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Foto: Pixabay (Symbolfoto)
Wenn das Spielen immer exzessiver wird und der Zocker immer höhere Summen einsetzt, ist dies als Alarmsignal für eine mögliche Spielsucht zu werten.
Thema der Woche

Schärfere Regeln für Spielhallen: So profitieren die Kommunen vom Zocken

Sonntag, 4. Juli 2021 von Franz Purucker

Zum 1. Juli gilt in Deutschland ein neuer Glücksspielstaatsvertrag. Damit sollen Spielsüchtige besser geschützt werden – zum Beispiel mit einer bundesweiten Sperrdatei. Teil des Gesetzpaketes ist auch die Legalisierung von Online-Glücksspiel, das in mehrfacher Hinsicht Risiken birgt: Einerseits glauben Experten, dass nun Kriminelle immer öfter mit am Spieltisch sitzen. Außerdem hat dies direkte Auswirkung auf Spielsüchtige, was ihr Geld angeht.

Eine Münze nach der anderen kullert in den Spielautomaten, immer mit dem Reiz des großen Geldes.
Der Gesetzgeber hat Schranken angelegt, um die Zocker vor zu hohen Verlusten zu schützen: Maximal 20 Cent darf ein Spiel kosten. Robin Mayler betreibt die Spielhallen „10 Stars Casino“ in Geseke und Salzkotten und gibt zu: „Es sind bis zu 60 Euro Verlust pro Stunde möglich.“

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Um Spielsucht zu verhindern haben Unternehmen wie die Rodmayler Group, die hinter den beiden Spielhallen steht, eine eigene Sozialcharta. „Unsere Mitarbeiter sind geschult mit aggressiv auftretenden Spielern umzugehen und diese vom Spiel auszuschließen.“

Auch Flyer der Beratungsstellen liegen in den Spielhallen aus, versichert der 33-Jährige.
Spielsperren sollen einfacher werden

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Süchtige können sich durch eine Eigenerklärung sperren lassen. Doch das System hat Tücken. „Bislang mussten sich Betroffene aber bei jeder Spielhalle einzeln sperren lassen“, erklärt Eva Engelkamp von Beratungsstelle Spielfrei, der Fachstelle für Glücksspielsucht von der Caritas in Paderborn und Büren. In diesem Fall spricht der Betreiber ein Hausverbot aus.

Das Problem: Der Spielsüchtige macht sich beim Betreten einer Spielhalle dann des Hausfriedensbruchs strafbar – so zumindest die Regelung in NRW.

Dies hat sich zum 1. Juli geändert: Nun gibt es zum ersten Mal eine bundesweite Sperrdatei, die auch auf Onlineanbieter auswirken soll. Die Betonung liegt aber auf „soll“.

Das Zocken im Internet war bislang illegal. Nun wird es zwar erlaubt, bringt für Spielsüchtige aber womöglich einige Nachteile mit sich. Foto: Shutterstock

Die zuständige Behörde, die in Halle (Sachsen-Anhalt) angesiedelt werden soll, gibt es noch gar nicht und ist wohl erst 2023 arbeitsfähig. Die Annahme von Sperranträgen ist noch gar nicht möglich. Lediglich Hessen bietet bislang eine Sperrdatei an. Robin Mayler findet die Sperrdatei gut: „Wir wollen Spielsüchtige schützen.“

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Ebenfalls neu zum Monatswechsel: Das Online-Glücksspiel ist nun legal. Genau genommen war das Zocken im Netz an virtuellen Pokertischen bislang verboten. Lediglich Malta und das Land Schleswig-Holstein gaben Lizenzen aus – jedoch nur für Spieler aus dem eigenen Land. Trotzdem gab es Fernsehwerbung zur besten Sendezeit.

Die bundesweite Sperrdatei soll auch die Onlineanbieter umfassen. Die Behörden fürchten aber, dass am Online-Pokertisch damit auch verstärkt das organisierte Verbrechen mitspielen wird.

Warum die Legalisierung für Spielsüchtige auch große Nachteile haben kann, wie viele Spielhallen es in Büren, Geseke, Salzkotten und Bad Wünnenberg gibt und welche Steuereinnahmen die Kommunen damit erwirtschaften, lesen Sie auf der zweiten Seite.

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