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Foto: Kreis Paderborn
Ein halbes Jahr Corona-Pandemie - mit AHA durch den Herbst: Die Leiterin des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, Dr. Constanze Kuhnert, appelliert an die Menschen im Kreisgebiet, die Corona-Regeln wie Abstande, Hygiene und Alltagsmaske zu beachten.
NR-Land

Paderborner Gesundheitsamt zieht nach sechs Monaten Corona-Bilanz

Donnerstag, 10. September 2020 von NR Redaktion

Ende Januar des noch neuen Jahres 2020 ahnte niemand, dass Begriffe wie Reproduktionszahl, Sieben-Tages-Inzidenz, Quarantäne, Mindestabstand und Maskenpflicht den neuen (Corona)-Alltag prägen sollten. Nach sechs Monaten zieht das Paderborner Kreisgesundheitsamt eine erste Zwischenbilanz.

856 laborbestätigte Corona-Fälle, 34 Tote, die in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion (COVID-19) verstorben sind; der tägliche Kampf gegen das Virus dominiert nach wie vor den Alltag. Mit Corona schlug auch die Stunde der Gesundheitsämter, die wie ein Seismograph alle Schwingungen dieser Pandemie registrieren und zentrale Schaltstelle für die Bekämpfung der Corona-Pandemie vor Ort sind.

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Aufgabe ist es, Infektionsketten zu erkennen und zu durchbrechen, und das heißt: Stundenlanges Telefonieren, recherchieren, um Infizierte zu isolieren und engere Kontaktpersonen unter Quarantäne zu stellen. „Uns ist bewusst, dass die Tests keine angenehme Erfahrung sind und auch die Quarantäne insbesondere für Familien mit kleinen Kindern eine enorme Belastung bedeuten“, sagt die Leiterin des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, Dr. Constanze Kuhnert.

Deshalb „danke ich ausdrücklich den Menschen im Paderborner Land, die mitmachen und sich an die Corona-Regeln halten und dazu beitragen, hier gut durchzukommen“, betont Kuhnert.

9. März: Corona erreicht dne Kreis

Am 9. März erreichte das Coronavirus SARS-CoV-2 den Kreis Paderborn: Ein Reiserückkehrer aus Südtirol war positiv getestet worden. Danach stieg die Kurve der laborbestätigten Corona-Infektionen rasant an. Um Hausarztpraxen und Krankenhäuser wirksam zu entlasten sowie das in jenen Tagen knappe Schutzmaterial einsparen zu können, richtete der Kreis Paderborn in Zusammenarbeit mit der Stadt Paderborn und der Kassenärztlichen Vereinigung am 16. März eine Anlaufstelle für Corona-Verdachtsfälle in der Alanbrooke-Kaserne in Paderborn ein, die bis Ende Mai geöffnet blieb.

Ein Infotelefon und Bürgertelefon wurde geschaltet, in der Anfangszeit mit mehreren hundert besorgten Anrufen pro Tag. Derzeit kontaktieren rund 120 bis 130 Bürgerinnen und Bürger das Infotelefon des Paderborner Kreisgesundheitsamtes. Am 18. März wurden das Kreishaus und seine Nebenstellen geschlossen. Das öffentliche Leben musste pausieren. Die Bundesregierung und Länderchefs setzten in dieser Phase auf eine Minimierung aller sozialen Kontakte, um die Ausbreitung des Corona-Virus SARS-CoV-2 zu verlangsamen.

29. März: Erster Corona-Todesfall

Zu jenem Zeitpunkt stand lediglich fest, dass das Virus eine molekulare Innovation ist und dem Menschen keinerlei Immunantwort zur Verfügung stand. Am 29. März musste der erste Todesfall beklagt werden: Ein 85-Jähirger COVID-19-Patient mit Vorerkrankungen verstarb in einem Paderborner Krankenhaus.

Am 17. Juni musste der letzte Todesfall, eine 90-Jährige aus Altenbeken, vermeldet werden. Insgesamt 34 Menschen starben seit Beginn der Corona-Pandemie in Verbindung mit oder an einer Coronavirus-Infektion. Die meisten Verstorbenen (22) waren Bewohnerinnen und Bewohner aus insgesamt sechs Altenheimen, in denen das Virus ausgebrochen war. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 82 Jahren.

6. April: Behandlungszentrum im Ahorn-Sportpark

Am 6. April eröffnete die Kassenärztliche Vereinigung im Ahorn-Sportpark in Paderborn mit organisatorischer Unterstützung des Kreises ein ambulantes Behandlungszentrum, das am 22. Mai schließen konnte, weil sich die Lage zu dem Zeitpunkt stabilisierte. „Das waren sehr kritische Wochen“, erinnert sich Landrat Manfred Müller. „Uns war klar, dass wir für eine potentielle Verschärfung der Situation vorbereitet sein müssen“.

Der Krisenstab des Kreises sowie das Paderborner Gesundheitsamt, die Kassenärztliche Vereinigung und Krankenhäuser standen in engem Austausch und trafen Vorbereitungen. Personelle Ressourcen wurden aufgestockt, zum Teil durch Umverteilung innerhalb der Ämter. Aber auch Mitarbeitende des Robert-Koch-Instituts und Kräfte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen halfen mit bei der Kontaktnachverfolgung und beim Infotelefon.

