arrow_back
Foto: Tim Reckmann / pixelio.de
In den meisten Fällen handelt es sich um geringe Verstöße. Ein Fahrer muss jedoch mit einem Bußgeld und Fahrverbot rechnen.
Umland (Raum Lippstadt)

Polizei geht gegen illegale Autorennen vor und ertappt mehrere Poser

Dienstag, 20. Juli 2021 von NR Redaktion

Erneut hat die Polizei in der Nacht zu Samstag, einen Sondereinsatz zur Bekämpfung illegaler Fahrzeugrennen durchgeführt. Knapp 230 Geschwindigkeitsverstöße fielen innerhalb von Paderborn auf. Wegen technischer Mängel stellten die Beamten fünf Fahrzeuge sicher.

Von Freitagabend bis tief in Nacht waren mehrere Kontrollteams im Einsatz. Unterstützt wurden die Polizeikräfte von drei Kraftfahrzeug-Sachverständigen sowie der Stadt Paderborn mit einem Radarwagen. Die Kontrollorte lagen in Paderborn rund um den Inneren Ring, an der Detmolder Straße sowie den „Ringstraßen“ bis zum Südring und Pohlweg. Dort kommt es rund um die Parkplätze am Uni-Sportzentrum immer wieder zu extremen Ruhestörungen durch aufheulende Automotoren, quietschende Reifen oder laut aufgedrehte Musikanlagen.

Anzeige

Bei den 227 festgestellten Geschwindigkeitsverstößen handelte es bis auf zehn Fälle um geringfügige Überschreitungen. Ein Fahrer muss neben einem Bußgeld auch mit einem Fahrverbot rechnen. Gemessen wurden alle Fahrzeuge, die die Kontrollstellen passierten.

Verstoß innerortsStrafePunkteFahrverbotgeplantes Bußgeld**
bis 10 km/h15 Eurokeinekeine30 Euro
11 bis 15 km/h25 Eurokeinekeine50 Euro
16 bis 20 km/h35 Eurokeinekeine70 Euro
21 bis 25 km/h80 Euro1keine115 Euro
26 bis 30 km/h100 Euro11 Monat *180 Euro
31 bis 40 km/h160 Euro21 Monat260 Euro
41 bis 50 km/h200 Euro21 Monat400 Euro
51 bis 60 km/h280 Euro22 Monate 560 Euro
61 bis 70 km/h480 Euro23 Monate700 Euro
über 70 km/h680 Euro23 Monate800 Euro
* wenn innerhalb eines Jahres zwei Mal eine Verstoß von 26 km/h oder mehr festgestellt wird **Einführung im Laufe des Jahres 2021

Neben Geschwindigkeitsverstößen hatten die Beamten auch die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge sowie die Fahrtauglichkeit der Fahrerinnen und Fahrer im Blick. Von 90 gestoppten Fahrzeugen wurden 60 genauer durch spezialisierte Kräfte auf technische Mängel überprüft. 16 Autos wiesen teils gravierende Mängel auf, die in zehn Fällen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führten. Die eingesetzten Sachverständigen nahmen die betroffenen Fahrzeuge genau unter die Lupe und setzten Messgeräte ein. Sie stellten so beispielsweise erhöhte Geräuschemissionen fest.

Anzeige

An einigen Fahrzeugen ließen Schleifspuren am Unterbau oder zwischen Karosserie und Rädern auf unzulässige Veränderungen schließen, welche die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. In einem Fall ergab sich zudem der Verdacht einer illegalen Leistungssteigerung. Aufgrund der technischen Manipulationen an Motoren, Fahrwerken oder Abgasanlagen stellte die Polizei fünf Autos sicher, um beweissichere Untersuchungen durchführen und Gutachten erstellen zu lassen. Die Autos waren bei Kontrollen auf der Friedrichstraße, dem Heierswall oder am Pohlweg aufgefallen.

Um 20:00 Uhr bog ein 39-jähriger VW-Golf-Fahrer von der Bahnhofstraße in die Grunigerstraße ein. Dabei fuhr er mit den rechten Rädern über den Gehweg. Das hatten Einsatzkräfte beobachtet und gaben dem Fahrer Anhaltezeichen. Dieser beschleunigte sein Fahrzeug, musste aber in einem Rückstau an der Rathenaustraße anhalten. Das nutzen die Beamten um die Fahrertür zu öffnen und den Zündschlüssel abzuziehen.

Ein Drogenvortest ergab Hinweise auf den Konsum unterschiedlichster Betäubungsmittel, so dass dem 39-Jährigen eine Blutprobe entnommen wurde. Einen Führerschein hatte der Mann nicht. Um 01:00 Uhr wurde ein 24-jähriger Paderborner auf der Kasseler Straße gestoppt. Bei seiner Kontrolle ergab sich ebenfalls der Verdacht auf Drogenkonsum, so dass ihm eine Blutprobe entnommen wurde. Im Fahrzeug wurde eine kleinere Menge Drogen aufgefunden, sodass auch deswegen ein Strafverfahren gegen den jungen Mann eingeleitet wurde.

Im Jahr 2020 ermittelte die Polizei im Kreis Paderborn in 42 Fällen wegen des Verdachts illegaler Autorennen. Sieben Mal war es in dem Zusammenhang zu Verkehrsunfällen gekommen. Rund 30 Strafanzeigen wegen des Verdachts von Vergehen gegen den § 315 d Strafgesetzbuch sind bereits in diesem Jahr erstattet worden. Der Paragraph beschreibt die Tatbestände von verbotenen Kraftfahrzeugrennen und enthält auch die Strafmaße. Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe werden dort angedroht solange niemand gefährdet wird.

Anzeige

Sind Menschen oder Sachen von bedeutendem Wert in Gefahr kann Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren verhängt werden. Sollte es zu Todesopfern kommen sind bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug möglich. Es sind nicht nur Rennen mit zwei oder mehreren Fahrern verboten, sondern auch sogenannte Einzelrennen. Das ist der Fall, wenn sich ein Kraftfahrzeugführer mit „nicht angepasster Geschwindigkeit, grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“.

AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail