein gewisses Jagdfieber wecken und hofft auf weitere Unterstützung, um in den Archiven nach Unterlagen zu Schnadgängen und Grenzsteinen zu stöbern. „Bei den Recherchen gibt es manche interessante Überraschung“, berichtet Sukkau. „So wurden zum Beispiel in den 1970er und 1990er Jahren einige Schnad-steine an die Kleine Schmalenau, der damaligen Grenze zum Hochsauerlandkreis, gesetzt. Als im Jahr 2000 der parallel verlaufende Forstweg ausgebaut wurde, gab es durch eine Flurbereinigung des Gebietes eine Verlagerung der Kreisgrenze direkt an den Forstweg.“ Nun stehen einige Schnadsteine zehn bis 20 Meter auf Oeventroper bzw. Breitenbrucher Gebiet.

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Aber auch besondere Schnadsteine erlangen durch seine Arbeit wieder Aufmerksamkeit. Einer steht zum Beispiel mitten im Wald, wo die Grenzen der Gemarkungen Kallenhardt im Kreis Soest und Nuttlar mit Antfeld im Hochsauerlandkreis an einem Punkt zusammenstoßen. Es ist ein beson–ders markanter Stein, der die Jahreszahl 1801 sowie die Wappen der angrenzenden Orte trägt. 

Die Schnadsteinkarte ist im Internet unter https://geoportal.kreis-soest.de/gis/ zu finden.

Ein regionaler Begriff

Der Begriff Schnad oder Schnat ist nur in wenigen Regionen Deutschlands gebräuchlich und bezeichnet die Grenze eines Flurstücks. Möglicherweise gibt es eine sprachliche Verwandtschaft mit dem Wort schneiden. Die mundartliche Schnade steht dann für Markierungen, die zur Bezeichnung der  Grenze in die Grenzbäume, Pfähle oder Steine geschnittenen wurden. 

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