Höhepunkt der Pandemie: Ende März und Anfang April

Wie kritisch es war, zeigen die Kurven der Gesamtverläufe: Die so genannte 7-Tages-Inzidenz, die Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, ist ein wichtiger Indikator: Wird dieser kritische Wert überschritten, müssen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Dieser Schlüsselwert stieg seit dem 24. März rasant an. Am 5. April erreichte die 7-Tages-Inzidenz mit 62,5 ihren Maximalwert.

Nach heutigem Stand hätte diese Überschreitung im April wohl zu einem lokalen Lockdown im Kreis Paderborn mit Herunterfahren des öffentlichen Lebens geführt. In diesen Tagen pendelt dieser Wert zwischen 4 und 5 und damit weit unter den kritischen Grenzwerten.

Juli: Reiserückkehrer lassen Zahlen wieder steigen

Mitte Juli sorgten 24 infizierte Reiserückkehrer für einen Anstieg der Neuinfektionen. Als dann Kindergärten und Schulen nach den Sommerferien am 11. August wieder öffneten, blieb das Geschehen ruhig. „Wir hatten bislang eine infizierte Lehrkraft und eine positiv getestete Erzieherin. Doch es gab weder in der betroffenen Schule noch im Kindergarten weitere Fälle“, bilanziert Kuhnert.

Warum wird nicht die gesamte Schule oder Kita dicht gemacht?

„Wieso schließt in solchen Fällen nicht die gesamte Schule, warum macht man nicht den ganzen Kindergarten dicht. Und wieso werden hier nicht sofort alle getestet“, waren jene Fragen, die das Gesundheitsamt immer neu erreichten. „Ist ein Kind positiv getestet, wird die gesamte Familie unter Quarantäne gestellt“, erläutert Kuhnert. Besuche das Kind einen Kindergarten oder eine Schulklasse, seien Kindergartenkinder , Klassenkameraden sowie ggf. Lehrkräfte und Erziehende Kontaktpersonen.

Hier werde im Einzelfall geschaut, ob es sich um engere Kontaktpersonen handele, immer nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, die verbindlich sind für die Arbeit des Gesundheitsamtes. Die Familienangehörigen von Kontaktpersonen (Kontaktpersonen der Kontaktpersonen) können nicht pauschal unter Quarantäne gestellt werden. „Aber kein Kind wird alleine isoliert.

Bei Kindern bis zu 12 Jahren wird ein Elternteil mit unter Quarantäne gestellt, denn die Betreuung bzw. Versorgung des Kindes muss sichergestellt sein. Bei Kindern ab 12 Jahren gehen wir davon aus, dass sie die Einsichtsfähigkeit besitzen, sich an die Quarantänemaßnahmen zu halten. Gegebenenfalls kann auch bei älteren Kindern im Einzelfall noch ein Elternteil mit unter Quarantäne gestellt werden. Bislang war das aber nicht erforderlich“, betont Kuhnert.

Warum wird nicht immer sofort getestet?

Arbeitnehmer, die vom Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt werden, bekommen ihr Gehalt weiter ausgezahlt, haben also einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Und warum nicht immer und sofort gleich testen? „Ein Test immer nur eine Momentaufnahme und liefert erst nach ein paar Tagen, wenn die Viruslast  hoch genug ist, ein aussagefähiges Ergebnis“, betont Kuhnert. „Also positiver Fall in Kindergarten oder Schule, und dann wie wild testen macht keinen Sinn“, bekräftigt die leitende Amtsärztin. 

Mittlerweile ist auch in der Krise so etwas wie Normalität eingekehrt. Doch das Pandemiegeschehen ist nicht vorbei, das Virus noch da und der Herbst naht. Jetzt heißt es, mit AHA durch den Herbst, lautet auch der Rat des Paderborner Kreisgesundheitsamtes. „AHA“ steht für Abstand halten, Hygienebestimmungen (häufiges Händewaschen, niemanden anniesen oder anhusten) einhalten und Alltagsmaske tragen. „Jeder Einzelne ist gefordert, das alles zu beachten, damit diese stabile Lage nicht gefährdet wird“, unterstreicht Kuhnert.

Nicht jeder Schnupfen ist gleich Corona

Nicht jeder Schnupfen ist gleich Corona: Infizierte Patienten oder Patienten, die befürchten, sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert zu haben, sollten sich an ihren Hausarzt wenden. Wichtig ist, vorher anzurufen und nicht einfach in die Praxis zu gehen. An Feiertagen und Wochenenden ist ein Arzt über den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung unter der 116117 erreichbar. In Notfällen wie z.B. Atemnot oder starke Schmerzen im Herzbereich oder Brust sollte niemand zögern, den Notruf 112 zu betätigen.

Das Infotelefon des Gesundheitsamtes ist Mo-Fr von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, Sa von 12 bis 16 Uhr erreichbar.

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