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Foto: LWL Klinik
Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter dem Lockdown. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien stellt mehr Suizidale Gedanken und Zwangsstörungen fest.
Thema der Woche

Psychiatrien behandeln Corona-Folgen: Lockdown-Kinder besonders betroffen

Montag, 29. November 2021 von Franz Purucker

„Während der Corona-Krise sind Patienten mit psychischen Krankheiten Zuhause geblieben und die Kliniken waren leer. Jetzt dreht sich das Bild. Viele Menschen suchen Hilfe, oft zu spät, wie Tilmann Magerkurth von der LWL Klinik Paderborn berichtet. Bei Kindern und Jugendlichen haben die Corona-Pandemie und der Unterrichtsausfall psychische Folgen, über die Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Filip Salem von der LWL Jugendpsychiatrie Paderborn berichtet.

„Wir behandeln aktuell mehr Menschen wegen Depressionen und Angsterkrankungen als vor Corona“, beschreibt Tilmann Magerkurth, Chefarzt der Suchtmedizin und stellvertretender ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Paderborn, die aktuelle Lage auf den psychiatrischen Stationen.

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Das Einzugsgebiet der Klinik umfasst den Kreis Paderborn und die Stadt Geseke: „Viele Menschen waren über längere Zeit ohne ihr stützendes Umfeld zu Hause, abgeschnitten vom sozialen Leben. Dabei gehen wichtige Fähigkeiten verloren.“

Zudem hat die Krise Menschen, die ohnehin besorgt sind, in ihren Ängsten verstärkt. Das größte Problem, so Magerkurth: „Das Hilfesystem greift zu spät, weil die Menschen zu Haus geblieben sind. Auch die Kontrolle durch Schulen ist verloren gegangen.“

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Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Standort Paderborn: Dr. Filip Salem.

Eine Erfahrung, die auch Dr. Filip Salem, Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie Paderborn gemacht hat. Der wichtige Kontakt zwischen Eltern und Lehrern ist oft verloren gegangen. Zieht sich ein Kind beispielsweise zunehmend zurück, fällt das weniger schnell auf.

Auch in der Paderborner Kinder- und Jugendpsychiatrie wirkt sich der Lockdown massiv aus: „Wir haben eine deutliche Zunahme an Notfällen und sind komplett voll“, berichtet der Chefarzt.

Die Stationen sind im Herbst immer voller als üblich, doch in diesem Jahr ist die Situation besonders gravierend. Besonders häufig hat die Klinik mit Suizid-Gedanken von Jugendlichen zu tun. „Wir glauben immer, dass Kinder und Jugendliche gut vernetzt sind und unterschätzen dabei, dass vielen Jugendlichen das ,Abhängen mit Freunden´ fehlt“, so Salem.

Viele Jugendliche leiden auch unter sozialen Phobien. Weil sie sich nicht treffen durften, flohen sie in eine Medienwelt und haben nun Angst rauszugehen oder sich in der Schule am Unterricht zu beteiligen. Außerdem haben die Pandemie und der damit verbundene Lockdown dazu geführt, dass viele Herauswachsende in ein Loch gefallen sind: „Jugendliche mit Ängsten oder Neigungen definieren sich über ihre Hobbys. Fällt die Freizeitbeschäftigung weg, kommen sie ins Grübeln und das Selbstwertgefühl sinkt.“ Auch Ess- und Zwangsstörungen treten verstärkt auf.

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.Der stellvertretende ärztliche Direktor der LWL-Klinik Paderborn: Tilmann Magerkurth. Foto: LWL Klink

In vielen Fällen waren auch die Eltern mit den Folgen der Pandemie so stark beschäftigt, dass sie selbst nicht auf ihre Kinder eingehen konnten. „Dieses Phänomen haben wir bereits bei der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren zum ersten Mal gesehen.“

Wie Eltern psychische Störungen ihrer Kinder erkennen, was zu tun ist, wenn sich Nachbarn oder Bekannte plötzlich anders verhalten und wo sich psychiatrische Hilfsangebote in der Region befinden, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Haben Sie Depressionen oder Suizid-Gedanken

Die Neue Regionale themaitisiert grundsätzlich kein Suizid, um einen Nachahmer-Effekt zu verhindern. Wenn Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld Suizid-Gedanken hat oder unter einer Depression leidet, kontaktieren Sie die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenfrei) oder holen Sie sich Hilfe unter www.telefonseelsorge.de

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