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Beratung in einer Geseker Apotheke
Foto: Franz Purucker
Thema der Woche

Droht Vor-Ort Apotheken das Aus?

Sonntag, 5. November 2017 von Franz Purucker






Die pharmazeutisch-technische Assistentin Lena Höpper stellt in der Geseker Hellweg-Apotheke eine Creme für einen Patienten her – ein Zuschussgeschäft, welches über den Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten finanziert wird. 

Die Verkäufe rezeptpflichtiger Medikamente sind wichtig – sie machen den überwiegenden Teil des Umsatzes einer Apotheke aus.

Deshalb sorgt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für besonders viel Unruhe in der Branche. Die  Deutsche Parkinson Vereinigung (DPV) hatte für ihre Mitglieder Rabatte bei der niederländischen Onlineapotheke DocMorris ausgehandelt und warb dafür, die Medikamente dort zu bestellen. Dagegen klagte die Zentrale gegen unlauteren Wettbewerb und gewann.

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Die Folge: Ausländische Versandapotheken dürfen den Filialapotheken Konkurrenz machen und sogenannte Boni gewähren, also Prämien zahlen, die sie mit der Zuzahlung verrechnen können. Unterm Strich ist das Medikament dort also billiger als in der Vor-Ort-Apotheke. „Ich darf nicht einmal ein Bonbon dazulegen“, beschwert sich die Apothekerin Dagmar Vollmer, die die Sonnen-Apotheke in Geseke betreibt. Enttäuscht ist sie auch von manchen Krankenkassen. „Eigentlich sind wir Partner.“ Dass diese jedoch ihre Versicherten zum Teil auffordern, die Medikamente bei günstigen Onlineapotheken zu bestellen, kann sie nicht verstehen.

Dabei übernehmen gerade im ländlicheren Bereichen die Apotheken auch eine gewisse Kontrollfunktion. „Wir hatten schon Medikamente in der falschen Stärke, mit falschen Namen oder sogar für den falschen Patienten“, berichtet Vollmer. Gerade bei Stammkunden fällt so etwas auf. Ruth Brückner-Pfaff ergänzt: „Wenn Ärzte Medikamente verschreiben, die gegeneinander wirken, meldet sich unser EDV-System. Außerdem kennen wir unsere Stammkunden oft persönlich.“

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Die Entwicklung ist gefährlich. „Wer heute seine Medikamente online bestellt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es irgendwann keine Apotheken vor Ort mehr gibt“, so  Brückner-Pfaff. Ihre Kollegin Dagmar Vollmer ergänzt: „Es sollten zumindest gleiche Bedingungen für Apotheken vor Ort und im Internet gelten.“

Ruth Brückner-Pfaff hat den Service ihrer Apotheke inzwischen ausgeweitet: „Ist ein Medikament nicht vorrätig, bringen wir es mit Boten nach Hause.“ Service und Beratung sind in ihren Augen die einzigen Möglichkeiten, um auf die Konkurrenz im Netz zu reagieren. Dies gilt besonders für medizinische Hilfsmittel: „Bei mir geht keiner raus, der das Gerät nicht bedienen kann.“ Persönliche Einweisungen – etwa in Inhaliergeräte – bieten die Onlineportale nicht.

Etwas Hoffnung dürfen die Apotheken noch haben: Die CDU hat in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl stehen, dass sie den Onlinehandel mit Arzneimitteln verbieten will. Fraglich nur, ob sich die künftige Koalition aus FDP, Grünen und CDU/CSU auf ein solches Gesetz einigen kann. 

Die Krankenkassen begrüßen wegen Spareffekten die Marktöffnung.

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